100 Polizisten stürmen Wohnungen und Moschee im Tessin

Bei einem grossangelegten Anti-Terror-Einsatz im Tessin hat die Polizei mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Zwei mögliche IS-Rekrutierer wurden festgenommen.

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Über 100 Beamte der Kantonspolizei Tessin sowie des Bundesamts für Polizei (fedpol) haben im Tessin zwei Polizeioperationen durchgeführt. Die Hausdurchsuchungen erfolgten im Rahmen eines Strafverfahrens der Bundesanwaltschaft sowie eines davon unabhängig geführten kantonalen Strafverfahrens. Das teilt die Bundesanwaltschaft in einer Medienmitteilung mit.

Das Verfahren der Bundesanwaltschaft richtet sich gegen einen schweizerisch-türkischen Doppelbürger sowie gegen einen türkischen Staatsbürger. Sie werden verdächtigt, im Tessin Personen für die verbotenen Terrororganisationen «al-Qaida» und «Islamischer Staat» rekrutiert zu haben. Ausserdem sollen sie sich an einer kriminellen Organisation beteiligt haben. Zusätzlich steht der Vorwurf im Raum, das Verbot von Gewaltdarstellungen verletzt zu haben.

Strafverfahren stehen miteinander in Verbindung

Im Rahmen des Strafverfahrens der Bundesanwaltschaft wurde eine Person im Raum Lugano festgenommen. Bei dieser handelt es sich um einen der beiden Verdächtigten, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage von baz.ch/Newsnet bestätigt hat. Laut Radio RSI ist der Festgenommene ein 36-jähriger Angestellter einer Sicherheitsfirma aus der Region Bellinzona. Der Mann habe auch im Umfeld der Asylbewerberunterkunft Camorino TI gearbeitet, berichtet «Ticino Online».

Das Strafverfahren der Bundesanwaltschaft weise gewisse Verknüpfungen zum kantonalen Strafverfahren auf, wie aus der Medienmitteilung der Bundesanwaltschaft hervorgeht. Deswegen sei der Einsatz mit der Staatsanwaltschaft Tessin koordiniert worden.

Sicherheitsfirma im Visier

Eine zweite Verhaftung gab es ausserdem beim Verfahren auf kantonaler Ebene. Gegen den unter Verdacht der Terrorunterstützung stehenden schweizerisch-türkischen Doppelbürger werde ausserdem in einem anderen Tatkomplex ermittelt, teilte die Tessiner Kantonspolizei mit. Im Zentrum stehe hierbei eine Sicherheitsfirma aus dem Raum Bellinzona.

Der Doppelbürger sei Angestellter des 36-Jährigen gewesen, der am Mittwoch festgenommen worden sei. Die Vorwürfe lauten auf Verstösse gegen das Arbeitsrecht und gegen das Gesetz zu privaten Sicherheitsbetrieben. Ausserdem wird den Männern gemäss der Kantonspolizei Wucher sowie Gewalttaten gegenüber mindestens einem Asylbewerber vorgeworfen.

Moschee durchsucht

Die Vorfälle sollen sich in Camorino TI ereignet haben, wo die Sicherheitsfirma im Einsatz war. Mittlerweile sei sie von ihren Diensten entbunden und durch einen anderen Anbieter ersetzt worden. Im Rahmen der Ermittlungen sei es auch zu Beschlagnahmungen gekommen.

Eine von mehreren Hausdurchsuchungen fand in einem Gebetshaus statt; dabei wurde aber niemand festgenommen. Laut Radio RSI handelt es sich beim Gebetshaus um die Moschee von Viganello TI. Dem widerspricht allerdings der Präsident der Lega dei Musulmani im Tessin. Er habe in der Moschee von Viganello eben sein Gebet beendet, habe keine Anzeichen einer Razzia gesehen, sagte er dem Newsportal «Ticino Online». (oli/mch/sda)

Erstellt: 22.02.2017, 15:04 Uhr

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