Luxusauto-Fahrer verursachen mehr Unfälle

Bei teuren und schnellen Autos kracht es häufiger – Das zeigt eine Auswertung von über 250'000 Unfällen.

Deutlich höhere Unfallzahlen: Ein ausgebrannter Porsche in Zürich.

Deutlich höhere Unfallzahlen: Ein ausgebrannter Porsche in Zürich. Bild: Keystone

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Zürich Am Steuer des schwarzen Mercedes-Benz S500 sitzt ein 20-Jähriger. Es ist das Auto seines Vaters, ein Luxusmodell, das je nach Ausführung 200 000 Franken kostet. Der Fahrer will nach Wattwil SG. Auf einer Landstrasse nimmt er einem Subaru den Vortritt – es kommt zur Kollision. Doch der Mercedes braust einfach weiter. Am 20. April verschickt die Polizei einen Zeugenaufruf.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein Mercedes-Fahrer Verkehrsregeln verletzt hat. Denn je teurer und luxuriöser ein Auto ist, desto häufiger sind deren Fahrer schuld an Unfällen. Dieser Zusammenhang lässt sich jetzt erstmals statistisch belegen. Die Versicherung Axa-Winterthur hat mehr als 250 000 Unfälle aus den Jahren 2012 bis 2016 ausgewertet. Berücksichtigt wurden alle haftpflichtigen Hauptverursacher. Das Resultat, aufgeschlüsselt nach Autokategorien, ist eindeutig: Teure und grosse Fahrzeuge aus der Kategorie Transporter wie die Pick-ups VW Amarok oder Dodge Ram haben gegenüber dem Durchschnitt eine um 25 Prozent erhöhte Unfallhäufigkeit. Ebenfalls markant erhöht ist die Unfallhäufigkeit bei Luxusautos wie jenem schwarzen Mercedes S500. Hier beträgt das Plus 20 Prozent. Deutlich über dem Durchschnitt liegen auch die Werte von Autos der oberen Mittelklasse (plus 15 Prozent) sowie solchen der Kategorie «sport utility vehicle» (SUV/Geländewagen), (plus 10 Prozent).

Junge Männer verursachen am meisten Unfälle

Eine durchschnittliche Unfallhäufigkeit haben Kompaktvans wie zum Beispiel ein Seat Alhambra: Bei solchen Autos ereignet sich im Schnitt nur gerade alle 15 Jahre ein Unfall. Bei einem VW Amarok hingegen passiert dies bereits alle 12 Jahre. Die Schadenfrequenz ist damit markant höher.

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Wer sind die gefährlichsten Lenker?






Die Unfallforscher der Axa-Winterthur um Leiterin Bettina Zahnd haben die Zahlen gewichtet und hochgerechnet. Es ist daher unerheblich, dass derzeit beispielsweise mehr SUV als andere Autos verkauft werden. Das verfälscht die Resultate nicht. Zahnd vermutet, dass ein «Designtrend» das Phänomen teilweise erklärt. Gerade bei SUV, aber auch bei anderen Fahrzeugen mit einer hohen Unfallhäufigkeit würden die Heckfenster immer schmaler, sagt sie. So leide die Rundumsicht. «Auch Parksensoren können diese gemäss unseren Studien nicht ersetzen.» Darüber hinaus seien Faktoren wie Alter und Geschlecht entscheidend. So zeige etwa die Forschung, sagt Zahnd, dass junge Männer am meisten Unfälle verursachen würden.

Schadenfrequenzen nach Fahrzeugklassen Grafik vergrössern

Das bestätigt Verkehrspsychologe Benjamin Graber. «Wir haben es überdurchschnittlich oft mit jungen Männern zu tun, die eine Vorliebe für luxuriöse oder sportliche Autos haben», sagt der Gutachter, der am Zentrum Diagnostik, Verkehrs- und Sicherheitspsychologie der Hochschule Zürich arbeitet. Um zu protzen, würden sich diese Männer trotz knappen finanziellen Mitteln «ein prestigeträchtiges Fahrzeug leisten, nicht zuletzt, weil sie glauben, damit in ihrem sozialen Umfeld einen positiven Eindruck zu hinterlassen». Ihre Selbstüberschätzung und mangelnde Gefahrenwahrnehmung in Kombination mit den leistungsstarken Autos führe nicht selten zu «riskanten Manövern und letztlich zu Unfällen».

«Vielfahrer erleben oft Stress und können in der Folge im Strassenverkehr mit Ungeduld reagieren oder an Aufmerksamkeit verlieren.»Verkehrspsychologe Benjamin Graber

Doch nicht immer sind die risikoaffinen jungen Männer die Sündenböcke – zumal sie sich die teuren Fahrzeuge oft tatsächlich nicht leisten können. Graber vermutet, dass insbesondere auch Geschäftsleute, die Vielfahrer seien und häufig Luxusautos besitzen würden, die Auswertung der Versicherung beeinflussen. «Solche Lenker erleben oft Stress und können in der Folge im Strassenverkehr mit Ungeduld reagieren oder an Aufmerksamkeit verlieren.» Zudem sehe man bei Vielfahrern den «Effekt, dass sie es mit der Zeit nicht mehr mit allen Regeln so genau nehmen, was ebenfalls die Unfallwahrscheinlichkeit erhöht».

In 10 Prozent der Fälle gab es Tote oder Verletzte

Von allen über 250 000 ausgewerteten Unfällen handelt es sich bei rund der Hälfte um Manövrierschäden. Ein Drittel sind Auffahrunfälle – und der Rest sind «andere Unfalltypen», wie Forscherin Zahnd sagt. In 10 Prozent der Fälle gab es Tote oder Verletzte, in allen andern Fällen entstand nur Sachschaden. Die Art der Schäden ist über alle Fahrzeugkategorien hinweg gleich verteilt. Das bedeutet letztlich: Die Halter teurer und luxuriöser Autos verursachen häufiger schlimmere Unfälle, und sie sind häufiger schuld an einem Verkehrstoten als der durchschnittliche Autofahrer. Der junge Mercedes-Fahrer in Wattwil hatte Glück, bei der Kollision mit dem Subaru entstand nur Sachschaden. Die Polizisten fanden den flüchtigen Mann aus der Region Wattwil noch am selben Abend. Er verweigerte gegenüber den Polizeibeamten die Aussage. Jetzt läuft gegen ihn ein Strafverfahren, wie ein Polizeisprecher sagt. Bis auf Weiteres kurvt er wohl nicht mehr mit Vaters schwarzem Mercedes herum. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.07.2017, 23:21 Uhr

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