Der Wasserkopf der Armee

Die Schweizer Armee schrumpft und zählt nur noch halb so viele Soldaten wie vor ein paar Jahren. Mit einer Ausnahme: Beim obersten Kader wird kaum abgebaut.

Kein Mangel an der Spitze: Die Schweizer Armee zählt weiterhin 50 Höhere Stabsoffiziere.

Kein Mangel an der Spitze: Die Schweizer Armee zählt weiterhin 50 Höhere Stabsoffiziere. Bild: Keystone

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Die Kurve zeigt klar nach unten: Ende der Achtzigerjahre zählte die Armee aus heutiger Sicht unvorstellbare 600’000 Mann. In mehreren Reformschritten wurde der Bestand danach verkleinert, so mit der Armee XXI im Jahr 2004 auf 220’000 Mann. Seit Anfang 2018 umfasst der Effektivbestand noch 140’000 Mann.

Nicht Schritt gehalten mit dieser Verkleinerung hat der Bestand an Höheren Stabsoffizieren. Zu dieser Kategorie zählen die ranghöchsten Berufsoffiziere der Armee, also Korpskommandanten, Divisionäre und Brigadiers. 2004 zählte die Armee 58 Höhere Stabsoffiziere, 2018 waren es immer noch 50.

Die Armee schrumpft also kontinuierlich, während bei der Spitze kaum abgebaut wurde. Armeesprecher Daniel Reist erklärt diese Asymmetrie damit, dass viele Funktionen unabhängig von der Grösse der Armee notwendig seien: «Es braucht einen Chef Logistikbasis, einen Chef Personelles oder Kommandanten von Heer und Luftwaffe, auch wenn die Armee kleiner wird.»

Zudem verweist Reist auf internationale Gepflogenheiten. So müssten gewisse Strukturen erhalten bleiben, um eine «zwischenstaatliche Diskussion auf Augenhöhe» zu gewährleisten. Sprich: Wenn es zu einem Austausch im Rahmen der internationalen Kooperation kommt, kann die Schweiz keinen subalternen Offizier delegieren, wenn alle anderen Staaten mit Generalen vertreten sind.

Thema im Parlament

Die weiterhin beachtliche Zahl höherer Stabsoffiziere beschäftigt auch die Politik. «Das sieht nach einem Missverhältnis aus», sagt SVP-Nationalrat Werner Salzmann, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission. Er kündigt an, die Angelegenheit in der Kommission zu thematisieren und von der Armee eine Begründung zu verlangen.

Differenziert äussert sich der grüne Nationalrat Balthasar Glättli: «Die Anzahl Höherer Stabsoffiziere muss sich aus dem Organigramm der Armee ergeben und nicht aus der Zahl der Soldaten.» Glättli ist dafür, zunächst die aktuelle Armeereform abzuschliessen und danach über weitere Bestandesanpassungen zu diskutieren.

Das deckt sich mit der Haltung der Armee. Gemäss Sprecher Reist ist bis auf weiteres nicht geplant, die Zahl der Höheren Stabsoffiziere zu reduzieren: «Bis 2022 legt die Armee das Augenmerk auf die sogenannte Weiterentwicklung der Armee, wie sie von den politischen Behörden gutgeheissen ist.»

Die Höheren Stabsoffiziere, die in den Lohnklassen 30 bis 38 eingeteilt sind und damit zwischen 202’000 und 378’000 Franken pro Jahr verdienen, müssen trotz der Schrumpfkur der Armee vorerst also nicht um ihren Job bangen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 25.10.2018, 17:23 Uhr

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