Tepco: Schutzkleidung befand sich nicht in Fukushima

In einem neuen Bericht von Tepco ist das Chaos in Fukushima nach dem Tsunami beschrieben. Demnach jagte eine Panne die nächste. Derweil kritisiert die IAEA die Reaktionen der japanischen Regierung.

Auch in Japan könnte sich eine Energiewende ankündigen: Arbeiter inspizieren einen der zerstörten Reaktorblöcke von Fukushima. (17. Juni 2011)

Auch in Japan könnte sich eine Energiewende ankündigen: Arbeiter inspizieren einen der zerstörten Reaktorblöcke von Fukushima. (17. Juni 2011) Bild: Reuters

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Ein neuer Bericht dokumentiert das Chaos im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nach dem Erdbeben am 11. März. Die Angaben in dem am Samstag von Kraftwerksbetreiber Tepco veröffentlichten Bericht stützen sich auf Gespräche mit Arbeitern der Anlage und Daten aus den Kontrollräumen.

Als in Reaktor 1 zwei Stunden nach dem Erdbeben das Kühlsystem ausfiel, versuchten die Mitarbeiter demnach zunächst, den Reaktorkern mithilfe einer Löschpumpe weiter zu kühlen. Diese funktionierte aber nicht.

Ein Feuerwehrfahrzeug konnte den Reaktor nicht erreichen, weil die Zufahrt nach dem Beben blockiert war. Die Mitarbeiter mussten zunächst ein elektrisch betriebenes Tor zerstören, um dem Fahrzeug die Durchfahrt zu ermöglichen.

Wasser ging aus

Am frühen Morgen konnte dann damit begonnen werden, Wasser in den Reaktor zu pumpen – da war der Kern schon geschmolzen. Dann ging auch noch das Wasser aus, und die Mitarbeiter stellten auf Meerwasser um, was Schäden am Reaktor verursachte.

Andere Mitarbeiter wurden beauftragt, Druck aus der Sicherheitshülle des Reaktors abzulassen, um eine Explosion zu verhindern. Zunächst mussten sie allerdings das Handbuch besorgen, das nicht im Kontrollraum, sondern in einem anderen Gebäude auf dem Gelände aufbewahrt wurde.

Schutzkleidung fünf Kilometer entfernt

Um ein Druckluftventil zu öffnen, liehen sich die Mitarbeiter einen Kompressor von einem Subunternehmer. Danach wollten sie Schutzkleidung anlegen, die aber im fünf Kilometer entfernten Krisenzentrum lagerte. So dauerte es mehr als eine Stunde, bis die Arbeiter sich schliesslich dem Reaktorgebäude nähern konnten.

Nach mehreren Fehlversuchen gelang es schliesslich, Druck aus der Sicherheitshülle abzulassen. Eine Stunde später explodierte der Reaktor 1 und machte ähnliche Vorbereitungen an den anderen Reaktoren zunichte. Die Arbeiter mussten von vorn beginnen, was zu weiteren Verzögerungen führte.

Neues Kühlsystem

Mittlerweile will der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco im havarierten Atommeiler Fukushima-Daiichi ein neues Kühlungssystem installieren. Dafür müsse eine Tür im Reaktorblock 2 geöffnet werden, teilte Tepco mit. Die dabei austretende Strahlung stelle jedoch keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar.

Unterdessen trat aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk erneut radioaktiv verstrahltes Wasser aus. Arbeiter versuchten, eine Reinigungsanlage wieder hochzufahren, nachdem das System am Samstag wegen zu hoher Strahlenbelastung abgeschaltet werden musste.

Sollte die Reinigungsanlage nicht wieder in Betrieb gehen, könnte das mit radioaktivem Wasser gefüllte Bassin innerhalb der kommenden zwei Wochen überlaufen.

IAEA kritisiert Japans Regierung

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kritisierte in einem Bericht die Reaktion der japanischen Regierung nach dem Atomunfall. Das Land hätte nach der Katastrophe auf ein von der IAEA vorgesehenes Übereinkommen für Hilfsleistungen zurückgreifen müssen, schreibt die Behörde in einem Bericht, der am Montag an einer Konferenz zur Atomsicherheit in Wien vorgestellt werden soll.

Das Übereinkommen regelt im Fall eines Atomunfalls die Zusammenarbeit zwischen der IAEA und verschiedenen Ländern hinsichtlich Hilfsmassnahmen, Sicherheit und Kommunikation. Japan habe dies nie angewendet, kritisiert die IAEA in dem Bericht, der auf Einschätzungen von Experten nach einem Besuch in Japan beruht.

Kritische Bevölkerung

Die japanische Bevölkerung steht der Atomkraft seit der Atomkatastrophe skeptisch gegenüber. Gemäss einer Umfrage sprechen sich 82 Prozent der Japaner für einen Ausstieg aus der Atomenergie aus.

Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan hat eine Energiewende angekündigt und will künftig mehr auf erneuerbare Energien setzen. Industrieminister Banri Kaieda betonte jedoch, wie wichtig auch die Atomkraft sei, um die Industrie und die Haushalte mit Strom zu versorgen.

(kpn/sda)

Erstellt: 19.06.2011, 21:56 Uhr

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