«Jetzt findet eine Hauruckübung statt»

SBB-Präsidentin Monika Ribar kritisiert den Bund und dessen Pläne für den Fernverkehr scharf.

Befürchtet den Rückgang des Gewinns um 100 Millionen Franken pro Jahr: SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar. (Archiv)

Befürchtet den Rückgang des Gewinns um 100 Millionen Franken pro Jahr: SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar. (Archiv) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Präsidentin des SBB-Verwaltungsrats, Monika Ribar, hat das Vorgehen des Bundesamtes für Verkehr (BAV) stark kritisiert. In einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Dienstag sagte sie, die ganze Debatte um den Wettbewerb sei gar kein politischer Wille. «Als SBB haben wir nichts gegen Wettbewerb», so Ribar. «Wir stören uns aber am angestrebten Systemwechsel durch die Hintertür.»

Es sich dabei mehr um einen Aktionismus des Bundesamtes - also von einer Behörde. «Man weiss seit zwölf Jahren, dass die Fernverkehrskonzessionen auslaufen, und hätte seither den Rahmen verändern können», betonte Ribar. Die SBB und andere Anbieter hätten sich dann auch rechtzeitig auf eine geänderte Situation vorbereiten können. «Stattdessen findet jetzt eine Hauruckübung statt.»

Falls der Fernverkehr künftig nicht mehr aus einer Hand produziert würde, zöge dies zum Beispiel höhere Kosten nach sich, da Doppelspurigkeiten - etwa bei Werkstätten und Personalreserven - entstünden, gibt Ribar zu bedenken. Zudem stört sich die SBB-Verwaltungsratspräsidentin am Plan des BAV, die Umsatzrendite im Fernverkehr auf acht Prozent zu deckeln, was immerhin einer Reduktion des Unternehmensgewinns bei den SBB um 100 Millionen Franken pro Jahr entsprechen würde.

Autos als Konkurrenz

Die SBB seien ohnehin schon beim Individualverkehr einem beachtlichen Wettbewerb ausgesetzt und müssten permanent Kosten senken, um mit der Konkurrenz etwa beim Autofahren überhaupt mithalten zu können. Ein Preiswettbewerb im System des öffentlichen Verkehrs sei in einem nationalen Tarifverbund nicht möglich, erklärte Ribar.

Einen Konflikt ihres Unternehmens mit der Spitze des BAV sieht die SBB-Verwaltungsratspräsidentin dagegen nicht. «Frau Leuthard und ich haben ein vorzügliches Verhältnis, und ich kann Ihnen versichern, dass wir über alle Aspekte der Zusammenarbeit von SBB und Bund sprechen», hob die Präsidentin des SBB-Verwaltungsrats in dem «NZZ»-Interview hervor. (sep/sda)

Erstellt: 29.05.2018, 07:46 Uhr

Artikel zum Thema

SBB kämpfen gegen Fernverkehrs-Konzession der BLS

Das Bahnunternehmen droht mit Beschwerde, wenn der Bund Fernverkehrslinien an die BLS überträgt. Und warnt vor höheren Preisen. Mehr...

«Wir werden bei den Fernbussen sehr genau hinschauen»

Interview Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas ist von der Konzession für Fernbusse wenig begeistert. Er warnt vor einer Ausweitung auf den Regionalverkehr. Mehr...

Eurobus plant nationale Fernlinien

Der Schweizer Fernbus-Verkehr soll um sieben Linien ausgebaut werden – zumindest wenns nach Eurobus geht. Das Schweizer Busunternehmen hat eine Konzession beantragt. Mehr...

Blog

Paid Post

Langlaufträume in Österreichs Winterwunderland

Seefeld und Achensee verbinden Natur, Sport und Kulinarik. Zwei Profis verraten Ihnen ihre Geheimtipps.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Ein Indischer Fischer wartet in einem Gefängnis in Karachi, Pakistan auf seine Bestrafung. Er wurde gemeinsam mit elf weiteren Männern von der Marine aufgegriffen, als sie versehentlich in pakistanischem Hoheitsgebiet unterwegs waren. Indien und Pakistan nehmen regelmässig Fischer des jeweils anderen Landes fest, da die Territorien im Meer nicht klar abgegrenzt sind. (18. November 2018)
(Bild: SHAHZAIB AKBER) Mehr...