Schweizer Schüler europaweit top in Mathe

Die neuen Pisa-Tests sind da. Resultat: In Mathe und Naturwissenschaften sind hiesige Schüler gut – in einem anderen Fach hapert es. Ärger gibt es bei den Lehrern.

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Die 15-jährigen Schweizer Schüler belegen in Mathematik weiterhin den Spitzenplatz in Europa. Ihre Leistungen in der PISA-Studie 2015 sind allerdings durchwegs tiefer als 2012. Lehrer und Erziehungsdirektoren begründen dies mit Veränderungen in der Methodik.

In Mathematik erreichte als einziges europäisches Land Estland einen vergleichbaren Mittelwert wie die Schweiz, wie die Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und das Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) am Dienstag mitteilten. Die Mittelwerte der anderen europäischen Länder lägen weit darunter.

Im weltweiten Vergleich aller OECD-Länder hingegen belegt die Schweiz in Mathematik nur noch Platz 5, zwei Ränge schlechter als 2012. Damals waren nur Südkorea und Japan besser, in diesem Jahr liegen auch Singapur und China (Taiwan, Macao, Hong Kong, B-S-J-G) noch vor der Schweiz.

Im Zentrum der neuen PISA-Studie standen die Naturwissenschaften. Der Mittelwert der Schweiz sei dabei vergleichbar mit demjenigen von Deutschland, hiess es bei der EDK. Die anderen Nachbarländer Österreich, Italien und Frankreich lägen «signifikant» darunter. Den weltweiten Spitzenplatz belegt auch hier Singapur.

Beim Lesen erreichte die Schweiz aber erneut nur einen Platz im Mittelfeld, zusammen mit Österreich, Italien und Frankreich. Deutschland habe dabei viel besser abgeschnitten, hiess es. Insgesamt bezeichneten die EDK und das WBF die Resultat in den drei getesteten Fachbereichen über mehrere Zyklen hinweg als «stabil».

Da die Fragen in diesem Jahr erstmals am Computer gelöst wurden, wirft die neuen PISA-Studie Fragen bezüglich der Vergleichbarkeit auf. So schnitt die Schweiz in diesem Jahr in allen Fächern schlechter ab als beim letzten Vergleich 2012.

In Mathematik verlor sie 10 Punkte, in den Naturwissenschaften 9 und im Lesen gar 17 Punkte. Damit fällt sie noch unter das Niveau von 2009 zurück, als die Resultat einen eigentlichen «PISA-Schock» ausgelöst hatten.

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Für die EDK und das WBF ist «nicht abschliessend geklärt», inwieweit ein Vergleich möglich ist zwischen den Ergebnissen von PISA 2000 bis PISA 2012, die auf Papier gelöst wurden, und PISA 2015 am Computer. Der Wechsel stelle eine einschneidende Veränderung dar.

Daneben nahmen für PISA 2015 nur noch 6600 Schweizer Schülerinnen und Schüler an der Studie teil, nach 20'000 im Jahr 2012. Es bestünden deshalb Unklarheiten bezüglich der Repräsentativität.

Lehrerverband verärgert über PISA-Methoden

Auch der Lehrerdachverband LCH zeigte sich skeptisch gegenüber der aktuellen PISA-Studie. Die Schweizer Resultate 2015 seien weder mit den Schweizer Resultaten des PISA-Zyklus von 2000 bis 2012 vergleichbar noch mit den aktuellen Ergebnissen der anderen OECD-Länder.

Vor allem drei Gründe haben laut Verband zur «desolaten Situation» geführt: die Umstellung des Prüfungsmodus von Papier auf Computer, die Änderung der Stichprobe und die Änderung der Skalierung. Der Umgang der OECD mit kritischen Fragen zur Methodologie des Tests sei «ärgerlich und unprofessionell», teilte der LCH mit.

Grösster Leistungstest

Das Programme for International Student Assessment (PISA) ist der grösste internationale Schüler-Leistungstest. Die Studie wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt. Dabei werden die Kenntnisse von 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

In der aktuellsten Ausgabe 2015 haben mehr als eine halbe Million Schüler aus 72 Ländern und Regionen teilgenommen. Die Tests wurden dabei erstmals vollständig am Computer durchgeführt.

Den Schwerpunkt bildeten diesmal turnusmässig die Naturwissenschaften - etwas mehr als die Hälfte der PISA-Aufgaben stammten aus diesem Gebiet. Als vierter Testbereich wurde erstmals das «kollaborative (gemeinschaftliche) Problemlösen» erhoben. Diese Ergebnisse werden allerdings erst 2017 präsentiert.

Video – nicht nur büffeln, sondern auch kämpfen:

Schüler der Zürcher Kantonsschule Stadelhofen wehren sich gegen das Ende der Villa Hohenbühl. (bee/sda)

Erstellt: 06.12.2016, 11:02 Uhr

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