Auf der Suche nach den Gründen

Die BaZ erklärt die fünf grössten Baustellen in der aktuellen Formkrise des FC Basel.

Ratlose Gesichter. Die enttäuschten Basler Spieler nach der 0:2-Niederlage gegen die Young Boys im Cup-Halbfinal am Dienstag.

Ratlose Gesichter. Die enttäuschten Basler Spieler nach der 0:2-Niederlage gegen die Young Boys im Cup-Halbfinal am Dienstag. Bild: Keystone

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Die Suche nach den Gründen für das fortschreitende Basler Formtief begann gleich nach dem Spielschluss, und natürlich führte sie unmittelbar zu Raphael Wicky. Seine Spieler hatten 0:2 in Bern verloren und damit den Einzug in den Cupfinal verpasst. Und als wäre das alles nicht genug, hatte der Club auch nicht das erhoffte Zeichen im Hinblick auf die Super League setzen können. «Es sind viele Faktoren, die im Moment nicht zusammenpassen», sagte Wicky nach dem Spiel. Die BaZ nennt die fünf grössten Basler Baustellen.

Brennpunkt Abwehr

Seine ersten Spiele für den FCB hat sich Léo Lacroix sicher anders vorgestellt. Die erste Partie von Anfang an gegen Manchester City. Dann die Niederlage gegen St. Gallen, zu der er persönlich mit einem Fehler beitrug. Und dann am Dienstag der Cup-Halbfinal gegen YB.

Man muss aber sagen, dass sich auch der Verein die Eingliederung des Innenverteidigers anders ausgemalt hatte. Lacroix, erst am letzten Tag der Transferphase verpflichtet, sollte Zeit bekommen. Zwar sagte Marco Streller, dass der 26-Jährige bereit sei. Lacroix war für die ersten Wochen jedoch hinter Marek Suchy und Eder Balanta eingeplant. Erst durch die Verletzung des zuletzt so starken Kolumbianers musste Lacroix nach grade mal zehn Tagen Eingewöhnungszeit schon ins Team rücken.

Neben der offensiven Komponente (siehe unten) fehlen den Baslern in der hintersten Linie nun Eingespieltheit und Abstimmung. Lacroix ist bisher noch ein Unsicherheitsfaktor. Und weil neben ihm auch die übrigen Verteidiger nach ihrer Form suchen, ist die Defensive aktuell nicht der grosse Rückhalt, den der FCB zum Aufschwung braucht.

Brennpunkt Kreativität

Man kann sich ja mal die Mühe machen und das Basler Kader aus der Hinrunde nach seinem kreativen Potenzial durchforsten. Defensiv- und Offensivspieler suchen, die dazu in der Lage sind, den Ball eine Linie nach vorne zu bringen.

Manuel Akanji? Nicht mehr da für eine schnelle Auslösung. Eder Balanta? Verletzt. Mohamed Elyounoussi? Völlig ausser Form. Luca Zuffi? Gerade erst wieder fit. Dimitri Oberlin? Nicht in Form. Renato Steffen? Nicht mehr da. Matias Delgado? Ende der Karriere. Dazu kommen mit Valentin Stocker und Fabian Frei zwei Zugänge, die ausser Form sind und mit Samuele Campo ein Talent, dem man die volle Verantwortung noch nicht alleine übertragen will.

Beim Blick auf diese Namen wird klar, woran es dem FCB mangelt.

Mit Suchy, Lacroix, Geoffroy Serey Die und Taulant Xhaka haben die Basler in der Mittelachse im Spiel gegen den Ball einen kampfstarken Block vor dem eigenen Tor. Bei eigenem Ballbesitz ist jedoch von keinem dieser Spieler ein hohes Mass an Kreativität zu erwarten.

Darum wird es entscheidend sein, dass Wicky vor allem in der mittleren Schaltzentrale mehr Kreativität erhält. Zum Beispiel, indem er Zuffi und Frei gemeinsam aufbietet und sie mit Einsatzminuten an ihre frühere Form heranführt. Mit Xhaka oder Serey Die hätte er immer noch je einen Spieler zur Absicherung. Oder, indem dem Trainer auch Campo regelmässig Teileinsätze vermittelt, um das Spiel zu beleben. Denn viele Torchancen hatte der FCB in dieser Rückrunde bisher noch nicht.

Brennpunkt Abschluss

Und damit ist auch klar, dass die Basler Offensive krankt. In vier von fünf Spielen in diesem Jahr hat der FCB nicht getroffen, was man nicht nur, aber auch den Stürmern anlasten muss.

