SRF soll nur noch abbilden statt bewerten

Die künftige SRF-Direktorin Nathalie Wappler erzählt in einem Interview, wie sie den Service public nach «No Billag» neu justieren will.

Nathalie Wappler tritt ihr Amt nächstes Jahr an: Die neue SRF-Direktorin spricht nach einer Pressekonferenz zu den Medien. (5. November 2018)

Nathalie Wappler tritt ihr Amt nächstes Jahr an: Die neue SRF-Direktorin spricht nach einer Pressekonferenz zu den Medien. (5. November 2018) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die Sender des Schweizer Fernsehens SRF sollen künftig auf Meinungsjournalismus verzichten. Nachrichtenbeiträge sollen bloss noch abbilden, nicht mehr bewerten, sagte die designierte neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«Wir müssen ein Programm machen, das informiert, aber nicht polarisiert. Wir müssen keinen Meinungsjournalismus machen», sagte die 50-Jährige, die im Frühjahr 2019 Nachfolgerin von SRF-Direktor Ruedi Matter wird. Wappler, die derzeit Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle ist, will in der Schweiz nach der heftig umkämpften «No Billag»-Abstimmung den Service public neu justieren.

Nachrichtenbeiträge sollen bloss noch abbilden, nicht mehr bewerten. «Wenn wir in einem Beitrag einen Politiker zu Wort kommen lassen und wenn der Journalist dann den Eindruck erweckt, er wisse es besser, provoziert das einen Vertrauensverlust.» Journalisten müssten sich am Riemen reissen, dass sie nicht einfach Klischees des Typs «SVP gleich Stumpenraucher» bedienen würden. Der Sender war wiederholt von Politikern aus der stärksten Schweizer Partei kritisiert worden.

Ideen für Zusammenarbeit mit Privaten

Die Unterhaltung des Service public dürfe auf keinen Fall menschenverachtend oder voyeuristisch sein. Und in der Information solle nicht skandalisiert werden. «Ich will auch künftig keine reisserischen Titel, damit es möglichst viele Clicks gibt», sagte die langjährige TV-Redaktorin und frühere SRF-Kulturchefin. Der Recherche will sie mehr Platz geben.

Wappler kündigte weiter an, künftig mit privaten Medien und Verlegern zusammenarbeiten zu wollen. Ihr schweben gemeinsame Journalistenpools in den Regionen vor, über die kleine Redaktionen das Knowhow von SRF anzapfen dürften. «Die BBC hat mit Regionalmedien ein Netzwerk von Lokaljournalisten erstellt, auf das kleinere Redaktionen zurückgreifen können. So stärkte sie den Lokaljournalismus.» Solche Modelle könnten auch für die Schweiz interessant sein.

Mehr Serien

Stärken will Wappler die Kultur, sie werde diese keinem Quotenausdruck aussetzen. «Unsere Beiträge müssen auf Youtube nicht 16 Millionen Mal angeschaut werden. Vielmehr möchte ich eine Methode finden, mit der man Relevanz messen kann.» Kulturbeiträge würden oft über die Zeit eine respektable Reichweite erhalten. Kultur vermittle Werte und sei wichtig für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Künftig will die neue Direktorin etwa mehr Serien wie «Wilder» produzieren.

Da die SRG ab 2019 jährlich 100 Millionen Franken einsparen muss, wird Wappler laut eigenen Angaben bei SRF voraussichtlich 47 Stellen abbauen müssen. Wo sie den Hebel konkret ansetzen will, dazu äusserte sie sich im Interview nicht. «Ich werde Entscheide treffen müssen, die nicht allen gefallen.» (roy/SDA)

Erstellt: 11.11.2018, 02:12 Uhr

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