Ineffiziente Stromproduktion

Die Eidgenössische Finanzkontrolle stellt die Biogas-Produktion auf Bauernhöfen infrage.

Hohe Produktionskosten. Bauer Peter Wyss befüllt auf seinem Hof die Biogasanlage in Ittigen mit Biomasse.

Hohe Produktionskosten. Bauer Peter Wyss befüllt auf seinem Hof die Biogasanlage in Ittigen mit Biomasse. Bild: Keystone

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Naturnah und nachhaltig – kaum eine Energieform hat ein so positives Image wie Strom aus Biomasse. Statt Altholz, organische Abfälle und Dung verrotten und vermodern zu lassen, wird ihr Energiegehalt genutzt: Entweder geht das Material in Kehrichtverbrennungsanlagen, die daraus direkt Wärme und Elektrizität erzeugen. Oder die organischen Rückstände werden zu Biogas verarbeitet, das dann der Stromproduktion dient. Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energieformen wie Solar- und Windstrom ist die Erzeugung von Strom aus Biomasse nicht vom Wetter abhängig, was mit Blick auf die Versorgungssicherheit ein Vorteil ist.

Motiviert durch bereitstehende Fördergelder, haben seit 2006 etliche Bauern begonnen, auf ihren Höfen Strom aus Biogas zu produzieren. Sie haben in entsprechende Anlagen investiert, die sie nun vor allem mit Hofdünger von Nutztieren speisen. Auch Grün- und Nahrungsmittelabfälle aus dem Ackerbau landen in den Anlagen.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat nun untersucht, wie wirksam die staatliche Förderung der landwirtschaftlichen Biogasproduktion ist und wie es um deren Wirtschaftlichkeit steht. Das Resultat ist wenig schmeichelhaft. Man habe es mit einer «sehr kostenintensiven und extrem von Bundesgeldern abhängigen Form der Stromerzeugung» zu tun, schreibt die EFK in einem heute publizierten Bericht.

Der Marktpreis

Gemäss Finanzkontrolle produzierten die rund hundert Biogasanlagen auf Bauernhöfen in der Schweiz (2016) insgesamt 116 Gigawattstunden Strom, was lediglich 0,24 Prozent der inländischen Elektrizitäts-Erzeugung entspricht. Die Produktionskosten waren horrend und beliefen sich – je nach Hof – auf 37 bis 75 Rappen pro Kilowattstunde Strom. Sie betrugen damit ein Vielfaches des Marktpreises, der in den letzten zehn Jahren zwischen fünf und zwölf Rappen pro Kilowattstunde schwankte.

Die Produktionskosten lagen damit auch höher als bei allen anderen Formen von Strom aus erneuerbaren Quellen. Das liegt vor allem daran, dass landwirtschaftliche Biogasanlagen im Gegensatz zu Wind- und Solaranlagen ständige Wartung erfordern: Es muss fortlaufend eine bestimmte Mischung an Biomasse zugeführt werden, was dauernde Überwachung nötig macht und entsprechend personalintensiv ist. Um die landwirtschaftliche Biogasproduktion dennoch zu ermöglichen, liess der Bund den Betreibern 2016 insgesamt 36 Millionen Franken an Subventionen zukommen. Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) zur Förderung von Alternativstrom machte dabei mit 35 Millionen den weitaus grössten Teil aus. Daneben profitierten die Bauern von Emissionszertifikaten für die Verringerung des Ausstosses des Klimagases Methans sowie, zu einem kleinen Teil, von zinslosen Investitionskrediten.

Der «Landwirtschaftsbonus»

Die kostendeckende Einspeisevergütung betrug im Schnitt 42 Rappen pro Kilowattstunde. Damit wurde Biogas-Strom aus der Landwirtschaft vom Bund so hoch vergütet wie keine andere Energieform. In der Abgeltung enthalten war insbesondere ein «Landwirtschaftsbonus» von 16 Rappen pro Kilowattstunde. Mit diesem will der Bund speziell die Verwertung von Hofdünger fördern. Die EFK kritisiert, dieser Bonus entspreche kaum den energiepolitischen Zielen des Bundes, sondern stelle eher «eine indirekte, von den Stromkundinnen und -kunden finanzierte Unterstützung der Landwirtschaft» dar.

Sieben landwirtschaftliche Biogasanlagen hat die Finanzkontrolle vertieft unter die Lupe genommen. Bei diesen machen die Subventionen fast drei Viertel aller Einnahmen aus. Trotzdem übertrifft nur eine einzige Anlage die Renditeerwartung des Bundes von jährlich acht Prozent. Zwei Anlagen arbeiten sogar defizitär, trotz der staatlichen Zuschüsse.

Das Fazit

Die EFK erkennt in der starken Abhängigkeit der Biogasproduktion von Fördergeld eine unternehmerische Gefahr. «Wie das Beispiel Österreichs gezeigt hat, ist das Risiko gross, dass die Biogasanlagen stillgelegt werden, sobald keine Subventionen mehr fliessen», warnt sie im Bericht. In der Schweiz läuft die kostendeckende Einspeisevergütung für die ältesten Anlagen 2026 aus.

Das Fazit der EFK ist diplomatisch, aber doch deutlich formuliert: Angesichts beschränkter finanzieller Mittel solle landwirtschaftliches Biogas «nicht um jeden Preis» gefördert werden. «Jeder Rappen, der für eine erneuerbare Energie aufgewendet wird, fehlt für die Unterstützung einer anderen.»

Im Bericht der Finanzkontrolle sind die Stellungnahmen des Bundesamts für Energie und des Bundesamts für Landwirtschaft enthalten. Bei diesen Ämtern scheint wenig Verständnis für die Kritik der Finanzkontrolle vorhanden zu sein. Es sei nicht angebracht, nur die kostengünstigen Formen erneuerbarer Energie zu unterstützen, schreibt das Bundesamt für Energie. Denn beim Energiemix der Schweiz «müssen alle erneuerbaren Mittel für die Stromproduktion genutzt werden, da sie sich ergänzen».

Das Bundesamt für Landwirtschaft schliesst sich diesem Standpunkt an: Strom aus Biogas habe viele Vorteile. Bei der künftigen Energieversorgung ohne Atomstrom müssten nebst ökonomischen Aspekten auch der Bedarf nach Schutz der Umwelt, der Landschaft und des Klimas angemessen berücksichtigt werden.

Für die Finanzkontrolle sind Wirtschaftlichkeitsüberlegungen aber zentral. Sollte das Parlament landwirtschaftliches Biogas weiterhin unterstützen wollen, schreibt sie, müsse geklärt werden, wie hoch künftig die finanzielle Unterstützung durch den Bund ausfallen soll. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.08.2018, 10:09 Uhr

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