Immer, wenn es nicht läuft, wurde im Verlauf der Saison ja schon an die 43 Tore gedacht, die der FCB durch Seydou Doumbia, Marc Janko und Delgado verloren hat. Aber: Der Abgang der beiden Stürmer war eine ganz bewusste Entscheidung des Vereins hin zu mehr Tempo und hin zu modernem Umschaltfussball. Die Basler haben jetzt andere Stürmertypen und scheinen damit die Fähigkeit verloren zu haben, aus dem Nichts ein Tor zu erzielen. Ricky van Wolfswinkel arbeitet zwar viel, ist durch seine weiten Wege und den grossen Einsatz zuletzt aber nicht mehr so gefährlich. Schon in der Vorrunde kamen die Basler erst in die Gänge, als der Holländer ausfiel. Und auch Rückkehrer Albian Ajeti scheint sich eher für seine Mitspieler aufzuarbeiten, statt selber gefährlich zu werden. Dabei bräuchte es in der aktuellen Situation genau das.

Brennpunkt Hierarchie

Es war der ausdrückliche Wunsch der sportlichen Führung, dem Team in der Winterpause mehr Persönlichkeit, mehr Charakter zuzufügen. Ein Makel, den man trotz aller sportlichen Erfolge in der Vorrunde ausgemacht hatte. Das hat man getan, indem man Stocker und Frei zurückgeholt hat, die neben dem geforderten Charakter zusätzlich noch rotblaue Vergangenheit mitbrachten.

Es besteht kein Zweifel, dass die Rückkehrer das Innenleben des Teams allein durch ihre Anwesenheit verändert haben. «Sie markieren in der Garderobe nicht den Chef», sagte Michael Lang vor dem Spiel gegen YB im Tages-Anzeiger. Aber er sagte auch: «Klar, sie kommen nicht, um sich das Ganze einfach mal bis in den Sommer anzuschauen.»

Spieler wie Mohamed Elyounoussi, Taulant Xhaka und selbst FCB-Captain Marek Suchy sind in der Winterpause ruckartig nach hinten gerutscht, was die Hierarchie angeht. Das allein muss zwar noch kein Problem sein. Aber klar ist, dass solche Änderungen im Innenleben des Teams sich auf die Leistungen auswirken können. Erst recht, wenn Spieler wie Frei und Stocker in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind, statt der ganzen Mannschaft mit ihren Qualitäten in der Kabine zu helfen.

Zwar bestreitet Sportchef Streller, dass es der falsche Weg war, so sehr in das Teamgefüge einzugreifen, und bei Frei war auch kein Risiko zu erkennen. Aber mit Stocker hat man einen Spieler geholt, der zuletzt keine Einsätze hatte.

Brennpunkt Trainer

Die Frage ist: Kann man Raphael Wicky einen konkreten Fehler vorwerfen? Und die Antwort muss lauten: Nein. Wicky hat auch in den letzen Spielen nachvollziehbare Entscheidungen getroffen. Der Wechsel hin zum 3-4-3 in Bern macht zum Beispiel Sinn, der FCB wollte die sich bietenden Freiräume nutzen, so wie er das in der Champions League schon getan hat. Wicky hat sein Stammpersonal aus der Hinrunde nicht gleich fallen lassen; und trotzdem hat er weiterhin rotiert, um für den jeweiligen Gegner die besten Spieler auf dem Platz zu wissen. Und auch zuletzt blieb er stets gelassen und redete die Leistungen seiner Mannschaft nicht schön.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob er nicht eine Mitschuld an der Formkrise einiger Akteure trägt. War die Stimmung in der Vorbereitung gar zu gut? Hätte man mehr arbeiten müssen? Hätte es klarere Ansagen vor dem Rückrundenstart gebraucht? Ist der Trainer also doch schuldig?

Fest steht aber, dass der FCB sich in einer Krise befindet, der derjenigen aus der Vorrunde ähnelt. Mit dem wichtigen Unterschied, dass den Baslern im Fernduell gegen die Young Boys jetzt die Zeit davonläuft und Wicky trotz allen Erfolgen in der Champions League derjenige sein könnte, der erstmals seit neun Jahren nicht Schweizer Meister wird. Eine Situation, die einen Trainer, der etwas mehr als ein halbes Jahr ein Profiteam betreut, lähmen kann.

Noch profitiert Raphael Wicky von den Leistungen aus der Hinrunde, und man würde ihm vermutlich auch einen zweiten Platz verzeihen. Aber nur dann, wenn sich die Spielweise der Basler bald spürbar verbessert. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.03.2018, 11:26 Uhr

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