Vereine bangen um Lotto-Einnahmen

Das Geldspielgesetz könnte Folgen für Vereinskassen haben. Der Bund will Tombolas stark beschränken. Vereine und einzelne Kantone fordern den Bund auf, davon abzusehen.

Bingos oder Lottos sind wichtige Einnahmequellen: Das Tessiner Lotto im Restaurant Du Nord 1992 in Bern.

Bingos oder Lottos sind wichtige Einnahmequellen: Das Tessiner Lotto im Restaurant Du Nord 1992 in Bern. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der oberste Blasmusiker der Schweiz, Valentin Bischof, schreckte bei der morgendlichen Zeitungslektüre heute Freitag hoch. Schuld daran waren schlechte Neuigkeiten. Der Absender: der Bund. Dieser will die Summe der Einsätze von Lottos (Bingos) und Tombolas auf 25'000 Franken beschränken. Das beschneidet die Einnahmen je nachdem empfindlich. Die verhängnisvolle Zahl versteckt sich im Artikel 38 der Verordnung zum Geldspielgesetz, die das Bundesamt für Justiz bereits im März in die Vernehmlassung geschickt hat.

Nun hat der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker (SVP) reagiert, wie die «Luzerner Zeitung» heute Freitag berichtet. Winiker schreibt dem Bundesamt für Justiz, dass diese Summe zu «massiven Beschränkungen» der von den Vereinen mit grossem Aufwand organisierten Lottos führe. Eigene Erhebungen haben für Luzern ergeben, dass bei den 134 Lottos im Jahr 2017 diese sogenannte Plansumme zwischen 4000 und 60'000 Franken lag. In seiner Vernehmlassungsantwort verlangt Winiker darum die Verdoppelung der maximalen Summe.

50 Prozent des Vereinsbudgets

Der Präsident des Schweizer Blasmusikverbands würde sogar noch weitergehen als Winiker: «Warum braucht es überhaupt eine Beschränkung für solche Vereinsanlässe», fragt er. Denn auf diese Einkünfte seien die rund 2000 Blasmusiken in der Schweiz dringend angewiesen.

Das Jahresbudget einer durchschnittlichen Dorfmusik beläuft sich auf 50'000 bis 100'000 Franken. Ein kleiner Teil kommt via Mitgliederbeiträge herein, etwas Geld steuern lokale Sponsoren bei, dann subventionieren normalerweise auch die Standortgemeinden die Blasmusik. Den grössten Teil aber müssen die Vereine laut Bischof über eigene Aktivitäten hereinholen. Das sind Konzerte oder eben Lottos.

Er schätzt, dass über diesen letzten Posten rund die Hälfte der Einkünfte zusammenkommen. Verständlich, dass ihn die Neuigkeiten aus Bern «sehr unglücklich» machen. Er versteht nicht, weshalb den Vereinen genau jene Geldquelle zugedreht werden soll, über die sie sich – notabene mit viel freiwilligem Einsatz verbunden – selber finanzieren.

Aus Luzerner Sicht «unnötig»

Die Verordnung zum Geldspielgesetz schickte der Bundesrat bereits vor der Volksabstimmung vom 10. Juni in die Vernehmlassung. Er tat dies mit der Begründung, auf diese Weise im Abstimmungskampf für Transparenz zu sorgen. Das Stimmvolk nahm die Vorlage mit 72,9 Prozent an. Die Auswirkungen auf die Vereine thematisierte vor dem Abstimmungssonntag niemand. Dafür jetzt.

In seiner Stellungnahme weist der Luzerner Justizdirektor darauf hin, dass es in der langjährigen Tradition solcher Vereinsanlässe kaum je zu «Exzessen oder Vollzugsproblemen» gekommen sei. Die Massnahme erscheine in diesem Licht als «unnötig». Neben Luzern setzt sich auch Obwalden für die Vereine ein. Das Bundesamt für Justiz konnte gestern inhaltlich nichts dazu sagen. Der Bundesrat werde nun die Stellungnahmen prüfen und allenfalls die Verordnung überarbeiten. Inkrafttreten soll sie zusammen mit dem Gesetz per Anfang 2019.

Valentin Bischof hofft, dass der Bund ein Einsehen hat und auf Einwände und Bedenken eingeht. Er wäre schon froh, wenn der Luzerner Vorschlag durchkäme. Bischof rechnet nach den Medienartikeln nun mit zahlreichen Reaktionen von der Basis. Bis jetzt ist ihm das brisante Detail in der Verordnung zum Geldspielgesetz glatt entgangen. Dabei wäre auch der Schweizer Musikverband zur Vernehmlassung eingeladen gewesen. Jetzt ist es zu spät dazu. Die Frist ist Mitte Juni abgelaufen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2018, 15:40 Uhr

Artikel zum Thema

Deutliches Ja zum Geldspielgesetz – Casinos stellen Forderungen

Die einheimische Glücksspielbranche hat sich überraschend deutlich durchgesetzt. 72,9 Prozent der Stimmenden sagten Ja zum neuen Gesetz. Mehr...

Wer bis zu 999'999 Franken gewinnt, soll keine Steuern zahlen

Video Am 10. Juni stimmt das Volk über das Geldspielgesetz ab. Der Bundesrat empfiehlt ein Ja. Die Gründe. Mehr...

Blog

Paid Post

Langlaufträume in Österreichs Winterwunderland

Seefeld und Achensee verbinden Natur, Sport und Kulinarik. Zwei Profis verraten Ihnen ihre Geheimtipps.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...