Bern-Sion: Taxidienst auf Staatskosten

16 von 29 zivilen Militärpolizisten müssen täglich zu ihrem Arbeitsplatz chauffiert werden. Maximale Arbeitszeit: Fünf Stunden.



Reise auf Arbeitszeit: Arbeitsstandort für Berner Militärpolizei-Beamte ist ab Oktober der Flughafen Sitten

Reise auf Arbeitszeit: Arbeitsstandort für Berner Militärpolizei-Beamte ist ab Oktober der Flughafen Sitten Bild: Keystone

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Mit diesen Strategen möchte man nicht in den Krieg ziehen: Das Verteidigungsdepartement hat die Umsiedlung der Militärpolizei von Bern nach Sion überraschend auf den 1. Oktober dieses Jahres vorverlegt. Geplant war, die frei werdenden Logistikbauten frühestens im Frühjahr 2018 zu beziehen. Diese Planänderung hat nun Konsequenzen: Jetzt müssen 16 von 29 zivilen Militärpolizisten bis zum Ablauf ihrer Arbeitsverträge täglich von Bern nach Sion und wieder zurück chauffiert werden.

So wartet in Bern, am heutigen zentralen Standort der Militärpolizei, morgens vor Arbeitsbeginn ein Personentransporter und bringt die Angestellten an den 156 Kilometer entfernten Standort zu den Logistikbauten beim Flughafen Sion. Am frühen Abend geht es zurück. Die Alpenüberquerung, beziehungsweise -umfahrung erfolgt auf Kosten der Arbeitszeit, die täglich zweimal eine Stunde und 40 Minuten dauert. Gearbeitet wird maximal fünf Stunden und zehn Minuten.

Änderungen ab Januar 2018

Wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) bestätigt, habe die «Militärische Sicherheit» ab Oktober bis Ende Jahr den Transport organisiert, «um die personalrechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen. Werden ab 2018 die neuen Arbeitsverträge und Strukturen in Kraft treten, seien diese Transporte nicht mehr nötig.

Was das VBS damit impliziert: Ab kommenden Januar steht es den 16 Nutzern des Transports frei, zu kündigen oder den Arbeitsweg nach Sion selber zu organisieren. Das VBS geht davon aus, dass die Teilnehmerzahl noch im Verlauf dieses Jahres sinken werde, wenn heutige Mitarbeitende andere Funktionen in Bern übernehmen würden. Aus der Region Nordwestschweiz sei eine Person betroffen gewesen, wenn er nicht eine neue Funktion in Bern in einer anderen Organisationseinheit der Armee übernommen hätte.

Hintergrund dieser Geschichte sind Sparmassnahmen in der Armee, die das VBS bereits im November 2013 angekündigt hatte: Neben fünf Waffenplätzen sollten drei militärische Flughäfen geschlossen werden, darunter der Flughafen im Wallis, wo 50 Arbeitsplätze weggefallen wären.

Offenbar lobbyierten der damalige Stadtpräsident von Sion, Marcel Maurer, und der abgewählte Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit, Oskar Freysinger, erfolgreich für den Erhalt der Arbeitsplätze. Als Lösung wurde im Dezember 2016 die Umsiedlung der zentral gelegenen Militärpolizei an die Peripherie der Schweiz präsentiert. Ausgehandelt wurde ferner, dass das VBS in Notlagen Sion als Ausweichflugplatz für die Luftwaffe betreibt und den Flughafen bis Ende 2021 weiter unterhält. Ab Januar 2022 werden dann die Systeme für den Betrieb des Zivilflugplatzes übergeben.

529 Mitarbeiter umgesiedelt

Betroffen von der Reorganisation der Militärischen Sicherheit sind insgesamt 529 Mitarbeiter. Für 493 Mitarbeiter hätte eine Lösung gefunden werden können. Die meisten konnten sich offenbar mit dem neuen Arbeitsstandort im Wallis arrangieren. Laut VBS-Sprecherin Delphine Allemand sei das auch kein Problem gewesen: «Das Berufsmilitär darf arbeitsvertraglich in der ganzen Schweiz eingesetzt werden. Diese Mitarbeiter reagieren entsprechend flexibel.» Und weiter teilt sie mit: «Die Militärische Sicherheit hat diejenigen Mitarbeitenden, die im Rahmen der Reorganisation der Militärischen Sicherheit bisher noch keine Stelle gefunden haben, per Brief darauf hingewiesen, dass sie sich auch auf eine der geografisch weiter entfernten noch offenen Stellen bei der Militärpolizei bewerben können.»

Auf die Frage, ob es generell sinnvoll sei, eine militärische Einheit, die vom Bodensee bis an den Genfersee schnell einsetzbar sein muss, im Walllis an der Peripherie anzusiedeln, antwortet das VBS schlicht: «Ja.» Allemand ergänzt auf Nachfrage, die Militärpolizei sei noch an rund einem Dutzend weiteren kleinen Standorten präsent. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 08:18 Uhr

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