Ein chancenloser Protest

Abgeriegelte Strassen, verhaftete Demonstranten, ein enormes Polizeiaufgebot in Bern: Die unbewilligte «antifaschistische» Kundgebung lief ins Leere.

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Wie im Ausnahmezustand präsentierte sich die Lage in Berns Innenstadt am Freitagabend. Wegen der angekündigten und unbewilligten Kundgebung von linksalternativen Kreisen markierte die Polizei in der Altstadt vom Bahnhof bis zum Zytglogge-Turm starke Präsenz. Das Ziel des grossen Polizeiaufgebots war klar und von der Berner Stadtregierung so gewünscht: Eine unbewilligte Demonstration galt es zu verhindern.

Die Kundgebungsorganisatoren hatten im Vorfeld die Polizei zwar aufgefordert, sich zurückzuhalten und den Zug marschieren zu lassen. Doch dazu kam es nicht. Die Polizisten gaben der Demonstration von Anfang an keine Chance. An zahlreichen Orten in der Innenstadt standen sie bereit, es wurden Personenkontrollen durchgeführt. Der angekündigte Versammlungsort beim Zytglogge wurde quasi abgeriegelt. Jegliche weiteren Versuche, sich an anderen Orten zu besammeln, wurde unterbunden. So versuchten die Demonstranten etwa via Twitter, ihren Besammlungsort kurzfristig zu wechseln. Doch die Polizei war immer schneller dort. Polizisten haben sich gar «zusammengekettet», um die Leute davon abzuhalten, die Versammlungsorte aufzusuchen.

Abgeführte Personen

Zudem gab es Festnahmen. Polizisten haben Personen festgenommen und sie in einem Wagen festgehalten. Auf Twitter bestätigte die Kantonspolizei diesen Sachverhalt: «Verschiedene Anhaltungen in der Innenstadt. Bei begründetem Verdacht auf unfriedliche Absichten machen wir Kontrolle in Polizeiräumen.»

Gegen 21 Uhr hat sich die Lage beruhigt. Die Demonstranten zogen sich schrittweise in die Reitschule, das linksalternative Kulturzentrum, zurück. Dort wurden sie, es waren letztlich rund 150 Personen, von der Polizei noch einmal eingekesselt, um den Protest gänzlich zu unterbinden. Die Demonstranten quittierten dies mit Feuerwerksknallern. Die Situation blieb sonst aber ruhig, und auch die Polizei zog sich dann zurück.

Organisiert wurde der Protest von einem der linksautonomen Antifa nahestehendem Komitee. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen «faschistische, rassistische und sexistische Vorfälle» der letzten Zeit. Zu diesen gehörten laut Mobilisierungstext etwa die Auflehnung gegen einen Transitplatz für Fahrende in Wileroltigen oder eine rechtsextreme Pnos-Aktion in Bern, bei der fremdenfeindliche Flugblätter auf die Strasse gekippt wurden. Für die Kundgebung wurde bewusst keine Bewilligung eingeholt, um gegen die «Demonstrationsunfreundlichkeit» der Stadt zu protestieren.

Die fehlende Bewilligung, aber auch das Timing der Demo bereitete den Berner Stadtbehörden Sorgen. Vor zehn Jahren, am 6. Oktober 2007, hatten Linksautonome in der Hauptstadt eine Gegendemonstration als Antwort auf eine Wahlkundgebung der SVP ins Leben gerufen. Die Veranstaltung artete in Sachbeschädigungen und Gewalttaten aus; die Ausschreitungen gingen als «Schande von Bern» in die Geschichte ein. Mit dem gestrigen Demoversuch wollten die Organisatoren offenbar an dieses Jubiläum erinnern. Doch für die Stadtregierung war rasch klar: «Der Gemeinderat will diese Demo nicht», sagte der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) Anfang Woche.

Polizei aus mehreren Kantonen

Die Berner Kantonspolizei wurde von Polizisten aus anderen Kantonen unterstützt, darunter Polizisten aus den Kantonen Basel-Stadt und Aargau. Wie viele Ordnungskräfte letztlich aufgeboten wurden, ist unklar. Die am Freitag im «Blick» genannte Zahl von 2000 Polizisten sei jedoch klar zu hoch gegriffen, sagte Nause gegenüber dem «Bund». Bei ähnlichen unbewilligten Demonstrationen standen in den letzten Jahren jeweils 1000 Polizisten im Einsatz. So verursachte die Antifa-Demonstration im Oktober 2015 Kosten von 1,2 Millionen Franken. Die Polizei riegelte damals sogar an zwei Wochenenden in Folge die Stadt ab. Dies, weil die Aktivistinnen und Aktivisten ihre Kundgebung einfach um ein Wochenende verschoben, nachdem ihr Demonstrationszug von der Polizei gestoppt worden war. Unklar ist auch, wie viel der Polizeieinsatz kosten wird. (Der Bund)

Erstellt: 06.10.2017, 19:13 Uhr

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