Wir und die Wirtschaft

Firmen kaufen Rohstoffe dort auf dem ­Globus ein, wo sie am günstigsten zu haben sind. Einkauftouristen tun genau das gleiche – und sollen nun bestraft werden.

Wir Konsumenten haben die Marktlogik der Unternehmer verinnerlicht.

Wir Konsumenten haben die Marktlogik der Unternehmer verinnerlicht. Bild: Keystone

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Der Mensch joggt, wandert, turnt und schwimmt. So bleibt er beweglich, so bleibt er mobil. Flexibilität und Mobilität sind nützliche Eigenschaften in einer Welt, die sich immer schneller dreht. Im Wirtschaftsleben sind Flexibilität und Mobilität sehr gefragt. Die Angestellten der UBS bekamen das kürzlich zu spüren. Hunderte von ihnen werden ihr Pult bald von Zürich nach Biel zügeln, weil die Bank so Kosten spart. Schweizer Unternehmen verlagern Jobs nach Indien, sie können dann billiger produzieren. Firmen kaufen Rohstoffe dort auf dem ­Globus ein, wo sie am günstigsten zu haben sind. Die Eidgenossenschaft – ein Fitnesscenter der Ökonomie.

Die Wirtschaft absolviert ihren täglichen Vita-Parcours – und wir bewegen uns mit ihr, denn wir alle sind ja Teil der Wirtschaft. Wir Konsumenten haben die Marktlogik der Unternehmer verinnerlicht. Wir optimieren unser Shopping-Verhalten Tag für Tag. Wir kaufen Lebensmittel, Bücher, Möbel, Kleider dort ein, wo sie am günstigsten zu haben sind. Mal besorgen wir unsere Erledigungen im Laden an der Ecke, mal beim Grosshändler in der Stadt. Mal fahren wir über die Grenze ins Ausland, sofern Aufwand und Ertrag für uns in vernünftigem Verhältnis stehen. Wir tun das, was die Wirtschaft ständig tut: Wir passen unser Verhalten an die ökonomische Realität an, wir richten unser Verhalten am Preis und am Angebot aus. Das ist sehr legitim. Wir sind ja freie Menschen in einer freien Volkswirtschaft. Würde das jemand bestreiten wollen?

Ja, ein paar Parlamentarier, die unterm Jahr gerne der freien Marktwirtschaft das Wort reden, bestreiten das. Sie möchten den Einkaufstourismus mit bürokratischen Massnahmen unterbinden, um das heimische Gewerbe zu schonen. Ist das liberal? Nein, es ist absurd. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.06.2017, 13:41 Uhr

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