Häftlinge wollten nicht in Zelle zurück

In der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon brodelt es weiter. Dutzende Häftlinge weigerten sich nach dem Spaziergang, in ihre Zellen zurückzukehren. Die Wärter setzten derweil den Kanton unter Druck.

Geriet immer wieder negativ in die Presse: Das Genfer Gefängnis Champ-Dollon.

Geriet immer wieder negativ in die Presse: Das Genfer Gefängnis Champ-Dollon. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wärter der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon weigern sich, ihre Arbeit weiterzuführen, wenn das Sicherheitsdepartement keine Massnahmen ergreift, um die Lage im Gefängnis zu verbessern. Dies gab die Gewerkschaft der Polizei und Gefängniswärter (UPCP) bekannt. «Wir sind nicht mehr bereit, derartige Risiken zu den aktuellen Bedingungen einzugehen», sagte UPCP-Präsident Christian Antonietti der Nachrichtenagentur sda. Derzeit stünden 342 Wärter 850 Inhaftierten gegenüber.

Dies entspricht einem Verhältnis von 0,40 Wärter pro Häftling. Das Sicherheitsdepartement verlange jedoch selber mindestens ein Verhältnis von 0,49 Wärtern pro Häftling. Die UPCP verlangt, dass bis Ende März ein Verhältnis von 0,49 hergestellt wird.

Dazu müssen entweder neue Wärter angestellt werden oder die Zahl der Häftlinge verringert werden. Eine Reduktion der Häftlinge im massiv überfüllten Gefängnis sei auch notwendig, um dem Urteil des Bundesgerichts vom Mittwoch gerecht zu werden.

Dieses hatte eine Beschwerde von zwei Häftlingen teilweise gutgeheissen und die Haftbedingungen als menschenrechtswidrig bezeichnet. Die Wärter halten sich auch die Möglichkeit vor, gegen den Kanton ein Verfahren für Entschädigungen für moralische oder physische Schäden einzuleiten.

Häftlinge verweigerten sich

Derweil weigerten sich 34 Häftlinge maghrebinischer Herkunft, nach dem Spaziergang in ihre Zellen zurückzukehren. Nach einer Phase unfruchtbarer Diskussionen seien die aufmüpfigen Häftlinge schliesslich mit Zwang in ihre Zellen zurückgebracht worden, erklärte Laurent Forestier, Sprecher des Genfer Sicherheitsdepartementes. Dabei sei das übliche Vorgehen für solche Fälle gewählt worden, die Teil des Gefängnisalltages seien.

Der Zwischenfall erforderte laut Forestier die Unterstützung zusätzlicher Sicherheitskräfte, darunter Polizei und Feuerwehr. Anfang Nachmittag habe sich die Situation wieder beruhigt.

Massenschlägerei am Wochenende

Seit dem letzten Sonntag war es in dem Gefängnis zu fünf Massenschlägereien mit insgesamt 26 verletzten Häftlingen und acht verletzten Wärtern gekommen. In Champ-Dollon befinden sich derzeit über 850 Häftlinge, konzipiert ist es aber nur für 370 Inhaftierte.

Am gestrigen Donnerstag hatte das Bundesgericht die Haftbedingungen in Champ-Dollon als zeitweise menschenrechtswidrig gerügt. (kpn/sda)

Erstellt: 27.02.2014, 16:43 Uhr

Artikel zum Thema

Haftbedingungen in Champ-Dollon menschenrechtswidrig

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde zweier Gefangener teilweise gut, die mehr als ein Jahr in Genf in Untersuchungshaft verbracht hatten. Mehr...

Bandenkrieg in Genfer Gefängnis

Im Gefängnis Champ-Dollon brodelt es. Beinahe täglich kommt es zu Schlägereien. Wegen der Überbelegung genügt ein kleiner Funke, dass das Pulverfass hochgeht. Mehr...

Massenschlägerei in Champ-Dollon

Im Genfer Gefängnis Champ-Dollon gingen hundert Häftlinge aufeinander los. Die Polizei musste den Wärtern zu Hilfe eilen. Fünf Häftlinge wurden durch Stichwaffen schwer verletzt. Mehr...

Blog

Paid Post

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Grosse Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu grossen Erwartungen. Was die Aktienmärkte 2018 belastete, könnte 2019 zu positiven Überraschungen führen.

Blogs

Geldblog Warum die Hypozinsen bald ansteigen werden

Tingler Botox und Wahn

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Angestellten einer Werkstatt in Tuntou, China, fertigen Laternen in Handarbeit. Diese werden als Dekoration für das chinesische Neujahrsfest dienen, das Anfang Februar stattfindet. (Januar 2019)
(Bild: Roman Pilipey/EPA) Mehr...