Kasse bezahlt Trisomie-21-Test

Helsana übernimmt als erste Krankenkasse den pränatalen Bluttest zur Erkennung von Trisomie 21. Das gilt jedoch nur für Zusatzversicherte.

Umstrittene, aber verbreitete Diagnosemethode: Mit dem Praenatest können Chromosomenschäden bereits ab der neunten Schwangerschaftswoche erkannt werden. (Symbolbild)

Umstrittene, aber verbreitete Diagnosemethode: Mit dem Praenatest können Chromosomenschäden bereits ab der neunten Schwangerschaftswoche erkannt werden. (Symbolbild) Bild: Fabrice Coffrini/Keystone

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Bei der Einführung des Praenatests der Konstanzer Firma Lifecodexx im August 2012 in der Schweiz dominierten die kritischen Stimmen. Behindertenorganisationen und Ethiker warnten vor dem Druck auf die Eltern, der durch die neue Diagnosemethode entstehe. Von «Zuchtwahl menschlichen Lebens» sprach Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Instituts Dialog Ethik in Zürich. Die Warnungen klangen ähnlich wie zurzeit bei der Debatte über die Zulassung der Pränataldiagnostik (PID).

Mit dem Praenatest kann ab der neunten Schwangerschaftswoche im Blut der Mutter nach Chromosomenschäden beim werdenden Kind gesucht werden. Festgestellt werden kann unter anderem Trisomie 21, die das Down-Syndrom verursacht. Mittlerweile sind in der Schweiz vier solcher Tests von verschiedenen Herstellern auf dem Markt.

4500 Tests seit August 2012

Knapp drei Jahre nach der Einführung des Praenatests von Lifecodexx hat nun Helsana als erste Krankenversicherung entschieden, die Kosten für eine solche Untersuchung zu übernehmen. Das gilt für jene Frauen, die über die Zusatzversicherung Primeo verfügen. Alle anderen Versicherten bei einer zur Helsana-Gruppe gehörenden Krankenkasse erhalten den Test vergünstigt. Für sie kostet die Basis-Variante des Praenatests 900 Franken. Diesen Betrag müssen die Frauen selber bezahlen.

Helsana hat mit Lifecodexx neben einem Rabatt auch ausgehandelt, dass das Testresultat innert weniger Tagen vorliegt. Der Krankenversicherer begründet das Angebot an die Versicherten damit, dass dank des Bluttests die Zahl der invasiven Untersuchungen während der Schwangerschaft reduziert werden könnten. Gemeint ist die Fruchtwasserpunktion, bei der den Schwangeren mit einer langen Nadel durch die Bauchdecke hindurch Zellen des Fötus entnommen werden. Bei dieser Untersuchung erleidet im Durchschnitt eine von 200 Frauen eine Fehlgeburt. Die Diagnose mittels Bluttest gilt als sehr zuverlässig. Lifecodexx hat seit August 2012 rund 4500 Praenatest-Analysen für Patientinnen aus der Schweiz durchgeführt.

Die neuen Tests fänden zunehmend Verwendung, sagt auch Daniel Surbek, Co-Direktor der Frauenklinik am Inselspital Bern. Die Zahl der Fruchtwasserpunktionen und Chorionbiopsien habe bereits deutlich abgenommen. Im Inselspital werden pro Jahr rund 100 solcher Bluttests durchgeführt.

Zahlt bald Grundversicherung?

Die Übernahme des pränatalen Bluttests durch Zusatzversicherungen der Krankenkasse könnte eine vorübergehende Lösung sein. Denn Lifecodexx hat bereits im letzten Jahr eine Zulassung zur obligatorischen Krankenversicherung beantragt. Eine solche Zulassung würde auch der Kassenverband Santésuisse begrüssen. Das Gesuch um Kassenzulassung ist noch hängig.

Helsana richtet das Angebot an schwangere Frauen über 35 Jahre sowie jüngere Frauen, bei denen der Arzt ein erhöhtes Risiko für chromosomale Veränderungen beim ungeborenen Kind feststellt, sowie an Schwangere mit psychischer Belastung. Diese Bedingungen entsprechen jenen, die bei der Einführung des Tests auch mehrere Spitäler zur Anwendung des Tests gestellt hatten. In der Praxis wird der Test jedoch in manchen Spitälern auch durchgeführt, wenn kein erhöhtes Risiko vorliegt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2015, 22:04 Uhr

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