Eltern aus dem Balkan schlagen ihre Kinder häufiger

Für viele Kinder in der Schweiz gehört Gewalt zu Hause zum Alltag. Eine neue Studie bringt erschreckende Ergebnisse ans Licht.

«Körperliche Strafe als Erziehungsmethode»: Im Youtube-Film «La gifle – fondation pour l'enfance» wird in Zeitlupe gezeigt, was eine Ohrfeige anrichtet.

«Körperliche Strafe als Erziehungsmethode»: Im Youtube-Film «La gifle – fondation pour l'enfance» wird in Zeitlupe gezeigt, was eine Ohrfeige anrichtet. Bild: Screenshot Youtube

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Kinder in der Schweiz werden öfter geschlagen, als mancher wohl vermutet. Zwei von fünf Kindern erleben leichte Gewalt (Stossen, Ohrfeige etc.), jedes fünfte ist gar Opfer von massiver Gewalt (Faustschläge, Fusstritte, Prügel mit Gegenständen), wie die «Nordwestschweiz» schreibt. Die Zeitung bezieht sich auf Zahlen der Hochschule ZHAW.

Dabei gibt es grosse Unterschiede zwischen den Herkunftsländern der Eltern. So schlagen Eltern aus den Balkanländern Kosovo, Serbien und Mazedonien am häufigsten zu (40 Prozent). Hingegen ist «nur» jedes zehnte Kind von Schweizer Eltern von schwerer Gewalt betroffen. Im Artikel ist jedoch nicht ersichtlich, wie oft die Eltern Gewalt anwenden.

Experten sehen drei Gründe für die Unterschiede zwischen den Herkunftsländern:

  • Patriarchalische Wertvorstellung: Der Vater will sich mit Gewalt als Oberhaupt der Familie durchsetzen. «Dazu kann es kommen, wenn Männer aus patriarchalischen Gesellschaften Entwertungserfahrungen machen», sagt Peter Rieker, Erziehungswissenschaftler an der Universität Zürich, zur Zeitung.
  • Stress: «Unsicherheit und Überforderung können dazu führen, dass Eltern zu hart durchgreifen», so Rieker. Eltern mit Migrationshintergrund seien häufiger davon betroffen, weil sie sich in der neuen Gesellschaft erst zurechtfinden müssen. Viele würden mehreren Jobs nachgehen, um die Familie ernähren zu können.
  • Erziehungsmethode: «Das Bewusstsein dafür, dass Gewalt an Kindern falsch und schädlich ist, ist zu wenig verbreitet», sagt Studienleiter Dirk Baier. Er fordert ein Gesetz, das «körperliche Strafe als Erziehungsmethode verbietet».

Die Zahlen beruhen auf dem Zwischenergebnis einer ZHAW-Studie. 10'000 Jugendliche wurden dafür befragt – rund die Hälfte hat geantwortet. (woz)

Erstellt: 06.10.2017, 14:48 Uhr

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