Überwachung in der Schweiz nimmt markant zu

Immer mehr Kameras beobachten in der Schweiz den öffentlichen und privaten Raum. Das zeigt eine neue Umfrage.

Alles im Blick: Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protectas beobachtet die Monitore in einem Büro in Lausanne. (Archiv, 2015)

Alles im Blick: Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protectas beobachtet die Monitore in einem Büro in Lausanne. (Archiv, 2015) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In der Schweiz filmen mehr als 21’000 Kameras die Bürger im öffentlichen Raum: auf den Strassen, in Bahnhöfen, auf Zügen und in Bussen. Das zeigt eine Umfrage der «SonntagsZeitung» bei sämtlichen kantonalen Datenschützern sowie bei den grösseren Unternehmen im öffentlichen Verkehr.

Umfrage

Wie finden Sie die Videoüberwachung des öffentlichen und privaten Raumes?

Gut, sie bringt Sicherheit.

 
33.6%

Schlecht, sie stellt alle Menschen unter Generalverdacht.

 
52.6%

Egal, mir fallen die Kameras nicht einmal auf.

 
13.8%

1291 Stimmen


Allein die SBB haben in ihren Zügen und Bahnhöfen derzeit 14’600 Kameras in Betrieb. In den Städten Basel und Zürich betreibt allein die öffentliche Hand je rund 2000 Kameras. Die Geräte, die im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden, sind da nicht eingerechnet. Und der Trend wird kaum zu stoppen sein. Die SBB überwachen ab dem nächsten Jahr neben den Regionalzügen auch den Fernverkehr mit «voraussichtlich einigen Hundert Kameras», wie Mediensprecher Olivier Dischoe gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt. Mehrere Kantone erarbeiten derzeit neue Gesetze als Grundlage für die Installation von Kameras. Auch sind zahlreiche Gesuche um Bewilligungen bei den Behörden hängig. Schulhäuser, Abfallsammelstellen – überall filmen die Behörden mit.

Forderung nach mehr Kompetenzen

Dass der Trend zu flächendeckender Überwachung in der Schweiz gestoppt wird, scheint unwahrscheinlich – gerade auch vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge in Paris und  Brüssel. Ständig fordert die Politik mehr Mittel und Kompetenzen für die Nachrichten- und Polizeidienste – dass dabei auch Überwachungskameras eingesetzt werden können, scheint daher nur logisch.

Kein Allheilmittel

Der interimistisch amtierende eidgenössische Datenschützer Jean-Philippe Walter warnt aber davor, die Videoüberwachung als «Allheilmittel» anzusehen. «Dieses Bewusstsein gilt es vor allem bei den Verantwortungsträgern zu schärfen, die über den Einsatz von Videoüberwachung entscheiden», sagt er. Kameras seien nur dann sinnvoll, «wenn sie in ein klares Konzept eingebettet sind». Zudem bestehe das Risiko, dass es zu missbräuchlichen Auswertungen der Aufnahmen komme oder die Bilder in die Hände von Unbefugten gelangten. (nag)

Erstellt: 02.04.2016, 23:44 Uhr

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