Zwei Brüste zu viel

Sexistisch, deplatziert, Fauxpas, Provokation. Das SRF 3 macht mit frauenverachtenden Quizfragen auf sich aufmerksam.

Deplatzierte Fragen? Sorgfaltspflicht verletzt? Was in aller Welt ist passiert?

Deplatzierte Fragen? Sorgfaltspflicht verletzt? Was in aller Welt ist passiert? Bild: Keystone

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«Wir machen Fehler. Wichtig, gibt es den Ombudsmann, an den das Publikum sich wenden kann.» Vergangenen Sonntag las ich diesen Tweet von Mario Torriani, dem Moderator einer SRF-Radiosendung. Die demutsvolle Äusserung deutete darauf hin, dass offenbar ordentlich am Wohlergehen von Hörern gekratzt worden ist. Bis ein Ombudsmann ins Spiel kommt, muss sich einiges anhäufen auf einer Redaktion.

Dann meldete sich Pascal Scherrer zu Wort, publizistischer Leiter vom SRF 3. Auf der SRF-Website schrieb er von einem «unnötigen Fauxpas», der sich in einem Hörerquiz ereignete und den er bedaure. Das Sendekonzept sähe keine Provokation vor: «Ich kann Frau X versichern, dass wir bei SRF 3 auch Spielefragen nach journalistischen Kriterien behandeln.» Die Fragen dürften nicht verletzend oder abwertend sein, er habe die Redaktion deshalb an ihre Sorgfaltspflicht erinnert und sie angewiesen, auf deplatzierte Fragen zu verzichten.

Deplatzierte Fragen? Sorgfaltspflicht verletzt? Was in aller Welt ist passiert? Vor meinem geistigen Auge sehe ich Frau X mit zitterigen Fingern ihre Beanstandungs-Mail tippen. Es scheint, dass sie bei dem Quizspiel mit irgendeiner schamlosen Schlüpfrigkeit konfrontiert wurde. Manchmal ist man Einflüssen ausgesetzt, die man einfach nicht steuern kann. Wenn einfache Quizfragen einer Frau so zusetzen, ist das zweifelsohne ein Zeichen, dass zwischen Hörerwunsch und Frageausdenker eine extreme Inkompatibilität besteht. Quizfragen ereignen sich ja nicht einfach. Sie bedürfen ausgedehnter Dichtkunst und sorgfältiger psychologischer Abwägung.

Dass nun der Punkt erreicht war, an dem ein versöhnlicher Abschluss zwischen SRF und Frau X kaum mehr möglich schien, unterstrich der Auftritt von Roger Blum. Der Ombudsmann der SRG Deutschschweiz höchstpersönlich nahm jetzt das Quiz ins Visier. Auf der SRG-Website ging er auf einer ganzen Seite auf die Beanstandung von Frau X vom vergangenen September ein. Zitierte Frau X, die in ihrer Beschwerde von zwei «Morgenclowns» schrieb, die «auf Kosten der Frauen einen derart pubertären Schenkelklopfer produzieren», den sie sich im staatlichen Schweizer Radio anhören müsse. Durch die Formulierung der Frage sei die Antwort vorgelegt, das empfände sie als Hörerin als sexistisch und unzumutbar.

Auf Kosten der Frauen. Voilà. Quizfragen zersetzt von tiefster Frauenverachtung. Zwei Moderatoren, ausser Kontrolle geraten. Emotional unterentwickelt. Misogynsten. Clowns. Bösartig. Sinnlos. Das gab es beim SRF wohl nicht seit Sendestart. Tischen selbstgefällig demütigenden Mist auf. Kann man sich nicht ausdenken. Zurück bleibt eine Hörerin, die in höchstem Grade gezeichnet ist von ihren Emotionen, beschädigt wie eine zu fest gedrückte Orange, die im Obstkorb liegt und sich von der Beule kaum mehr erholen kann.

Der feinfühlige Ombudsmann schien das zu erkennen, schrieb, dass er Frau X’ Beanstandung nur unterstützen könne: «Die Frage mitsamt der Antwort ist sexistisch und hat in den Programmen vom SRF keinen Platz. Es ist gut, dass der publizistische Leiter dies seiner Redaktion für die Zukunft nochmals deutlich gemacht hat.» Sexistisch, deplatziert, Fauxpas, Provokation. Gegen solche publizistischen Fehlleistungen ist man auch im Zeitalter von Me Too nicht gewappnet.

Ombudsmann Blum zitierte auch die beanstandete, weil unzumutbare Quizfrage: «Von was hat die Frau zwei?» Antwort: «Brüste.» Jetzt lassen Sie das mal sacken. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.02.2018, 09:59 Uhr

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