Tschanun, Leibacher, Kneubühl: Chronologie der Amoktaten

In den letzten Jahren ist es in der Schweiz immer wieder zu Amokläufen gekommen, bei denen mehrfach Unbeteiligte verletzt oder getötet wurden. Ein Rückblick.

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Konflikte in der Familie, am Arbeitsplatz oder mit Behörden haben Menschen in der Schweiz immer wieder veranlasst, zur Waffe zu greifen. Mehrfach wurden dabei Unbeteiligte verletzt oder getötet. Eine chronologische Übersicht:

16. April 1986: Günther Tschanun, der Chef der Baupolizei der Stadt Zürich, erschiesst nach Spannungen an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Hochbauamt vier Kollegen und verletzt einen fünften schwer. Er wird zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

31. Aug. 1990: Ein in Geldnöten steckender Zürcher Bijoutier erschiesst bei einem Amoklauf in Zürich und Rickenbach TG fünf Menschen, darunter seine Frau und beide Kinder, und verletzt vier Personen, bevor er sich selbst umbringt.

4. März 1992: Ein Italiener erschiesst in einem Amoklauf in Rivera TI mit einem Kalaschnikow-Halbautomaten sechs ihm bekannte Personen. Er erhängt sich fünf Tage später in der Gefängniszelle.

27. Feb. 1993: In einer Bäckerei im Berner Murifeld erschiesst ein 53-Jähriger seinen Bruder (den Besitzer der Bäckerei), dessen Ehefrau und einen Mitarbeiter. Danach begeht er Selbstmord. Offenbar wollte der Besitzer seinen Bruder entlassen.

2. April 1993: Ein 54-jähriger Angestellter der Berner Bedag Informatik läuft am Arbeitsplatz Amok und tötet zwei Menschen, bevor er sich selber umbringt. Offenbar hatte er Schwierigkeiten in der Familie und auch am Arbeitsplatz.

28. Nov. 1994: Beim Installationsunternehmen Sanitas Troesch in St. Gallen erschiesst ein Angestellter nach einem Konflikt mit seinen Vorgesetzten einen Kollegen und verletzt vier weitere.

26. März 2000: Ein 22-jähriger Arbeitsloser schiesst in Chur mit seinem Sturmgewehr auf ein Hotel sowie auf Polizeibeamte, zwei werden verletzt. Danach wird er von einem Polizei-Scharfschützen erschossen.

27. September 2001: Der 57-jährige Friedrich Leibacher erschiesst aus Wut auf die Behörden im Zuger Kantonsparlament 14 Personen mit einem Sturmgewehr und einer Repetier-Schrotflinte, anschliessend richtet er sich selbst.

19. Feb. 2002: In einem Pornokino in Lausanne schiesst ein arbeitsloser Mann mit seinem Sturmgewehr um sich, tötet einen Mann und verletzt zwei weitere, bevor er sich erschiesst.

6. Sept. 2002: In Obfelden ZH schlägt ein 32-iähriger unter Drogen stehender Philippino mit einem Metallrohr wahllos auf Passanten ein. 15 Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

8. Juli 2003: Ein 40-jähriger Algerier fährt auf dem Trottoir der Lausanner Brücke Grand-Pont drei Personen zu Tode und verletzt sieben weitere. Er wird im Prozess als unzurechnungsfähig eingestuft und verwahrt.

29. März 2004: Ein 43-jähriger Landwirt erschiesst in Escholzmatt LU seine Frau, seinen Bruder, dessen Gattin und den Sozialvorsteher. Dann richtet er sich selbst. Tathintergrund waren schwere familiäre Probleme.

5. Juli 2004: Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte und richtet sich selber.

26. Okt. 2005: Bei einer Schiesserei in Bex VD wird ein Polizist und der Amokschütze getötet, ein weiterer Polizist wird verletzt. Der Vorfall veranlasst die Waadtländer Polizei zur Einführung von «Mann-Stopp-(Deformations)-Munition».

31. Juli 2006: Ein 42-jähriger Mann läuft in Liestal BL mit einer Axt Amok und verletzt eine Frau. Ein zufällig anwesender Polizist kann den Täter überwältigen.

12. April 2007: In einem Hotel in Baden schiesst ein Mann mit einem Sturmgewehr um sich und tötet dabei einen Mann. Drei weitere Personen wurden verletzt. Der Täter kann festgenommen werden.

13. November 2007: Ein 23-jähriger Schweizer gibt im islamischen Zentrum von Crissier VD mehrere Schüsse ab. Der Schütze muslimischen Glaubens verletzt einen der Anwesenden schwer am Unterleib, bevor er von Gläubigen überwältigt wird.

13. November 2008: Ein 50-jähriger Amokschütze wird von der Aargauer Kantonspolizei in Buchs AG angeschossen und überwältigt. Der Schweizer, der zuvor mehrere Schüsse aus einem Gewehr abgegeben hat, wird schwer verletzt.

27. Januar 2010: Ein 57-jähriger Angestellter einer Sanitärfirma in Buchs ZH schiesst mit zwei Waffen auf seinen Chef und verletzt diesen lebensbedrohlich. Bei der Auseinandersetzung wird auch ein zweiter Mitarbeiter verletzt. Nach dem Vorfall läuft der Mann ins Freie und tötet sich selbst.

8. September 2010: Ein 67-jähriger Rentner verschanzt sich in Biel in seinem Elternhaus, das zwangsversteigert werden soll. In der Nacht auf den 9. September verlässt er es plötzlich und schiesst auf die Polizei. Ein Schuss trifft einen Polizisten im Gesicht und verletzt diesen schwer. Am 17. September wird der Rentner verhaftet. Das Gericht spricht ihn «nicht schuldfähig». Er wird in einer geschlossenen Anstalt therapiert.

24. Mai 2011: In Schafhausen BE erschiesst ein 35-jährige Schweizer bei der Zwangsräumung seiner Wohnung einen 39-jährigen Polizisten mit der Armeepistole. Einen weiteren Polizisten verletzt er am Oberarm. Der Täter war aus medizinischen Gründen aus der Armee entlassen, nicht aber ordentlich abgerüstet worden.

2. Januar 2013: Im Walliser 400-Seelen-Dorf Daillon erschiesst ein 33-jähriger Einheimischer drei Frauen und verletzt zwei Männer schwer. Die Polizei stoppt den IV-Bezüger und Waffensammler, der nach eigenen Angaben ein familiäres Problem regeln wollte, gewaltsam. (jak/sda)

Erstellt: 27.02.2013, 14:11 Uhr

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