Fifa präsentiert Rekordzahlen – und bleibt Verein

Das WM-Jahr bescherte der Fifa einen nie dagewesenen Milliardenumsatz. Der Fussballverband wird aber nach dem Willen des Parlaments noch zum ermässigten Satz für Vereine besteuert.

Sein Verband lenkt Milliarden: Fifa-Präsident Sepp Blatter in seinem Büro in Zürich. (18. Januar 2010)

Sein Verband lenkt Milliarden: Fifa-Präsident Sepp Blatter in seinem Büro in Zürich. (18. Januar 2010) Bild: Karl-Heinz Hug/Keystone

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Die Fifa tagt zurzeit in Zürich. Gestern entschied der Weltfussballverband, dass der Final der WM von 2022 in Katar sechs Tage vor Weihnachten stattfindet. Heute beschloss er, die Fussballclubs künftig pro Tag und Spieler, der an der WM mittut, mit 8400 Dollar zu entschädigen. Die mehrheitlich europäischen Vereine erhalten demnach pro WM 205 Millionen Dollar ausbezahlt – dreimal so viel wie zuletzt in Brasilien.

Gleichzeitig wie die Fifa tagte in Bern auch der Nationalrat – und debattierte das Milliardengeschäft der Fifa. Der Streitpunkt war ein alter: Müsste der Verband, der als Verein nach Schweizer Recht in Zürich seinen Sitz hat, nicht mehr Steuern bezahlen?

Fifa bezahlt Steuern

Das Anliegen in den Nationalrat gebracht haben gut 10'000 Personen, die auf Aufruf der Juso und des Hilfswerks Solidar Suisse eine Petition ans Parlament gerichtet hatten. Sie forderten, der Fifa seien Steuererleichterungen und Steuerbefreiungen zu entziehen. Das Anliegen war im Parlament chancenlos, denn es ging von einer falschen Annahme aus: nämlich, dass die Fifa als gemeinnütziger Verein steuerbefreit sei, wie dies viele andere internationale Sportverbände sind. Nur eine Woche nach der Einreichung der Petition hatte der Kanton Zürich im August 2011 klargestellt, dass die Fifa wie jeder andere Verein Steuern bezahle, nämlich vier Prozent auf den Reingewinn und 0,75 Promille auf das Eigenkapital. Wie der Bundesrat 2012 nachlegte, unternahm die Fifa auch nie einen Versuch, sich von der Bundessteuer befreien zu lassen.

Übrig blieb damit die Frage, ob die Fifa zu Recht als Verein registriert ist und damit nicht wie ein Unternehmen acht Prozent Steuern auf den Reingewinn entrichten muss. «Es gibt keinen Grund, der Fifa den gleichen rechtlichen Status zu gewähren wie einem Jodlerclub im Berner Oberland», sagte SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Sein Versuch, die Debatte in diese Richtung zu lenken, scheiterte: Der Nationalrat lehnte das Anliegen mit 116 Ja- zu 67 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen ab.

Unter Beobachtung

Ist die Fifa damit aus dem Schneider? Die kurze Debatte im Nationalrat machte klar, dass der Weltfussballverband unter Beobachtung der Politik steht. Die Wirtschaftskommission habe die Petition im Vorfeld intensiv diskutiert und der Juso in vielen Punkten Verständnis entgegengebracht, sagt der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel auf Nachfrage. Es gebe zurzeit keine Mehrheit, um an der heutigen Steuerpraxis für die internationalen Verbände zu rütteln, sagt der oftmals auch Fifa-kritische Sportmanager. Ob dies auch in Zukunft so bleibe, sei aber nicht sicher. «Im Parlament wird teilweise unterschätzt, wie massiv der Druck ist, der auf die Schweiz aus dem Ausland zukommt in dieser Frage.» Büchel fordert deshalb Massnahmen von den grossen Verbänden, um das Reputationsrisiko für die Schweiz zu verringern. «Je mehr sie in Sachen Korruption unternehmen, desto geringer wird der Druck ausfallen.»

Die im Parlament bis ins bürgerliche Lager hinein verbreitete Skepsis gegenüber der Fifa – 6 BDP- und 2 SVP-Nationalräte enthielten sich, 7 CVP-Vertreter stimmten gar zu – will sich SP-Nationalrat Cédric Wermuth zunutze machen, um die Besteuerungsfrage weiterzuverfolgen. Er werde sich überlegen, ein Postulat einzureichen. «Die Rechtskommission müsste klären, ob ein Multimilliardenkonzern wie die Fifa tatsächlich juristisch als Verein gelten kann.» Auch stelle sich die Frage, ob sich die gänzliche Befreiung des Internationalen Olympischen Komitees und ihm angeschlossener Verbände von der Bundessteuer angesichts der Kommerzialisierung des Sports aufrechterhalten liesse.

«Falsches Signal»

Gänzlich für falsch hält die Diskussion um die Besteuerung der Sportverbände der Zürcher SVP-Nationalrat Jürg Stahl. Erstens stört er sich daran, dass der Nationalrat der Kritik an der Fifa überhaupt so viel Aufmerksamkeit gewährte. Zweitens wirft er der Juso vor, sie hätte das Thema direkt ins Parlament bringen können, statt eine Petition zu lancieren. Und drittens hält er die Debatte für ein falsches Signal an die über 50 Sportverbände in der Schweiz, die meist weniger lukrative Sportarten wie Rudern oder Volleyball vertreten.

Auch gelte es, die grossen Verbände Fifa, Uefa und IOK in der Schweiz zu behalten, findet Stahl. «Wenn Herr Wermuth möchte, dass diese nach Katar gehen, dann soll er es sagen.» Die Fifa sei sicher gut beraten, wenn sie nicht versuche, alles schönzureden, sagt Stahl. Die Kritik in Sachen Besteuerung hält er jedoch für nicht angebracht. Die kommerziellen Aktivitäten der Fifa seien korrekt in Tochtergesellschaften organsiert, die unternehmerische Rechtsformen aufweisen würden.

Am Nachmittag hat die Fifa in Zürich schliesslich ihren Finanzbericht für 2014 verabschiedet. Das WM-Jahr bescherte dem Verband einen Rekordumsatz von 2,1 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 141 Millionen Dollar.

Auswirkungen hat dies auch auf die Höhe der Steuern, die die Fifa abliefert: Gut 36 Millionen Dollar lieferte die Fifa 2014 an Steuern und Abgaben ab – mehr als doppelt so viel wie 2013.

Wie sich dieser Posten im Detail zusammensetzt und welche Beträge auf Tochtergesellschaften entfallen, bleibt allerdings ungewiss. Er bestehe «im Wesentlichen aus Aufwendungen in Bezug auf direkte Steuern in der Schweiz», schreibt die Fifa auf Anfrage. Einen effektiven Steuersatz will die Fifa zudem nicht ausweisen, wie sie im Finanzbericht schreibt – ein solcher wäre «wenig aussagekräftig». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2015, 17:06 Uhr

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