Die drei Sünden der Postspitze

Gemäss vertraulichen Dokumenten wussten Konzernleitung und Verwaltungsrat von den Buchungstricks bei Postauto. Auf ihr Konto gehen auch die überzogenen Gewinnziele.

Die Spitze der Post muss sich nach Ansicht von Politikern erklären: Konzernleiterin Susanne Ruoff und der frühere Verwaltungsratspräsident Peter Hasler. (10. März 2016)

Die Spitze der Post muss sich nach Ansicht von Politikern erklären: Konzernleiterin Susanne Ruoff und der frühere Verwaltungsratspräsident Peter Hasler. (10. März 2016) Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Kurz sah es danach aus, als seien einige Verantwortliche der Posttochter Postauto ausser Kontrolle geraten und hätten ohne Wissen der Konzernspitze auf unzulässige Weise Gewinne auf Kosten von Bund und Kantonen und damit letztlich der Steuerzahler erzielt. Diesen Eindruck versuchte jedenfalls Post-Chefin Susanne Ruoff zu erzielen. «Das ist in einer Ecke der Postauto AG geschehen», erklärte sie am Dienstag vor den Medien.

Inzwischen ist aber klar, dass dieses Bild nicht zutrifft. Gut möglich zwar, dass Konzernleitung und Verwaltungsrat der Post nicht wussten, mit welchen Tricks bei der Postauto AG Gewinne aus dem regionalen Personenverkehr in das nicht subventionierte Nebengeschäfte verschoben wurden. Aus vertraulichen Dokumenten, die der «Blick» in Auszügen veröffentlicht hat, geht aber hervor, dass die Konzernspitze über die Umbuchungen im Grundsatz informiert war und nach Möglichkeiten suchte, mit Postauto auch in Zukunft ansehnliche Gewinne zu machen. Zudem lässt sich festhalten, dass Konzernleitung und Verwaltungsrat die Verantwortung für die überzogenen Gewinnziele der Posttochter tragen.

1. Die Konzernspitze war über Umbuchungen im Bild

Aus einer Aktennotiz vom August 2013 geht hervor, dass neben Postauto-Chef Daniel Landolf auch die wichtigsten Mitglieder von Konzernleitung und Verwaltungsrat über die Umbuchungen im Bild waren. Es würden «Kostenumbuchungen zulasten öffentlicher Verkehr vorgenommen», heisst es in dem Dokument.

Gemäss Verteiler ging die Aktennotiz an Peter Hasler, den damaligen Verwaltungsratspräsidenten der Post, Adriano Vassalli, den Vorsitzenden des Verwaltungsratsausschusses Audit, Risk und Compliance, Susanne Blank, Arbeitnehmervertreterin im Verwaltungsrat sowie Generalsekretärin Kerstin Büchel, Konzernchefin Susanne Ruoff und den damaligen Finanzchef Pascal Koradi, der inzwischen Chef der Aargauischen Kantonalbank ist.

«Die Geschäftsleitung von Postauto ist sich des Risikos bewusst, sieht aber in Anbetracht der für Postauto definierten Gewinnziele zurzeit keine andere Möglichkeit», heisst es in der Aktennotiz weiter.

2. Die Konzernspitze hiess eine «juristische Neustrukturierung» gut

Die Konzernleitung der Post befasste sich offenbar mit Möglichkeiten, die Gewinne der Postauto AG aus dem subventionierten Regionalverkehr weiter zu verschleiern. Das geht jedenfalls aus einem weiteren Dokument hervor. Gemäss diesem präsentierte Postauto-Chef Daniel Landolf an einer Konzernleitungsklausur vom Mai 2013 Varianten, «um die von der Post geforderten Gewinne von Postauto zu halten».

Die Ideen umfassten das Verschieben gewisser Teile der Postauto AG zum Konzerneinkauf der Post, um die Gewinne dort verbuchen zu können, sowie eine «juristische Neustrukturierung». Eine solche führte die Post per 2016 durch. Der bereits aus der Post in eine AG ausgelagerte Geschäftsbereich wurde neu in diverse juristische Personen gegliedert: Postauto Schweiz AG, Postauto Management AG, Postauto Produktions AG, Postauto Fahrzeuge AG, Postauto Mobilitätslösungen AG und Publibike AG. Kommuniziert wurde dieser Schritt von der Post nicht aktiv.

3. Die Konzernspitze verabschiedete unrealistische Gewinnziele

Dass die Postauto AG keine hohen Gewinne erzielen kann, wenn sie nur 15 Prozent ihres Umsatzes im nicht subventionierten Nebengeschäft erzielt, liegt auf der Hand. Trotzdem wunderte sich lange niemand über die beachtlichen Gewinne der Posttochter. 2007 erzielte sie einen Betriebsgewinn von 32 Millionen Franken, was einer Marge von 5,5 Prozent entsprach. Seither ist die Marge gesunken, lag aber ausser 2012 nie unter 3 Prozent.

Die Postauto AG ist durch Vereinbarungen innerhalb des Konzerns dazu verpflichtet, Gewinn zu erzielen. Laut dem «Blick» soll die Vorgabe 3 Prozent betragen. Die Post selber spricht von «gemeinsam vereinbarten Zielsetzungen». Diese würden von der Konzernleitung entwickelt, in «Abschluss- und Zielgesprächen» mit den Bereichsleitern vereinbart und schliesslich vom Verwaltungsrat beschlossen, wie Postsprecher Oliver Flüeler auf Anfrage ausführt. In anderen Worten: Die Verantwortung für die Gewinnziele tragen die Konzernleitung sowie der Verwaltungsrat der Post.

Aus der Sicht der Post sind die Gewinnziele für die Postauto AG den Vorgaben des Bundesrats geschuldet. «Zwischen den strategischen Zielen des Bundesrates an die Post und den Vorgaben der Besteller im abgeltungsberechtigten regionalen Personenverkehr besteht seit jeher ein fundamentaler Zielkonflikt», hielt Postauto-Chef Daniel Landolf 2017 in einer Aktennotiz fest.

Tatsächlich fordert der Bundesrat von der Post «in allen Geschäftsfeldern eine branchenübliche Rendite». Doch diese betrage im subventionierten Verkehr null Prozent, sagte Peter Füglistaler, der Direktor des Bundesamts für Verkehr, am Donnerstag vor den Medien. Dies sei 2012 in einer Besprechung mit Post-Chefin Susanne Ruoff und Postauto-Chef Daniel Landolf klar festgehalten worden.

Die genauen Gewinnziele für den Bereich Postauto hat die Post bisher nicht offengelegt, die Zahl von drei Prozent aber auch nicht bestritten. Sprecher Oliver Flüeler liefert zwei Gründe dafür, wieso die Post nicht Transparenz schafft: «Sie werden verstehen, dass wir aufgrund der laufenden Untersuchung keine detaillierten Angaben machen können», schreibt er auf Anfrage. Und: «Mit den betreffenden Bereichsleitenden entwickelte und vereinbarte Zielvorgaben fürs jeweilige Geschäftsjahr unterliegen dem Geschäftsgeheimnis.»

Ex-Finanzchef Koradi sagte dem «Blick», er sei von den Ergebnissen der Revision des Bundesamts für Verkehr überrascht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2018, 16:19 Uhr

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