Exit begleitete weniger Menschen in den Freitod

Die Sterbehilfeorganisation verzeichnet im letzten Jahr 722 Freitodbegleitungen. Im Vorjahr waren es mehr. Die Zahl der Mitglieder ist dagegen gestiegen.

722 Menschen haben sich 2016 in den Tod begleiten lassen: Ein Buch zum Thema Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende. (Archiv)

722 Menschen haben sich 2016 in den Tod begleiten lassen: Ein Buch zum Thema Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende. (Archiv) Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Mit Hilfe von Exit (Deutsche Schweiz) sind im vergangenen Jahr 722 Menschen aus dem Leben geschieden. Im Vorjahr waren es 782. Der Verein verzeichnet damit erstmals seit 2008 einen Rückgang. Deutlich gestiegen ist dagegen wiederum die Zahl der Mitglieder.

Mehr als 12'000 Menschen sind 2016 neu beigetreten. Damit zählte der Verein zum Jahresende in der Deutschschweiz und im Tessin insgesamt 104'278 Mitglieder. Diese Tendenz setzte sich auch Anfang 2017 fort, wie Exit in einer Mitteilung schreibt. Allein im Januar und Februar kamen rund 3000 weitere Personen dazu.

Die Zahl der Anfragen für Sterbehilfe blieb bei rund 3500. Bei 991 Mitgliedern wurden «Abklärungen für eine mitmenschliche Begleitung beim Freitod» getroffen. 722 entschieden sich dann für eine «Leidenszeitverkürzung mit Exit», heisst es in der Mitteilung. 57 Prozent davon waren Frauen und 43 Prozent Männer.

Ausbau der Palliativmedizin

Mögliche Gründe für den Rückgang um 8 Prozent könnten laut Exit die besser ausgebaute Palliativmedizin sein oder das Angebot anderer Sterbehilfeorganisationen. Gründe für die anhaltend starke Nachfrage nach Freitodbegleitungen seien neben dem stetigen Mitgliederzuwachs unter anderem die deutliche Alterung der Gesellschaft. So liegt das Durchschnittsalter der begleiteten Menschen bei 76,7 Jahren. Die häufigsten Grunddiagnosen waren wie in den Vorjahren Krebs im Endstadium, altersbedingte Mehrfacherkrankungen und chronische Schmerzen.

Die meisten Sterbebegleitungen fanden im Kanton Zürich statt. Es folgten die Kantone Bern, Aargau, St. Gallen, Basel-Stadt und Basel-Land.

Trotz Ausbau der Palliativmedizin, für die sich Exit seit 26 Jahren mit der Stiftung palliacura stark macht, entspreche die Sterbehilfe einem Bedürfnis der Bevölkerung, heisst es in der Mitteilung. Insgesamt bleiben Freitodbegleitungen laut Exit jedoch selten in der Schweiz: Sie betreffen nur rund 1,5 Prozent der jährlich rund 65'000 Todesfälle. (nag/sda)

Erstellt: 09.03.2017, 08:30 Uhr

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