No Billag: Lichterlöschen bei 34 Privatsendern?

Alle reden von der SRG. Aber was passiert mit den privaten Radio- und TV-Stationen, die ebenfalls Gebührengelder erhalten?

Bei der Diskussion um die Zukunft der Radio- und Fernsehgebühren wird scharf geschossen, vor allem gegen die SRG. Sie erhält rund 90 Prozent der 1,24 Milliarden Franken, welche die Billag jährlich einnimmt. Mit den Gebühren werden aber auch 34 private Radio- und TV-Stationen unterstützt. Zu ihnen fliessen 61 Millionen Franken.

Wie stark sind die privaten Sender von den Zuschüssen abhängig? Die SRG warnt vor einem «Kahlschlag in der Medienlandschaft», sollte die No-Billag-Initiative am 4. März angenommen werden. Ohne Gebührengelder gebe es keine SRG. Aber auch drei Dutzend private Medienunternehmen seien existenziell von der Initiative betroffen.

Die SRG behauptet:

«Eine Annahme der Initiative wäre für die allermeisten dieser privaten Sender das Aus.»

Der Check:
Zu den Privaten, die von Billag-Geldern profitieren, gehören dreizehn regionale Fernsehstationen, zwölf kommerzielle Lokalradios und neun nicht kommerzorientierte Komplementärradios. Letztere erhalten zwischen 0,3 und 0,6 Millionen Franken pro Jahr und damit am wenigsten. Bei den Lokalradios sind es 1,1 bis 2,6 Millionen und bei den regionalen Fernsehstationen 2,5 bis 4,2 Millionen Franken.

Die Abhängigkeit von diesen Zuschüssen ist bei den Komplementärradios besonders gross. Der Gebührenanteil an ihren Betriebskosten beträgt zwischen 60 und 90 Prozent, wie eine Umfrage des Medienmagazins «Edito» bei einem Grossteil der betroffenen Sender zeigt. Fünf der sieben befragten Komplementärradios würden bei einem Ja zur Initiative eingestellt oder könnten nicht mehr in bisheriger Form weitergeführt werden. Bei den zwei anderen ist der Betrieb ohne Gebühren fraglich oder ungewiss.

Ähnlich sieht es beim Regionalfernsehen aus, wo der Gebührenanteil zwischen 40 und 70 Prozent des Gesamtbudgets ausmacht. TV Südostschweiz, TVO und vier weitere Sender müssten dichtmachen. Tele M1 und TeleBärn könnten den regionalen Service public nicht mehr in gleicher Qualität anbieten, und Telebasel müsste sein Angebot massiv zusammenstreichen. Mit Léman bleu hält wenigstens ein Sender eine Schliessung für unwahrscheinlich, müsste aber sein Modell überdenken.

Die kommerziellen Lokalradios haben zwar einen kleineren Gebührenanteil (28 bis 50 Prozent), würden aber ebenfalls ihrer finanziellen Grundlage beraubt. Fünf Sender würden eingestellt oder nicht mehr in der jetzigen Form existieren. Mit Radio Munot gibt es nur eine Station, die von Weiterbetrieb spricht – allerdings mit «hörbarer Reduktion des Informationsangebotes».

Gebührenanteil und Konsequenzen von No Billag: Die 34 betroffenen Privatsender. (Grafik: Edito)

«Regionalfernsehen, wie wir es heute kennen, mit Schwerpunkt regionale Information lässt sich nicht aus dem lokalen Werbemarkt finanzieren», sagte etwa TVO-Geschäftsführer André Moesch zu «Edito». Die Vorstellung der Initianten, man könne einfach freiwillige Abonnements verkaufen, sei absurd.

Diese Aussage deckt sich mit der Einschätzung von Marc Friedli, dem Geschäftsführer des Interessenverbandes Telesuisse: «Die aktuelle Situation zeigt, dass sich Regionalfernsehsender lediglich zu 30 bis 50 Prozent aus dem Markt finanzieren lassen. Ein Wegfall der Gebühren würde das Ende eines überwiegenden Teils der Regionalsender bedeuten», sagte er gegenüber der SRG. Ähnlich äusserten sich Lukas Weiss von der Union nicht kommerz­orientierter Lokalradios (Unikom) und Jürg Bachmann, Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios.

Die Behauptung der SRG ist demnach richtig: Eine Annahme der No-Billag-Initiative würde für die meisten privaten Sender das Aus bedeuten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2018, 20:10 Uhr

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