10 Jahre nach der Finanzkrise: UBS-Manager haben gewonnen

Die Bankenchefs sind in Spitzenjobs zurückgekehrt – und vor allem noch reicher geworden.

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Zürich Vor 10 Jahren erreichte die Finanzkrise die Schweiz. Die UBS, an der Börse damals rund 300 Milliarden Franken wert, musste einen Milliardenverlust nach dem anderen bekannt geben. Total waren es etwa 80 Milliarden, die die Bank mit dubiosen Immobilienanlagen in den USA verlor. Die ­Aktionäre haben noch viel mehr verloren. Gemessen am Börsenwert, waren es 240 Milliarden Franken.

Verantwortlich für das Debakel ist in den Augen der Öffentlichkeit die damalige Führungscrew der UBS, allen voran Marcel Ospel als Präsident, sein Vize Stephan Haeringer und Peter Wuffli als langjähriger CEO sowie deren Nachfolger Peter Kurer und Marcel Rohner. Viel weniger gesprochen wird über die amerikanischen Investmentbanker, die das ganze Debakel auf operativer Ebene angerichtet haben. Fast allen gemeinsam ist, dass sie, rückblickend betrachtet, besser dastehen denn je.

Bonusverzicht von den Steuern abgezogen

Der personifizierte UBS-Versager ist Marcel Ospel. Er war in Zürich schon vor dem Debakel äusserst unbeliebt, denn ihm wurde das Grounding der Swissair angelastet. Aber nach seinem erzwungenen Rücktritt bei der UBS im Frühjahr 2008 war er regelrecht verhasst. Das ging so weit, dass ihn ein Gast in der Kronenhalle ohrfeigte. Ospel half auch nicht, dass er wie sein Vize Haeringer auf einen Teil seiner Abgangsentschädigung verzichtet hatte.

Haeringer, der inzwischen pensioniert ist, erregte nur noch einmal Aufmerksamkeit, als er sich vor Bundesgericht das Recht erstritt, die 4 Millionen Franken, auf die er 2008 verzichtet hatte, von seiner Steuerrechnung abzuziehen.

Der 67-jährige Ospel figuriert nach wie vor auf der Liste der 300 reichsten Schweizer. Die «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf 150 bis 200 Millionen Franken. Ospel lebt in Wollerau SZ und ist in dritter Ehe mit Adriana Bodmer verheiratet, mit der er Zwillinge hat. Total hat Ospel sechs Kinder. Er hat eine schwere Krebserkrankung überwunden und widmet sich seinen Kindern und zusammen mit seiner Frau Finanzinvestments. Nur sie tritt gegen aussen auf. So hat sich Ospel, ein SVP-Mitglied, eine Zeit lang mit einem Darlehen von 70 Millionen Franken als Strohmann von Christoph Blocher bei der «Basler Zeitung» engagiert.

Jenkins überredete Chefs zum Kauf der Pactual

Eines seiner anderen Investments, ­jenes beim Fintech-Unternehmen Centralway Numbrs, ist kein gutes Geschäft. Hier hat neben Ospel mit Josef Ackermann, Pierre Mirabaud eine ganze Korona ehemaliger Spitzenbanker Geld verloren. Im Mai musste Centralway ein Drittel seiner 150 Angestellten entlassen. Daneben engagieren sich die Ospels bei der Immobilienfirma Sitex. Sie hält Häuser im Wert von rund 400 Millionen Franken, die meisten in der Schweiz, aber zunehmend auch in Australien und den USA.

Ausgerechnet in den USA, wo die UBS mit Immobilien so viel Geld verloren hat. Als sich dies 2007 abzuzeichnen begann, kam es zum Machtkampf mit seinem CEO Peter Wuffli. Dieser wollte an einer legendären VR-Sitzung in Valencia seinen Chef stürzen. Warum das nicht gelang, wurde nie restlos geklärt. Tatsache ist aber, dass sich sowohl Wuffli wie auch Ospel von den Investmentbankern John Costas und Huw Jenkins hatten überreden lassen, in Subprime-Immobilien in den USA zu investieren.

Costas liess sich von der UBS 2005 sogar einen eigenen Investmentfonds finanzieren. Er war es auch, der bei der UBS mit Abstand am meisten verdiente. Jenkins überredete seine Chefs zudem zum Kauf der brasilianischen Bank Pactual von Andre Esteves. Wuffli ist inzwischen in der Schweiz ein bemerkenswertes Comeback gelungen. Erst schrieb er ein Buch über Ethik in der Wirtschaft, dann wurde er 2013 Chef der Investmentgesellschaft Partners Group, die ihren Börsenwert seither verdreifacht hat.

Kurer ist Präsident von Sunrise

Costas hat nach seinem Abgang bei der UBS eine Finanzboutique aufgemacht, die er inzwischen verkaufte. Gleichzeitig wurde er einer der grössten Aktionäre der New Yorker N. J. Bank, deren Verwaltungsrat er vor einem Jahr verliess, weil sich das Management angeblich nur um das eigene Wohl und nicht um das der Aktionäre kümmerte. Er selbst ist dabei noch viel reicher geworden, als er es nach dem Abgang bei der UBS war.

Jenkins arbeitet heute für die Bank Pactual, die von der UBS in der Not wieder an Esteves verkauft wurde, 600 Millionen unter dem Kaufpreis. 2012 kam die Bank für 14 Milliarden Dollar an die Börse. Seither ist auch Jenkins schwer reich.

Kurer und Rohner, die bis zum Frühling 2009 die Bank durch die Krise steuerten, sind inzwischen rehabi­litiert. Kurer, dem vor allem zur Last gelegt wurde, dass er als langjähriger Chefjurist die Steuerrisiken in den USA nicht erkannte, schrieb auch ein Buch und hat heute als Präsident von Sunrise wieder einen Spitzenjob in der Wirtschaft. Daneben arbeitet er als Rechtsanwalt.

Marcel Rohner ist Vizepräsident der Privatbank UBP und Verwaltungsrat bei der Neuen Helvetischen Bank von SVP-Nationalrat Thomas Matter. Daneben ist er Verwaltungsrat der Warteck Invest AG. Auch er kann sich in Wirtschaftskreisen wieder zeigen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.08.2017, 12:02 Uhr

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