«Es kann heute oder morgen zum Blackout kommen»

Die Axpo hält die Energiestrategie des Bundes für verfehlt und das Bundesamt für Energie für blauäugig. Der Energiekonzern warnt vor einer steigenden Gefahr für Blackouts.

Am 24. Januar 2017 sind gleichzeitig in Deutschland wetterbedingt fast alle Solar- und Windkraftwerke und in Frankreich ein Teil der Atomkraftwerke ausgefallen.

Am 24. Januar 2017 sind gleichzeitig in Deutschland wetterbedingt fast alle Solar- und Windkraftwerke und in Frankreich ein Teil der Atomkraftwerke ausgefallen. Bild: Keystone

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Dass die Axpo und das Bundesamt für Energie (BFE) das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben ist kein Geheimnis. So heftig und direkt hat der Energiekonzern der Kantone die Verwaltung des Bundes jedoch selten attackiert.

Die Axpo wirft dem Bundesamt schlicht Naivität vor. Dieses gehe nämlich davon aus, dass die Schweiz mit der vollständigen Marktöffnung und der Anbindung an den EU-Markt auch in Extremsituationen jederzeit genug Strom aus den Nachbarländern importieren könne, schreibt die Axpo im Geschäftsbericht. «Dabei kann es heute oder morgen zum Blackout kommen.»

Als Beleg dafür verweist der Energiekonzern auf den 24. Januar 2017. An diesem kalten Wintertag seien gleichzeitig in Deutschland wetterbedingt fast alle Solar- und Windkraftwerke und in Frankreich ein Teil der Atomkraftwerke ausgefallen. Ein mögliches Blackout habe schliesslich nur durch den Stromimport aus Skandinavien verhindert werden können.

Das Beispiel zeige, dass man sich niemals nur auf die Nachbarn verlassen solle, schreibt die Axpo. Das BFE jedoch glaube, die Eigenversorgung sei nicht zentral.

Axpo propagiert Subventionsmodell

Das tut das Bundesamt, weil es beim Problem der Versorgungssicherheit auf so genannte strategische Reserven setzt. So werden bereits heute Kraftwerke dafür entschädigt, dass sie ein Teil ihrer Kapazität für Notfälle bereithalten. Möglich wäre auch der Bau und der Einsatz eines Gaskraftwerkes als Reserve. Aber auch das findet die Axpo falsch.

Denn damit schade man den Schweizer Wasserkraftwerken, weil solche Energiereserven die Preisspitzen brächen und den Produzenten so Geld für Investitionen entzögen. Demzufolge wären für die Axpo Beinah-Blackouts wie am 24. Januar kein Problem, sondern ein Segen.

Um die Investitionsfähigkeit der Wasserkraftwerke wieder herzustellen, schlägt die Axpo im Geschäftsbericht erneut eine CO2-Abgabe auf dem gesamten in der Schweiz bezogenen Strom vor. Ein solches Subventionsmodell zu Gunsten der Schweizer Kraftwerkbetreiber, das die Axpo als Marktmodell bezeichnet, «würde den Schweizer Produzenten einen Schutz vor den Verwerfungen der internationalen Märkte bieten», heisst es im Geschäftsbericht.

In der Einleitung setzt der Energiekonzern noch leicht andere Akzente. Da prangert die Axpo die marktverzerrenden Einflüsse im europäischen Stromhandel an. (amu/sda)

Erstellt: 20.12.2017, 12:21 Uhr

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