Hat Ziggy Zaugg versagt?

Die Abstimmungskampagne um die Rauchen-Initiative war geprägt von der Kunstfigur Ziggy Zaugg. Die Meinungen über deren Einsatz gehen auseinander.

Alles bloss Schall und Rauch: Ziggy Zaugg, Stereotyp Tabaklobbyist, verkörperte das Maskottchen der Lungenliga im Abstimmungskampf.

Alles bloss Schall und Rauch: Ziggy Zaugg, Stereotyp Tabaklobbyist, verkörperte das Maskottchen der Lungenliga im Abstimmungskampf. Bild: Keystone

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Ziggy Zaugg hat den Abstimmungskampf um die Passivraucheninitiative farbig gemacht. Im knallrosa Anzug mimte der von der Lungenliga angestellte Schauspieler einen komplett überdrehten Tabaklobbyisten und nahm so die Branche und das gegnerische Abstimmungskomitee auf die Schippe. Mit Ziggy Zaugg betrat dessen Schöpfer, Campaigning-Spezialist Daniel Graf, Neuland. Er führte zum ersten Mal in der jüngeren Schweizer Politgeschichte eine Kunstfigur in einen Abstimmungskampf ein.

Ziggy Zaugg sollte insbesondere auf den Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter Präsenz markieren. Die Meinungen über Sinn und Unsinn dieses Live-Campaigning gingen in PR- und Politologenkreisen bereits früh auseinander. Politikberater Mark Balsiger attestierte Zaugg auf Twitter schon früh «fehlende Dramaturgie» und wollte ihn mit seinem «Schall und Rauch» in Pension schicken. Laut Balsiger hat vor allem die Ironie der Figur nicht funktioniert. «Ein Drittel der Erwachsenen versteht Ironie nicht, so eine Faustregel», sagt Balsiger.

Laut Graf habe man mit Ziggy Zaugg vorrangig drei Ziele verfolgt. «Zum einen die Aufmerksamkeit auf den Abstimmungskampf zu bringen und zum anderen, die Gegenseite zu verunsichern, anzugreifen und die Tabaklobby als bisher unauffälligen Akteur thematisieren. Die Verunsicherung ist uns sicher gelungen», sagt Graf. Die Gegenseite habe der Unberechenbarkeit von Zauggs Entwicklung im Lauf der Kampagne «ratlos gegenübergestanden».

«Lügenliga» statt «Lungenliga»

Damit nimmt Graf einem neutralen Kritiker den Wind aus den Segeln, der den Einsatz Ziggy Zauggs ebenfalls bereits früh kritisiert hat. So prognostizierte Claude Longchamp in seinem Blog, dass Ziggy Zaugg zwar Aufmerksamkeit generiere, allerdings keine Botschaften der Initiativbefürworter platzieren könne. «Dies ist meiner Meinung nach eingetreten», sagt Longchamp. Sieben Wochen lang die Message «Die Tabaklobby schickt Zigarrenschachteln und kauft alles und jeden mit Geld» zu verbreiten, funktioniere nicht. «Ziggy Zaugg hat nach der Phase der Aufmerksamkeitsgenerierung nur noch negative Stereotypen verstärkt. Leider auch diejenigen der Befürworter. Ich las am Schluss aus Versehen auch Lügen- statt Lungenliga, sogar wenn Lungenliga angeschrieben stand», sagt Longchamp. Um wirkungsvoll die Gesundheitsbotschaft der Lungenliga zu verbreiten, hätte Ziggy Zaugg laut Longchamp nach der Hälfte der Kampagne reuig die Seiten wechseln und für die Lungenliga arbeiten müssen.

Graf widerspricht Longchamp bezüglich der fehlenden Entwicklung Zauggs. «Wir konnten mit der Kunstfigur auf Entwicklungen in der Realität reagieren», sagt Graf. Ziggy habe tun können, was der Lungenliga als unfair angekreidet worden wäre, nämlich die Botschaften der Gegner beispielsweise mit «Rauchverbot wegen 2000 Herzinfarkten» ad absurdum zu führen. Graf will auch in künftigen Kampagnen auf Live-Campaigning setzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2012, 07:02 Uhr

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