Privatversicherte: 5000 Franken oder Gemeinschaftszimmer

In Genf müssen einige Privatversicherte eine Kaution beim Spitaleintritt hinterlegen. Die Regel ist in der Schweiz wohl einmalig.

Verlangt Kaution für Privatversicherte: Das Universitätsspital in Genf.

Verlangt Kaution für Privatversicherte: Das Universitätsspital in Genf. Bild: Keystone

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Seit Anfang Jahr verlangt das Universitätsspital Genf von einigen privat versicherten Patienten beim Eintritt ins Spital eine Kaution von 5000 Franken. Dies sei zwar nicht die Regel, passiere laut einem Artikel der Genfer Tageszeitung «Tribune de Genève» jedoch sicher wöchentlich.

Grund für die Massnahme ist ein neues Finanzierungsreglement des Universitätsspitals, das seit Anfang 2012 in Kraft ist. Seither streiten sich das Universitätsspital und einige Versicherungsgesellschaften, wer für einen Privataufenthalt aufzukommen hat. Laut dem Spitaldirektor Bernard Gruson hätten einige Versicherer die neuen Konventionen mit dem Spital nicht unterschrieben.

Ursprünglich sollten 20'000 Franken bezahlt werden

«In diesem Kontext wird der Patient selbst zu unserem Schuldner», sagt Mario Vieli, Finanzbeauftragter des Universitätsspitals Genf. Deshalb sei die Kaution in Einzelfällen festgelegt worden. Für Genfer beträgt sie 5000 Franken, für Patienten aus dem Rest der Schweiz 25'000 Franken und für Ausländer 30'000 Franken. Die Kaution für Genfer Patienten habe ursprünglich 20'000 Franken betragen, wurde aber von Spitaldirektor Gruson persönlich gesenkt: «Eine solch hohe Summe wäre zu hart gewesen für die Patienten.»

Eine doppelte Bestätigung der Versicherung

Diese sind laut der Zeitung empört. Die «Tribune de Genève» erzählt den Fall eines Mannes nach, der seine 88-jährige Mutter wegen eines Notfalls ins Spital brachte. Die Mutter wurde zuerst in einem Zweierzimmer untergebracht. Eine Angestellte des Spitals habe den Mann daraufhin auf die Kaution von 5000 Franken aufmerksam gemacht.

«Hätte ich nicht am gleichen Tag bezahlt, wäre meine Mutter im Gemeinschaftszimmer untergebracht worden. Dabei ist sie seit 1952 privat versichert.» Der Fall löste sich erst auf, als der Mann von der Versicherung der Mutter eine doppelte Bestätigung erhielt, dass die Kosten gedeckt würden.

Das Universitätsspital beschwichtigt. Es handle sich um Einzelfälle. Zudem habe man schon immer eine Kaution verlangt, wenn die Finanzierung des Spitalaufenthalts nicht genau geregelt war.

Genf ist Sonderfall

Eine Umfrage von baz.ch/Newsnet unter grossen Schweizer Spitälern zeigt, dass die Regelung in der Schweiz wohl einmalig ist. Kautionszahlungen bei Spitaleintritten sind zwar weit verbreitet, werden jedoch nur von Ausländern oder ungenügend Versicherten verlangt.

Auch das Spital Wallis verlangt von Privatversicherten eine Anzahlung, wenn ihre Versicherung die Bezahlung dieser Leistungen nicht garantiert. Diese sei jedoch um einiges geringer als die Summe von 5000 Franken. (mpl)

Erstellt: 31.05.2012, 15:51 Uhr

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