BLS will nur «kleines Stück des wachsenden Kuchens»

Die SBB reichen eine Konzessiongesuch für die Fernverkehrslinien für die nächsten 15 Jahre ein. Eine Einigung mit der BLS ist nicht zustande gekommen.

Eine SBB-Lok und eine BLS-Lok stehen im Bahnhof Bern. (20. Februar 2017)

Eine SBB-Lok und eine BLS-Lok stehen im Bahnhof Bern. (20. Februar 2017) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die BLS nehme der SBB nichts weg, sondern wolle sich mit ihrem Konzessionsgesuch nur am Wachstum im öffentlichen Verkehr beteiligen. Das sagte BLS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli am Freitag vor den Medien in Bern. «Wir wollen nur ein kleines Stück des stark wachsenden Kuchens.»

Die SBB rechne nach eigenen Angaben im Fernverkehr bis 2030 mit einem Nachfragewachstum von 78 Prozent, betonte Stämpfli. Dass sich die BLS wieder um Fernverkehrslinien bewerbe, begründete Stämpfli mit dem Willen des Bundes, im öffentlichen Verkehr einen Ideenwettbewerb zu lancieren.

Um Ideen zu entwickeln und umzusetzen, brauche es Gewinne, die man in das Unternehmen investieren könne, führte Stämpfli aus. Die seit 2004 nur noch im Regionalverkehr tätige BLS könne solche Gewinne nicht machen. Im Regionalverkehr bestimmten die Kantone das Angebot und mit den Subventionen könnten einfach die Kosten gedeckt werden – mehr nicht.

«Wenn wir nicht im Fuhrhaltermodell der SBB fahren, dann können wir Gewinne machen und ins System reinvestieren», betonte Stämpfli. Dadurch entstehe moderater Wettbewerb, der Impulse liefere.

Mit Kundenservice punkten

Wenn Monopole aufgebrochen und kontrollierter Wettbewerb stattfinde, dann würden die Kunden profitieren, sagte Stämpfli. Ein ruinöser Wettbewerb wie in der Luftfahrt hält Stämpfli im Bahnverkehr nicht für möglich, da die Billettpreise einheitlich seien. «Niemand kann Dumpingangebote lancieren.»

Die BLS will stattdessen mit Service punkten, etwa mit Investitionen von rund 495 Millionen Franken ins Rollmaterial. Diese Investitionen sollen eigenwirtschaftlich erfolgen. Weiter will die BLS mit persönlicher Reisebegleitung, Ticketkauf, Verpflegungsmöglichkeiten und guter Datenverbindungen für Reisende punkten.

Gut verkraftbar

Die BLS könne diesen Schritt verkraften, betonte der Verwaltungsratspräsident. Das Unternehmen habe gar auf eine Maximalvariante mit der Fernverkehrslinie bis nach Zürich verzichtet.

Dass die BLS sich nicht um die Zürich-Verbindung bewerbe, habe nichts mit den «durchaus spürbaren Druckversuchen» der SBB zu tun, betonte Stäpfli. Diese hätten im Kanton Bern notabene für grosse Verstimmung gesorgt.

Die BLS strebe weiterhin eine Zusammenarbeit mit den SBB an, aber: «wir sind eine eigenständige Gesellschaft. Ich könnte nicht ja sagen, dass sich die BLS langsam aber sicher von der Eigenständigkeit entfernt», betonte Stämpfli.

Befürchteter Kostenanstieg

Das Gesuch der BLS sei konsensfähig, führte der Verwaltungsratspräsident aus. Es handle sich nämlich um jene Variante die ursprünglich von einer Arbeitsgruppe erarbeitet worden sei. Leider habe die SBB davon wieder Abstand genommen und der BLS stattdessen ein unakzeptables Konzept unterbreitet.

Stämpfli konterte am Freitag auch von der SBB ins Spiel gebrachte Vermutungen, dass mit der Aufteilung der Fernverkehrskonzessionen die Kosten des Gesamtsystems steigen würden. Dies geschehe nicht, weil die BLS zwei Fernverkehrslinien von der SBB übernehme, sondern wegen des generellen Wachstums im öffentlichen Verkehr. (oli/sda)

Erstellt: 08.09.2017, 13:56 Uhr

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