Interview

«Wir bräuchten 2 Milliarden»

Zugkollisionen und Pannen im S-Bahn-Verkehr: Die SBB machen zurzeit Negativschlagzeilen. Was läuft falsch? SBB-Chef Andreas Meyer nimmt Stellung.

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Herr Meyer, welche Konsequenzen werden Sie aus dem Zugunglück in Granges-près-Marnand VD ziehen?
Noch ist es zu früh, um über Konsequenzen zu sprechen. Zuerst müssen wir den Unfallhergang sauber abklären. Ich möchte betonen, dass wir bis ins Jahr 2016 50 Millionen Franken in 1700 Sicherheitssignale investieren. Um die Signale aber auf das höchste Niveau, das European Train Control System (ETCS), zu bringen, bräuchten wir 2 Milliarden Franken. Die schweizweite Einführung dauert rund zehn Jahre. Das Ziel ist, dass unser Streckennetz bis ins Jahr 2035 mit dem ETCS ausgerüstet ist. Derzeit installieren wir das Sicherheitssystem auf der Gotthardstrecke, zwischen Mattstetten und Rothrist und im Lötschbergtunnel.

Aus welchem Jahr stammt das System im Bahnhof Granges-près-Marnand?
Das Stellwerk wurde 1958 gebaut. Ich gehe davon aus, dass die Zugsicherung aus demselben Jahr stammt. Dieses funktioniert so, dass der Zug an einem Punkt gebremst wird, wenn er das Signal überfährt. Ob er in Granges-près-Marnand tatsächlich gebremst wurde, kann ich allerdings nicht sagen.

Haben die SBB ein Sicherheitsproblem?
Nein. Wir haben kein grosses Sicherheitsproblem. Die Sicherheit ist eines unserer Kernziele. Um unsere Zugsicherung zu überprüfen, haben wir ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse erwarte ich in den nächsten Monaten. Im Gegensatz zu anderen Ländern herrscht bei uns absolute Transparenz. Wir kommunizieren Fehler gegen innen, aber informieren auch die Medien darüber.

In Zürich machen die SBB derzeit mit Pannen im S-Bahn-Verkehr von sich reden, im Januar kollidierten zwei Züge im Bahnhof Neuhausen am Rheinfall und nun passiert das Unglück in Granges-près-Marnand. Was läuft falsch?
Man muss diese Dinge vernünftigerweise auseinanderhalten. Der jetzige Unfall und jener in Neuhausen sind miteinander vergleichbar. In beiden Fällen geht es um Probleme mit der Zugsicherung. In Zürich aber schaffen wir bei der S-Bahn einen neuen Bahnhof. Natürlich bin ich auch unzufrieden mit der Qualität. Ein, zwei Dinge sind unglücklich gelaufen. Es genügte zum Beispiel, dass ein Unterlieferant einen Kran nicht korrekt aufstellte, und schon gerieten wir in Probleme. Unser Ziel ist immer, die Risiken so gut wie möglich im Griff zu haben. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.07.2013, 14:40 Uhr

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