«Türkisches Konsulat hat wohl kalte Füsse bekommen»

Die Türkei ist abgeblitzt: Eine Erdogan-kritisches Bild bleibt auf der Place des Nations ausgestellt. Die Türkei spricht von einer «aus dem Kontext gerissenen Interpretation».

«Ich heisse Berkin Elvan. Die Polizei hat mich auf Befehl des türkischen Premierministers getötet»: Der kurdisch-armenische Fotograf Demir Sömez posiert neben seinem Poster. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

«Ich heisse Berkin Elvan. Die Polizei hat mich auf Befehl des türkischen Premierministers getötet»: Der kurdisch-armenische Fotograf Demir Sömez posiert neben seinem Poster. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

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Die Genfer Stadtregierung beugt sich dem Druck aus der Türkei nicht und belässt eine Fotografie, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert, auf der Place des Nations. Das gab die Stadtregierung nach der heutigen Sitzung bekannt. Zur SRF-«Tagesschau» sagt Stadtrat Guillaume Barazzone: «Genf und die Schweiz stehen für die Meinungsäusserungsfreiheit ein. Gerade auf der Place des Nations in Genf, wo sich Minderheiten mit Demonstrationen müssen ausdrücken können. Deshalb steht die Stadtregierung von Genf hinter dieser Ausstellung. Es steht ausser Frage, dieses Foto zu entfernen.»

«Verdrehte» Tatsachen

Das Türkische Konsulat in Genf spricht auf Anfrage von «verdrehten» Tatsachen und einer «aus dem Kontext gerissenen Interpretation». Das nachträglich dazu gestellte Foto des Künstlers Demir Sönmez habe in der türkischen Gemeinschaft in Genf Unzufriedenheit ausgelöst. Darauf hätten sie die betreffenden Genfer Behörden kontaktiert, die zu den offiziellen Sponsoren der Ausstellung gehörten.

Die Stadt Genf hält jedoch nach wie vor fest: «Das Türkische Konsulat hat uns letzten Freitag aufgefordert, das Foto zu entfernen – das sind die Fakten.» Auf die Frage nach den Gründen für die gegenteilige Reaktion des Türkischen Konsulats heisst es bei der Stadt Genf: «Das Konsulat hat wohl kalte Füsse bekommen.» Zur Behauptung des Konsulats, das Foto sei nachträglich aufgehängt worden, konnte sich die Stadt nicht äussern. «Dazu liegen uns keine Informationen vor.»

«Polizei hat mich auf Geheiss des türkischen Ministerpräsidenten getötet»

Demir Sönmez, Genfer Fotograf mit kurdischen und armenischen Wurzeln, stellt bis am Sonntag auf der Place des Nations 58 Fotografien von auf dem Platz durchgeführten Demonstrationen aus. Darunter befindet sich auch die von den türkischen Behörden beanstandete Aufnahme vom März 2014.

Das Bild zeigt ein Transparent, auf welchem der damalige Premierminister Erdogan für den Tod eines Jugendlichen anlässlich eines Protests in Istanbul verantwortlich gemacht wird. «Ich heisse Berkin Elvan, die Polizei hat mich auf Geheiss des türkischen Ministerpräsidenten getötet», stand auf dem Banner geschrieben. (rub/woz/bz)

Erstellt: 26.04.2016, 12:42 Uhr

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