Zu wenig und zu viel Offiziere

Die Schweizer Armee hat ein Problem in der Aufstellung.

Unterbestände bei den Offizieren können auch mit der vierten Reform nicht behoben werden.

Unterbestände bei den Offizieren können auch mit der vierten Reform nicht behoben werden. Bild: Christian Jaeggi

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In der Armee gibt es immer weniger Soldaten, der Bestand an Brigadiers, Divisionären und Korpskommandanten bleibt jedoch etwa gleich hoch. Das ist ein deutlicher Hinweis auf bestehende Probleme in der Aufstellung der Schweizer Armee. Das Problem wird noch deutlicher, setzt man die beachtliche Anzahl höherer Stabsoffiziere in Relation zu aktuell bestehenden Bestandsproblemen beim Offiziersnachwuchs.

Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, warnte deshalb kürzlich im Schweizer Fernsehen vor einem «Grounding der Armee». Per 1. Juni konnten 674 Positionen allein auf Stufe Hauptmann nicht besetzt werden. Damit sei fast jede vierte Position vakant. Auch bei den Stabsoffizieren (vorab Majore und Oberstleutnants) gibt es zu wenige, die nachrücken.

Zu kritisieren sind aufgrund solcher Fakten weniger die Mitglieder der Armeeführung, sondern die Sicherheitspolitiker von Parlament und Bundesrat. Es ist wenig vertrauensbildend, wenn Bundesrat Guy Parmelin (SVP) im Fernsehen erklärt, bis jetzt sehe er kein Problem, man stehe halt am Anfang einer Reform und es brauche noch «ein bisschen Zeit, um einige Kinderkrankheiten» zu beheben. Fakt ist, dass auch nach der vierten, direkt aufeinanderfolgenden Armeeverkleinerung nach wie vor Hunderte Offiziere fehlen. Und dies trotz Verbesserungen in der Ausbildung, in der Abstimmung zwischen Militär und Wirtschaft sowie Studium und trotz des Köderns mittels Bildungsgutschriften.

Auf gesellschaftliche Entwicklungen und den allgemein geltenden Umstand, dass Soldaten und Offiziere in langen Friedensperioden ein tieferes Ansehen geniessen als in akuten Bedrohungslagen, hat die Politik nur bedingt Einfluss. Sie hat aber dort Verantwortung zu übernehmen, wo sie Einfluss nehmen kann. Sorgt die Politik dafür, dass die Armee auf zunehmend komplexe Bedrohungslagen von heute und morgen glaubwürdige Antworten liefern kann, wird die Bereitschaft zweifellos zunehmen, sich als mündiger Bürger in Uniform über das obligatorische Minimum hinaus zu engagieren.

Der Staat hat – mit der Armee als zentrales Sicherheitsinstrument von mehreren – überzeugende Antworten zu liefern. Etwa vom rasch erfüllten, bestandsintensiven Bewachungsauftrag bei unspezifischer Terrordrohung bis zur Fähigkeit der Abwehr einer Infiltration durch irreguläre Kämpfer bei gleichzeitig erfolgenden Cyberattacken. Solange die Verteidigungsfähigkeit der Armee fehlt, bleibt die Bereitschaft zur Offizierskarriere klein. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.10.2018, 09:30 Uhr

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