Investitionsobjekt Student

Bildung ist teuer: Jedes Jahr werden in der Schweiz 302 Millionen Franken Stipendien ausbezahlt. Luzern erprobt nun ein günstigeres Modell und setzt dabei auf private Investoren.

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Die Schweiz hat 26 Kantone und damit auch 26 verschiedene Stipendienwesen. Wer einen Anspruch hat und wie hoch der ist, hängt also vom Kanton ab. Hochschulstudenten erhielten 2012 im Kanton Luzern beispielsweise durchschnittlich 5730 Franken, im Kanton Waadt hingegen 11 614 Franken. Auch wenn der Kanton Waadt damit der schweizweite Spitzenreiter darstellt, liegt der Betrag deutlich unter den von der Schweizer Rektorenkonferenz errechneten Lebenshaltungskosten. Diese liegen je nach Studienort zwischen 21'000 und 31'000 pro Jahr. Die Kantone zahlten insgesamt 302 Millionen Franken an Stipendien.

Neben Stipendien sind Darlehen eine weitere Möglichkeit, um sein Studium zu finanzieren. Kantone vergaben 2012 jedoch nur 16 Millionen Franken an Darlehen. Bei diesen würde der Staat, im Gegensatz zu Stipendien, die Investition wieder zurückerhalten. Die kantonalen Darlehen sind während der Ausbildung zinsfrei und werden danach tiefer als etwa Kleinkredite verzinst.

Der Kanton Luzern hat hier nun eine schweizweite Pionierrolle übernommen. Weil er bei den Stipendien sparen will, möchte er den Kreis der Bezugsberechtigten verkleinern. Dafür setzt er auf kantonale Darlehen und will vermehrt auch mit privaten Investoren ­zusammenarbeiten. Wenn Studenten nicht für Unterstützung vom Kanton infrage kämen, könnten sie dank dem «Luzerner Modell» trotzdem finanzielle Hilfe erhalten. Der Verein Studienaktie.org soll Investoren für Studenten suchen, die sich ein Studium nicht selbst finanzieren können.

Lebensentwurf vorlegen

Studenten müssten sich dazu mit einem «Lebensentwurf» bei ihren Investoren bewerben und angeben, welches Einkommen sie nach dem Studium erwarten. Findet sich ein interessierter Investor, wird ein Kredit und eine Zins­spanne für die Rückzahlung festgelegt. «Sie partizipieren am künftigen Gehalt der Aspirant/innen, welche Sie fördern», schreibt der Verein auf seiner Webseite.

Eine Investition ist ab 1000 Franken möglich. Wie viel ein Student nach dem Abschluss dem Investor schuldet, hängt von seinem Einkommen ab. Der Zielzinssatz liegt bei fünf Prozent. Verdient er exakt so viel wie er geschätzt hat, zahlt er diese fünf Prozent pro Jahr. Liegt das Einkommen unter dem geschätzten Wert, kann der Zins bis auf 1,25 Prozent sinken. Erzielt der Student danach ein höheres Einkommen als geplant, kann der Zinssatz auf maximal 9,25 Prozent steigen. Der Student als «Investitionsobjekt» geht den Linken im Kanton Luzern aber zu weit. Unter der Führung der Jungen Grünen haben sie deshalb ein Referendum gegen das neue Stipendiengesetz eingereicht.

Sie stören sich vor allem an der Zusammenarbeit mit privaten Investoren. Bildung sei Aufgabe des Kantons. «Der Wechsel von Stipendien zu mehr Darlehen ist aus unserer Sicht gefährlich.» Er würde zu einem Schuldenberg am Ende der Ausbildung führen. Zudem befürchten sie eine «Amerikanisierung der Ausbildungsfinanzierung». Auch nationale Bildungspolitiker halten wenig von dieser Idee. «Ich bin gegen Studiendarlehen von Investoren. Private sollten kein Profit daraus machen, dass ein Student Probleme bei der Finanzierung seines Studiums hat», sagt die Berner SVP-Nationalrätin Nadja Pieren. Studiendarlehen des Staates finde sie hingegen gut. «Die Mehrheit kann nach dem Studium ein Darlehen zurückzahlen.» Das sei sicher zumutbar. Für die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin (CVP) sind Darlehen nur in wenigen Fällen sinnvoll. «Studenten sollten nicht zu Schulden verführt werden, wer wirklich Unterstützung benötigt, soll ein Stipendium erhalten.»

Schuldenberg nach Studium

In den USA werden Studiendarlehen oft beansprucht. Studieren ist dort deutlich teurer als in der Schweiz. Viele Eltern legen für ihre Kinder bereits bei der Geburt ein Sparkonto an und haben trotzdem Mühe, die hohen Studiengebühren zu finanzieren. Abhängig vom Renommee der Universität liegen diese pro Jahr zwischen etwa 4000 und 26 000 Franken. Zum Vergleich: An der Universität Basel zahlt man pro Jahr 1700 Franken, an der Universität Zürich 1538 Franken.

Nach dem Studium folgt dann für amerikanische Studenten das böse Erwachen, wenn sie ihre Schulden zurückzahlen müssen. Ihre Schuldenlast liegt bei über 880 Milliarden Franken. Die Jungen Grünen Luzern halten diesen Schritt Richtung Privatisierung des Bildungswesens deshalb für gefährlich.Die Befürworter loben das neue Gesetz hingegen als Innovation und als Ergänzung der staatlichen Möglichkeiten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.03.2014, 14:46 Uhr

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