Bis zum nächsten letzten Spiel

Badminton: Rémy Matthey de l’Etang will in der Nationalliga A nur noch Trainer sein – aber das wollte er schon öfter.

Auch nach 34 Jahren hält er noch immer das Racket in der Hand. Rémy Matthey de l’Etang, «Mister Badminton».

Auch nach 34 Jahren hält er noch immer das Racket in der Hand. Rémy Matthey de l’Etang, «Mister Badminton». Bild: Florian Bärtschiger

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Das unwiderruflich und ein für alle Mal letzte Spiel in der Nationalliga A hat Rémy Matthey de l’Etang vor fast zehn Jahren bestritten, im April 2008. Er hatte sich da schon zwei Jahre mit dem Thema Rücktritt beschäftigt, nicht mehr ganz so regelmässig trainiert, und überhaupt: Sollten doch die Jungen mal etwas mehr Verantwortung übernehmen und nicht immer nur er.

Mit ein paar Jahren Abstand muss man ganz klar sagen, dass Matthey de l’Etang damals die absolut richtige Entscheidung getroffen hat – mit dem kleinen Schönheitsfehler halt, dass er in der Zwischenzeit schon so viele NLA-Spiele bestritten hat, dass er selbst nicht weiss, wie viele es gewesen sein könnten.

Mal fehlten die Spieler, mal das Geld, mal ging es gegen den Abstieg, mal um den Aufstieg. Und dann haben sie halt immer wieder bei ihm nachgefragt. «Nur im Notfall», haben sie gesagt, «bloss für ein paar Spiele», «nur im Doppel», «dieses eine Mal noch». Es ging so weit, dass er 2011 unverhofft die Interclub-Meisterschaft mit Solothurn gewann, weil er auch das nicht ablehnen konnte und die von ihm trainierten Basler ohnehin grade eine Liga weiter unten spielten.

Es war eines von vielen Comebacks, und wer weiss, vielleicht waren es am Ende ein paar zu viele. Aber wie hätte er denn je absagen können, als sie ihn gefragt haben? Er sah ja irgendwann selbst keinen Grund mehr, nicht zu spielen. Dafür machte ihm der Sport noch immer zu viel Spass, körperlich hatte er auch keine Beschwerden, und das grösste Problem – wenn man das überhaupt so nennen darf – war, dass er noch immer gut genug war für die NLA.

Auch bei seinem vorerst letzten Spiel im Januar 2017, neun Jahre nach dem, was ursprünglich mal als Rücktritt gedacht war. Mit 46.

Erfahrener Mann

Die Schweizer Nationalliga A ist sicher nicht die stärkste Liga der Welt. Aber es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein Spieler nach seinem 40. Geburtstag noch immer mithalten kann mit all den jungen Kerlen, die ihre Oberkörper so gummimässig verdrehen, ohne dass ihnen am Tag danach alles wehtut. Selbst der zweitälteste Spieler der Liga, Oliver Colin, kommt kaum noch zu Einsätzen, und der hat seinen 40. Geburtstag noch immer vor sich. «Ich weiss schon, dass meine Leistungen nicht ganz alltäglich sind», sagt Matthey de l’Etang.

Rémy Matthey de l’Etang hat im Alter von 13 Jahren – wegen eines Mädchens, weswegen sonst? – zum ersten Mal ein Racket in die Hand genommen und es seitdem nie mehr zur Seite gelegt. Tischtennis, Fussball, Rollhockey, das hätte ihn durchaus auch gereizt, irgendwie. Aber nichts verband für ihn «Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft, Feingefühl und Bewegungen» so wie das Badminton. Und er hätte wohl auch in keiner anderen Sportart so viel Erfolg gehabt wie in den 34 Jahren auf dem Court als Spieler, Trainer, Spielertrainer und Trainerspieler.

14 Interclub-Finalteilnahmen, acht Titel, mehrmaliger Meister im Doppel und dazu gabs schweizweit noch den prestigelosen, aber deswegen nicht unwichtigen Titel des «Mister Badminton». Im Einzel schaffte er es in der Rangliste unter die besten 100 Spieler der Welt, im Doppel war er die Nummer 20, und in einer anderen Zeit, in einem anderen Land, wäre es in beiden Kategorien vielleicht sogar noch ein bisschen weiter nach oben gegangen. «Im Doppel war ich nahe am Maximum meines Könnens. Im Einzel wäre aber wohl noch mehr möglich gewesen mit einem erfahrenen Mann an der Seite», sagt er, «mit einem Trainer wie mir.»

Trainer, das ist es ja, was Matthey de l’Etang längst ist und im Grunde auch gerne nur noch wäre – wenn nicht alle paar Monate wieder einer um die Ecke käme und fragen würde, ob er nicht noch ein allerletztes Mal Lust habe auf ein bisschen NLA. Am Donnerstagmittag hat er sich jeweils eine Stunde reserviert, um mit einem Freund «einfach nur zu spielen». Die restliche Zeit, die eine gewöhnliche Woche so hergibt, steht er jedoch in irgendeiner Halle am Rand, schaut zu, korrigiert, schiebt Arme in die richtige Position und Füsse auf die passende Markierung.

Hunderte Bewegungen, Abläufe, die der 47-Jährige in seinem Leben schon so oft vorgezeigt hat, dass er es gar nicht mehr falsch machen kann.

Neue Saison

Beim SC Uni Basel trainiert er die Mannschaften von der NLA bis hinab in die 4. Liga, die restlichen Stunden gehen für Einheiten mit Schülern, Studenten, Rollstuhlsportlern oder Privatpersonen drauf, die einfach nur Spass am Badminton haben. Immer wieder das Gleiche und doch jedes Mal ein bisschen anders. «Ich habe noch nie das Gefühl von Langeweile gespürt. Ich empfinde es noch immer als Privileg, so meinen Lebensunterhalt zu bestreiten», sagt Matthey de l’Etang. «Dadurch, dass ich so viele unterschiedliche Gruppen trainiere, ist es sehr abwechslungsreich und noch immer spannend. Ich habe schon das Gefühl, dass ich das Spiel begriffen habe und auch den guten Spielern noch etwas beibringen kann – auch wenn ich nicht mehr aktiv in der NLA auf dem Court stehe.»

Aber genau das ist in diesen Tagen ja die Frage: Muss man sich so langsam für das nächste Comeback bereit machen, schliesslich startet an diesem Sonntag die nächste Saison für Uni Basel (siehe Box) und Matthey de l’Etang? «Wenn ich in der 4. Liga gebraucht werden sollte, will ich das nicht ausschliessen. Aber in der NLA bin ich ganz eindeutig als Trainer vorgesehen. Es würde doch keinen Sinn machen, wenn ich mit meinen 47 Jahren noch immer mitspiele.»

Aber was ist, wenn drei Spieler ausfallen sollten, warum auch immer? Was, wenn Not am Mann ist, für ein Doppel, nur noch dieses eine Mal? Was, wenn es ihn doch noch braucht? «Das halte ich aktuell nicht für sehr wahrscheinlich», sagt Rémy Matthey de l’Etang. Aber ganz ausgeschlossen ist es eben doch nicht, dass er sein letztes Spiel in der Nationalliga A weder im April 2008 noch im Januar 2017 bestritten hat. Sondern dass es noch immer vor ihm liegt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.10.2017, 14:11 Uhr

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