Eltern fordern von Kindern Erbverzicht

Viele wollen nach dem Tod des Ehepartners weiter in ihrem Haus wohnen und das vertraglich absichern. Die Nachkommen könnten so aber das ganze Erbe verlieren.

Verteilung der Güter zwischen Jung und Alt: Vertragsunterzeichnung. (Symbolbild)

Verteilung der Güter zwischen Jung und Alt: Vertragsunterzeichnung. (Symbolbild) Bild: Martin Rütschi/Keystone

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Ehepaare aus dem Mittelstand wollen immer häufiger auf Nummer sicher gehen: Sie verlangen von ihren Kindern einen Erbverzicht, schreibt die «Schweiz am Wochenende». Denn sonst könnten die Kinder auf ihren Pflichtteil pochen, wenn ein Elternteil stirbt.

Bei Mittelstandsfamilien ist aber oft ein Grossteil des Vermögens in einem Einfamilienhaus gebunden. Muss der verbleibende Elternteil die Kinder auszahlen, ist er gezwungen, das Haus zu verkaufen. Um das zu verhindern, drängen Eltern die Nachkommen, einen Erbverzichtsvertrag zu unterschreiben. Eine Frau, deren Fall die «Schweiz am Wochenende» schildert, hat dieses Vorgehen der Eltern als «Vertrauensbruch» erlebt.

Mittelstand hat 800'000 Einfamilienhäuser

Elf von 18 notariellen Organisationen auf Kantonsstufe in der Deutschschweiz bestätigen eine Zunahme solcher Fälle gegenüber der Zeitung. Von sechs Kantonen kam keine Antwort.

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Genaue Zahlen sind im Bericht nicht genannt, die Einfamilienhaus-Besitzer aus dem Mittelstand seien aber zahlreich. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des Immobilienberaters Iazi, wonach etwa 80 Prozent der 1 Million Einfamilienhäuser in der Schweiz 6,5 Zimmer oder weniger haben und damit in den Bereich des Mittelstands fallen.

Kinder wollen selber Wohneigentum

Weshalb kommt es zu der Zunahme der Erbverzichtserklärungen? Früher sei es normal gewesen, dass die Kinder warteten, bis beide Elternteile gestorben sind, um Erbansprüche zu erheben. Heute sei das nicht mehr so. Insbesondere dann, wenn die Nachfahren selber Wohneigentum erwerben wollen. Das ist heute oft nur noch mit der Hilfe der Eltern möglich.

Ein Erbvorbezug in Kombination mit einem Erbverzicht kommt denn auch vermehrt vor, wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt. Die Eltern geben den Kindern Geld, verlangen im Gegenzug aber einen Erbverzicht.

Unterschreiben die Kinder den Vertrag und erhalten keinen Erbvorbezug, laufen sie Gefahr, am Ende ganz leer auszugehen. Der verbleibende Elternteil könnte das Vermögen ganz aufbrauchen, erneut heiraten oder eine schwere Krankheit erleiden. Dagegen kann man sich gemäss der «Schweiz am Wochenende» mit Klauseln im Erbverzichtsvertrag aber schützen. (rub)

Erstellt: 05.08.2017, 09:53 Uhr

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