Verliert die Demokratie ihren guten Namen?

Demokratie hat die Menschen nicht nur frei und sicher, sondern auch wohlhabend gemacht. In der modernen Gesellschaft dominiert jedoch der Medien-Populismus. Es droht eine «Balkanisierung» der Öffentlichkeit.

«Politik verkommt zum Medienpopulismus»: Arena-Sendung auf SF (2008).

«Politik verkommt zum Medienpopulismus»: Arena-Sendung auf SF (2008). Bild: Keystone

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Warum gibt es überhaupt Demokratien? Die Frage ist alles andere als banal. «Was in der historischen Perspektive bemerkenswert ist, ist nicht die Tatsache, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch nicht-demokratische Staaten gibt, sondern die Tatasche, dass so viele Staaten Freiheit und demokratische Repräsentation als Regierungsform gewählt haben, obwohl sie dazu viele Hindernisse überwinden mussten», stellt der US-Politologe Michael Mandelbaum in seinem Buch «Democracy’s Good Name» fest. «Diese Hindernisse machen die Entstehung einer Demokratie unwahrscheinlich und so zu einem bemerkenswerten Ereignis. Wie kann es erklärt werden?»

Diese Frage stand auch im Mittelpunkt einer Tagung, der Academia Engelberg. Drei Tage lange gingen Wissenschaftler und Politiker de Frage nach, ob und wie Demokratien die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können. Für gewöhnliche Schweizerinnen und Schweizer scheint die Frage auf den ersten Blick seltsame zu sein. Wir haben zwar kein Demokratie-Gen in unserer DNA, doch die direkt-demokratische Kultur gehört zu unserer Gesellschaft wie das Matterhorn und Fondue.

Die Globalisierung schwächt die Nation

Die Demokratie ist von verschiedenen Seiten bedroht. Der Zürcher Politologe Hanspeter Kriesi hat einige davon aufgezählt: Die Globalisierung schwächt die Nation, der Ort, wo Demokratie immer noch primär stattfindet. Wachsende Reichtumsunterschiede sorgen für auseinanderdriftende Interessen, der Gemeinsinn geht verloren. Nationale Medien wie etwa die Tageszeitungen sind bedroht, es droht eine Zersplitterung und Polarisierung der Öffentlichkeit. Kriesi spricht von einer «Balkanisierung» der Öffentlichkeit. Die Medien-Logik ersetzt die politisch Logik, Politik verkommt zum Medienpopulismus.

Die moderne Demokratie hat sich durchgesetzt, weil zuerst Grossbritannien und später die USA die attraktivsten Angebote machen konnten. «Es war, als ob der Präsident der Vereinigten Staaten, die Königin von England, der Papst und alle Nobelpreisträger gemeinsam für die gleiche Automarke geworben hätten», stellt Mandelbaum fest. Diese geballte Werbemacht gibt es heute nicht mehr. Vor allem das Modell USA hat massiv an Ausstrahlungskraft verloren. China, aber auch Singapore oder Dubai werden für die aufstrebenden Schwellenländer nicht nur immer wichtigere Handelspartner, sondern auch zunehmend politische Vorbilder. Die Demokratie muss tatsächlich aufpassen, dass sie ihre guten Namen nicht verliert. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2010, 18:55 Uhr

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