So wirkt sich die Prämien-Umverteilung auf die Versicherten aus

Die vorgeschlagene Umverteilung der Krankenkassen-Prämien stösst bei Versicherern auf Kritik. Wer zu den Verlierern gehört.

«Prämiensprüngen in einzelnen Gemeinden»: Prospekte verschiedener Krankenkassen. (Archivbild)

«Prämiensprüngen in einzelnen Gemeinden»: Prospekte verschiedener Krankenkassen. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die vorgeschlagene Neueinteilung der Prämienregionen für die Bestimmung der Krankenkassenprämien findet bei den Versicherern keinen Anklang. Auch aus einigen Kantonen kommt Kritik. Verlierer seien Versicherte in ländlichen Gebieten, die mit happigen Prämienaufschlägen rechnen müssten, heisst es.

Das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) will die Prämienregionen ab 1. Januar 2018 nicht mehr nach Gemeinden, sondern anhand von Bezirken definieren. In einigen Kantonen bringt die Verordnung, zu der die Vernehmlassung am (morgigen) Freitag endet, auch eine Reduktion der Zahl von Prämienregionen mit sich.

Die Revision könnte vielerorts zu «Prämiensprüngen in einzelnen Gemeinden» führen, fürchtet der Krankenkassenverband curafutura. Hart treffen würde dies vor allem jene Versicherten, die auf einmal in eine teurere Region eingeteilt würden - zusätzlich zum normalen Prämienanstieg.

Gegen Quersubventionierung

Davon betroffen wären laut santésuisse gegen drei Millionen Versicherte in ländlichen Gemeinden. «Diese Bevölkerung müsste jährlich rund 300 Millionen Franken zusätzlich an Prämiengeldern bezahlen.» In den Gemeinden Ermensee LU, Duggingen BL und Trub BE beispielsweise würde allein die Neueinteilung die Prämien zwischen 10,5 und 14,7 Prozent in die Höhe treiben. Das hat der Krankenkassenverband santésuisse errechnet.

Städterinnen und Städter hingegen kämen in den Genuss eines Prämiennachlasses. Für die Krankenversicherer ist dies eine unberechtigte Quersubventionierung, da in städtischen Zentren mit vielen Gesundheitseinrichtungen mehr Kosten anfallen als auf dem Land. curafutura sieht in der Verordnung eine «nicht begründbare Umverteilung» unter den Versicherten.

Der Vorschlag des EDI führe auch zu einer Nivellierung der Prämien. Dies sei nicht im Sinne von Kostenwahrheit und Transparenz. Die Versicherer zweifeln zudem an den Vorgaben und Berechnungen. Einiges mute «sachlich fragwürdig oder gar willkürlich» an, schreibt santésuisse.

Anders sieht es das Innendepartement. Die Einteilung nach Gemeinde könne ebenso willkürlich sein, schrieb es bei der Eröffnung der Vernehmlassung. Zum Beispiel weise eine Gemeinde mit Alters- oder Pflegeheim höhere Kosten aus als die Nachbargemeinde, die über keine solche Einrichtung verfügt.

«Unruhe programmiert»

In fünf Kantonen ändert sich auch die Zahl der Prämienregionen. Schaffhausen soll neu eine einzige Region bilden statt wie heute zwei. Bern, Graubünden, Luzern und St. Gallen, die heute in drei Prämienregionen aufgeteilt werden, sollen künftig nur noch aus deren zwei bestehen. Zürich ist nach der Neueinteilung der einzige Kanton, der über drei Prämienregionen verfügt. Kantone, die aktuell aus einer Prämienregion bestehen, behalten diese bei.

Die Luzerner Kantonsregierung wehrt sich vehement gegen die Pläne, da sie für die Hälfte der Luzerner Bevölkerung einer «massiven Prämienerhöhung» gleichkämen. «Die politische Unruhe wäre damit programmiert», schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Die drohende Nivellierung der Prämien leiste zudem der Einheitskasse Vorschub.

Der Berner Regierungsrat fordert, dass der Kanton Bern weiterhin in drei Regionen eingeteilt wird. Nur zwei Prämienregionen trügen der Vielfalt des Kantons zu wenig Rechnung. So müssten mehr als die Hälfte der Erwachsenen in eine teurere Region wechseln, vor allem für Kinder und Jugendliche würden die Prämien ansteigen.

Auch der Kanton Basel-Landschaft spricht sich deutlich gegen eine Angleichung der Prämienunterschiede sowie gegen eine Quersubventionierung aus.

Mehr Solidarität

Aufgeschlossen steht hingegen der Kanton St. Gallen den geplanten Änderungen gegenüber. Das neue Regime sei etwa im Falle von Gemeindefusionen stabiler, schrieb die Kantonsregierung. Der Reduktion auf zwei Prämienregionen stimmt der Regierungsrat zu - allerdings dürfe dies nicht zu höheren Prämien führen.

Auch der Städteverband befürwortet die Neuerungen. Die freie Arztwahl und «Prinzipien von Gleichbehandlung und Solidarität» sprächen dafür. Aus Sicht der Stiftung SPO Patientenschutz wird das System vereinfacht.

Der Waadtländer Kantonsregierung gehen die Änderungen hingegen nicht weit genug. Sie setzt sich für einen schrittweisen Übergang auf eine Einheitsprämienregion in der Waadt ein. Einerseits seien die Kostenunterschiede zu klein, als dass sie eine Unterteilung in zwei Prämienregionen zuliessen. Andererseits sei eine Einheitsprämie auch solidarischer. (woz/sda)

Erstellt: 12.01.2017, 10:51 Uhr

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