Geheimdienst hackte Computer im Ausland

Agenten und Private drangen in ausländische Server ein, obwohl das illegal ist.

Sitz des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Bern, in dem sich auch der Nachrichtendienst des Bundes befindet. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Sitz des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Bern, in dem sich auch der Nachrichtendienst des Bundes befindet. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der schweizerische Nachrichtendienst führte klandestine Operationen gegen Computerserver im Ausland durch, um sich dort grosse Datenmengen zu beschaffen. Dies bestätigen mehrere Quellen, die sich mit den Vorgängen befasst haben. Details sind bislang nur wenige bekannt. Die Aktionen richteten sich laut einer involvierten Person gegen ­Private und Firmen, die im Verdacht standen, zur Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beizutragen. Es sei, so sagt derselbe Informant, nicht in erster Linie um Ziele gegangen, welche die Schweiz direkt bedrohten, sondern um die Beschaffung von Daten, welche Geheimdienstpartner interessierten.

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) pflegt enge Kontakte zu Partnern aus Nato-Ländern. Sie betreiben eine Art Tauschbörse mit nachrichtendienstlichen Informationen.

Im vergangenen Herbst hatte baz.ch/Newsnet erstmals über mutmassliche Spionageaufträge der Eidgenossenschaft an junge Computercracks aus der Westschweiz berichtet. Im Strafverfahren wegen Hackings um den Walliser Weinhändler Dominique Giroud und einen Ex-NDB-Agenten hatte ein ebenfalls beschuldigter Informatiker im vergangenen Sommer ausgesagt, er habe von 2006 bis 2009 für den damaligen schweizerischen Auslandsgeheimdienst «extrem sensibles Hacking im Ausland» durchgeführt. Er und sein mittlerweile verstorbener Geschäftspartner seien von einem Führungsoffizier angewiesen worden, der sich Norbert nannte.

Just in jenem Zeitraum hatte sich die parlamentarische Geheim­dienst­aufsicht GPDel mit der Frage beschäftigt, ob schweizerische Behörden im Ausland hacken dürfen. Im Herbst 2007 bat sie Rechtsexperten des Bundes um Auskunft. Zwei Jahre später lag ein Gutachten vor. Gemeinsam kamen die Direktion für Völkerrecht, angesiedelt im Aussendepartement (EDA), und das Bundesamt für Justiz zu eindeutigen Schlüssen: Ausländische Computernetzwerke auszuforschen oder zu attackieren sei «nur im Aktivdienst möglich». In Friedenszeiten bestünden für solche Operationen «keine rechtlichen Grundlagen». Es gibt aber Hinweise, dass auch der Nachrichtendienst des Bundes, der 2010 aus einer Fusion entstand, einzelne Hackingaktionen im Ausland durchführte. Eine Person, die Kenntnis von den Vorgängen hat, sagt: «Das ist gestoppt worden, bis das neue Gesetz unter Dach und Fach ist.»

Der NDB schreibt in einer Stellungnahme, er «führe keine illegalen Recherchen durch». Das geltende Gesetz ermögliche «implizit» Hacking. Mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz, das heute im Nationalrat diskutiert wird, soll der NDB «explizite», also ausdrückliche, gesetzliche Kom­pe­ten­zen verliehen bekommen, um in heik­len Fällen in Computersysteme im In- und Ausland einzudringen. Der Bundes­rat verspricht sich davon Informationen bei der Früherkennung von Terrorabsichten oder der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 23:49 Uhr

Artikel zum Thema

«Der beste Geheimdienst der Welt»

Der Nachrichtendienst des Bundes strebt nach umfassenden Überwachungsmitteln. Könnte er damit umgehen? Und hat Direktor Markus Seiler sein Ziel, den besten Dienst der Welt zu leiten, erreicht? Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...