US-Botschaft warnt davor, Assange Asyl zu geben

Nach der Veröffentlichung von Geheimdokumenten durch Wikileaks übt sich der US-Botschafter in Bern in Schadensbegrenzung. Zugleich warnt er die Schweiz, dem Wikileaks-Betreiber Unterschlupf zu bieten.

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Die Schweiz werde sehr sorgfältig überlegen müssen, ob sie jemanden, der vor der Justiz flüchtet, Unterschlupf gewähren möchte, sagt Donald S. Beyer gegenüber dem «Sonntag». Beyer verweist darauf, dass gegen Assange in Schweden ein Haftbefehl erlassen worden sei und er auf der Interpol-Liste stehe - wegen des Verdachts auf Vergewaltigung.

Zugleich distanziert sich Beyer von seinem Vorgänger Peter Coneway, der gemäss den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen die Schweiz als «frustrierende Alpendemokratie» bezeichnet hatte. «Meine Frau und ich finden die Schweiz überhaupt nicht frustrierend», sagte er im Interview. Sein Vorgänger habe George W. Bush vertreten, er vertrete nun die Regierung Obama: «Es war eine andere Zeit und eine andere Situation».

Beyer möchte die Depeschen, welche aus der ganzen Welt in die USA geschickt wurden, nicht kommentieren. Es handle sich bloss um interne Arbeitsdokumente - und nicht um offizielle Regierungspolitik. Es sei aber sehr wichtig, dass die Diplomaten ehrliche und klare Berichte nach Washington schicken.

Gute Zusammenarbeit

Auch gegenüber der «SonntagsZeitung» wiegelt Beyer ab. «Wir müssen uns keine Sorgen machen. Beide Seiten wissen, wie nahe sich die Schweiz und die USA stehen», sagte er. In anderen Teilen der Welt seien härtere Worte gefallen.

Der höchste US-Vertreter in Bern bezeichnet die Zusammenarbeit mit den Bundesrätinnen Widmer-Schlumpf, Calmy-Rey und Leuthard «alles andere als frustrierend». Diplomat Beyer liess gegenüber der «SonntagsZeitung» offen, wie sich die USA verhalten werde, falls die Schweiz Julian Assange Zuflucht gewährt.

(jak/mrs)

Erstellt: 05.12.2010, 06:35 Uhr

Rät der Schweiz es sich gut zu überlegen, ob sie Assange Asyl gewähren würden: US-Botschafter Donald Beyer. (Bild: Keystone )

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Bis zu 2000 Anfragen pro Sekunde

Die neu in die Schweiz angesiedelte Enthüllungsplattform Wikileaks hat enorme Zugriffszahlen, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet. Pro Sekunde gibt es auf allen 10 Nameservern bis zu 2000 Anfragen, wie der Präsident der Piratenpartei Schweiz (PPS), Denis Simonet, bestätigt. Die Server würden underdessen bei 5 Providern stehen. Konkriete Hacker-Attacken seien bisher nicht festgestellt worden. Auf den Inhalt der Seite habe die Piratenpartei keinen Einfluss, so Simonet weiter. Man biete Wikileaks-Gründer Julian Assange lediglich eine Hilfeleistung bei der Weiterleitung. Die Domain wikileaks.ch gehört jedoch der Piratenpartei.



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