Thurgau erhöht Sprachhürde für Einbürgerung

Wer sich im Kanton Thurgau einbürgern lassen will, muss in Zukunft bessere Deutschkenntnisse vorweisen als in der übrigen Schweiz.

Der Thurgau der Kanton hat künftig für Einbürgerungen die strengsten Sprachvorschriften in der Schweiz.

Der Thurgau der Kanton hat künftig für Einbürgerungen die strengsten Sprachvorschriften in der Schweiz. Bild: Keystone

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Der Grosse Rat des Kantons Thurgau hat am Mittwoch eine neue Regelung im Bürgerrechtsgesetz verabschiedet. Einbürgerungswillige im Thurgau müssen damit künftig Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 mündlich und B1 schriftlich nachweisen. Damit wird der Thurgau der Kanton mit den strengsten Sprachvorschriften in der Schweiz.

SVP-Sprecher hatten argumentiert, für die Integration brauche es gute Deutschkenntnisse. Mit B2/B1 werde «nichts Unmenschliches» gefordert. SP, Grüne, Grünliberale und CVP-EVP waren gegen die Verschärfung: Das Einbürgerungsverfahren müsse fair sein, auch für Ausländerinnen und Ausländer der ersten Generation.

Der Rat hiess die Vorlage in der Schlussabstimmung mit 65 gegen 55 Stimmen gut. FDP und SVP setzten sich dabei gegen CVP, EVP, SP und Grüne durch. Das Behördenreferendum kam nicht zustande: 20 Stimmen von SP und Grünen genügten dafür nicht. Möglich ist aber noch ein fakultatives Referendum. Die umstrittene Vorlage hatte den Rat in zwei Lesungen im Oktober und im November mit hauchdünnem Mehr passiert.

Das bedeuten die Sprachniveaus nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) des Europarats:

B1: Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äussern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.

B2: Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fliessend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne grössere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben. (amu/sda)

Erstellt: 06.12.2017, 13:43 Uhr

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