Veganer erhält Preis für «dümmstes Gesetz»

Niemand will ihn haben, den Rostigen Paragraphen. In diesem Jahr geht der Titel an das Obligatorium für vegane Menüs in öffentlichen Kantinen. Auf Rang zwei landet das Verbot von Käpslipistolen an der Fasnacht.

Die vegane Lebensweise soll gesetzlich verankert werden, fordert das Projekt: Ein Jugendlicher in einer öffentlichen Mensa.

Die vegane Lebensweise soll gesetzlich verankert werden, fordert das Projekt: Ein Jugendlicher in einer öffentlichen Mensa. Bild: Keystone

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Die Verleihung des Rostigen Paragraphen geht heute Abend im Zürcher Kaufleuten über die Bühne. Die IG Freiheit, die seit sieben Jahren «das dümmste und unnötigste Gesetz» auszeichnet, verleiht den bei Preisträger verpönten Preis an Adriano Mannino, Co-Präsident der Giordano Bruno Stiftung Schweiz und Projektleiter von «Sentience Politics». Das Projekt fordert weniger Fleisch in öffentlichen Kantinen und will die vegane Lebensweise gesetzlich verankern lassen.

In den Kantonen Basel und Bern wird via Volksinitiative verlangt, dass die öffentliche Verwaltung den Absatz von vegetarischen und veganen Menüs fördert. Hat eine Kantine mehr als ein Menü im Angebot, muss eines davon vegan sein. Zusätzlich sollen Anreize geschaffen werden, damit sich Köche in veganer Kochkunst weiterbilden und auch Schüler die fleischfreie Zubereitung von Gerichten in der Hauswirtschaftslehre erlernen. So soll der Fleischkonsum bis 2020 deutlich gesenkt werden, und es sollen mehr pflanzliche Nahrungsmittel auf die Schweizer Teller kommen.

IG-Präsident und SVP-Nationalrat Gregor A. Rutz sagt an der Preisverleihung, es stehe in der Freiheit jedes Einzelnen, sich so zu ernähren, wie er möchte: «Was eine gesunde und verantwortungsvolle Lebensweise ist, soll nicht via Gesetz vorgeschrieben werden. Es ist keine Staatsaufgabe, die Menüpläne in Kantinen zusammenzustellen und zu überwachen.»

Pazifistische Cowboys machen keinen Spass

Platz zwei im Wettbewerb, ermittelt durch ein Online-Voting, ging an Verena Schüepp-Lanz, Zürcher Schulleiterin und Montessori-Pädagogin, für ihr Kostümverbot an der Kinderfasnacht. In einem Orientierungsschreiben hat sie den Eltern mitgeteilt, welche Kostüme im Hinblick auf die Fasnacht für Kindergärtler opportun sind. Erlaubt sind: Zauberer, Prinzessin und Fee. Auch zulässig sind Verkleidungen als Tier, Blume oder Früchtchen. Verboten aber sind sämtliche Spielzeugwaffen: «Es dürfen keine Waffen, Schwerter, Pistolen oder andere Geschosse mitgebracht werden,» heisst es im Schreiben. «Macht eine Fasnacht als pazifistischer Cowboy denn noch Spass?», fragt die IG?

Platz drei, und damit der bronzene Paragraf, ging an den grünen Luzerner Stadtrat Adrian Borgula. Er hat für schätzungsweise 150'000 Franken zehn elektronische «Velozählstellen» in Betrieb genommen. Auf den weiteren Plätzen landete ein Verkaufsverbot für ausländischen Alkohol im Kanton Waadt sowie ein staatlich geregelter Hundespaziergang, wie er im Kanton Zug gefordert wird.

Die Preisträger der letzten beiden Jahre waren die Hafenverwaltung der Zürcher Stadtpolizei (2012) für ein Gummipufferverbot an Schiffstegen sowie Stefan Flückiger (2013) für seine Idee einer Waldvignette.

Filippo Leutenegger als umstrittener Moderator

Brisant an der Preisverleihung war die Wahl des Moderators. Filippo Leutenegger (FDP), seit wenigen Tagen neuer Stadtrat in Zürich, führt locker und eloquent durch den Abend, wie wenn er noch immer Moderator und nicht Stadtrat im arbeitsintensiven Tiefbau- und Entsorgungsdepartement wäre. «Er hat noch nicht gemerkt, dass er die Rolle gewechselt hat», kritisierte Andrea Sprecher, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP. SVP-Stadtparteipräsident Roger Liebi sagte: «In Zukunft ist das nicht mehr haltbar. Er macht sich so unglaubwürdig als Stadtrat.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2014, 22:28 Uhr

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