Schweiz für verschärfte Einreisekontrolle bei Nicht-EU-Bürgern

Die EU will ein System nach US-amerkanischem Vorbild einführen. Einreisende aus visabefreiten Drittstaaten sollen ein Formular im Internet ausfüllen, bevor sie nach Europa reisen.

Elektronisches System soll Sicherheit für Europa bringen: Ein Grenzwächter kontrolliert den Ausweis eines Autolenkers bei der Einreise in die Schweiz. (Archiv)

Elektronisches System soll Sicherheit für Europa bringen: Ein Grenzwächter kontrolliert den Ausweis eines Autolenkers bei der Einreise in die Schweiz. (Archiv) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Mehr Schutz vor Terrorismus – das will die EU mit ihrem neuen elektronischen Reiseinformations- und Genehmigungssystem Etias für Bürger aus visabefreiten Drittstaaten erreichen. Zur einer ersten Diskussion des EU-Kommissions-Vorschlages unter den EU-Innenministern reiste Bundesrätin Simonetta Sommaruga nach Brüssel.

«Heute wurde uns von der Kommission das System kurz präsentiert. Es soll einfach sein, es soll schnell sein, es soll kostengünstig sein. Wir wollen keine neuen Hürden aufbauen», sagte Sommaruga nach dem Treffen. Etias sei von den Staaten «grundsätzlich positiv aufgenommen» worden. Auch die Schweiz befürworte «alles, was Sicherheit bringt für Europa».

Dies bestätigte auch EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Der Kommissionsvorschlag habe unter den EU-Innenministern eine «breite Unterstützung» gefunden.

Anlehnung an ESTA

Etias (EU Travel Information and Authorisation System) lehnt sich an das US-Modell ESTA (Electronic System for Travel Authorisation) aus dem Jahr 2009 an. Einreisende aus visabefreiten Drittstaaten sollen ein Formular im Internet ausfüllen, bevor sie nach Europa reisen. Dabei sollen die Antragsteller Angaben zu Identität, Reisedokument, Aufenthaltsort, Kontaktdaten, aber auch zu ihrer Gesundheit oder Schulbildung machen.

Dank diesen Informationen soll bewertet werden, «ob die betreffende Person ein Risiko im Hinblick auf die irreguläre Migration, die Sicherheit oder die öffentliche Gesundheit darstellt», schreibt die EU-Kommission.

Aufwand und Ertrag abwägen

Sommaruga gab jedoch zu bedenken, dass auch Aufwand und Ertrag von Etias gegeneinander abgewogen werden müssten. Auch müsse man «im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und persönlicher Freiheit immer eine Interessenabwägung vornehmen».

Denn entscheidet sich die EU definitiv für die Einführung eines solches Systems, müsste sich die Schweiz als Mitglied des Schengenraums daran beteiligen.

System soll 2020 betriebsbereit sein

Die EU-Kommission hatte sich zum Ziel gesetzt, das neue System 2020 in Betrieb zu nehmen. Für den österreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka dürfte es aber auch schneller gehen. Der Vorschlag solle«möglichst schnell» umgesetzt werden, sagte er.

Der slowakische Innenminister Robert Kalinak, dessen Land zur Zeit den EU-Ratsvorsitz innehat, gab sich überzeugt, dass der Etias-Vorschlag bereits «Anfang nächsten Jahres verabschiedet» werden kann.

Zugriff auf Datenbanken

Als weitere Massnahmen gegen den Terrorismus wollen die EU-Staaten den Datenaustausch verbessern. Nur die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Ländern könne die Sicherheit erhöhen, sagte Sommaruga. Ziel sei die Abfrage aller relevanten Daten mit einer einzigen Anfrage in mehreren Datenbanken.

Als assoziiertes Schengen-Mitglied hat die Schweiz derzeit beispielsweise keinen Zugriff auf die Datenbank von Europol, eine Plattform, über welche die nationalen Polizeibehörden ihre Arbeit koordinieren.

Verschiedene Datenbanken

In den Gesprächen sei auch diskutiert worden, wie die verschiedenen Datenbanken in den betroffenen Ländern miteinander kompatibel gemacht werden können, sagte Sommaruga. «Es wäre das Ziel mit einer einzigen Abfrage auf alle relevanten Datenbanken zugreifen zu können.»

Die Schweiz ist Teil einer europäischen Expertengruppe, die sich mit der Interoperabilität dieser Systeme und mit der Verbesserung ihrer Anwendung auseinandersetzt. Dazu gehöre aber auch das Thema des Datenschutzes, sagte Sommaruga. «Darüber wurde heute auch intensiv diskutiert, kontrovers diskutiert.» (nag/sda)

Erstellt: 18.11.2016, 19:12 Uhr

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