Auf diesen vier goldenen Säulen steht der FCB-Palast

In Sachen Philosophie, Transferpolitik, Kommunikation und Wirtschaftlichkeit hat der abtretende Präsident Bernhard Heusler neue Massstäbe im Schweizer Fussball gesetzt.

Ein grosser Verwaltungsrat tritt ab. Stephan Werthmüller, Bernhard Heusler, Georg Heitz und René Kamm (v. l.) tragen den FCB im Herzen.

Ein grosser Verwaltungsrat tritt ab. Stephan Werthmüller, Bernhard Heusler, Georg Heitz und René Kamm (v. l.) tragen den FCB im Herzen. Bild: Keystone

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Alles begann im Sommer 2003. Der FCB, Paris Saint-Germain und Spielmacher Hakan Yakin hatten sich im Dickicht einer Transfer-Rückkehr nach Basel verirrt, als die Dienste eines Juristen gefragt waren. Der damalige Vereinsvorstand um Mäzenin und Transferchefin Gigi Oeri knüpfte Bande zu Bernhard Heusler, einem erfahrenen Wirtschaftsanwalt, der seit seiner Kindheit mit dem FC Basel tief verbunden war. Heusler entwirrte den Fall Yakin und bewies ein erstes Mal, dass er bereit war, schnell zu lernen in einem Geschäft, das so enorm von Emotionen getrieben ist.

Heusler kniete sich in diverse Dossiers der Rotblauen und übernahm Verantwortung. Öffentlich sichtbar wurde dies im Nachgang an die Ausschreitungen im St.-Jakob-Park am 13. Mai 2006, als er als frisches Mitglied des Verwaltungsrats die treibende Kraft hinter dem verbesserten Dialog mit den Fans und dem sogenannten «Basler Weg» wurde. Im Januar 2009, mittlerweile zum Vize-Präsidenten avanciert, übernahm er auf Wunsch von Gigi Oeri das operative Tagesgeschäft. Drei Jahre später wurde er zum Präsidenten gewählt, bei dem die Fäden von Club, AG und Holding schön gebündelt zusammenliefen.

Heuslers Intelligenz, gepaart mit dem Willen, den Club in allen Belangen zu stärken, ihn als führende Kraft in der Schweiz und als ernst zu nehmender Vertreter einer kleineren Liga interna­tional zu positionieren, ohne seine Wurzeln und lokale Verankerung zu verraten, machten ihn rasch zu einem Vorzeige-Präsidenten für die ganze Liga und einen geschätzten Vertreter des Schweizer Fussballs im Ausland. Er verbindet wie kein anderer erster Mann eines Schweizer Clubs Cleverness mit Sozialkompetenz, Eloquenz mit Volksnähe und Diplomatie mit Entscheidungsmut. Das führte den heute 53-jährigen Basler zu acht Meistertiteln hintereinander – eine Serie für die Ewigkeit. Geradezu bombastisch lesen sich die aktuellen Kennzahlen des Schweizer Vorzeigeclubs: 132 Millionen Franken Umsatz, 29 Millionen Gewinn.

Im Wesentlichen sind es vier goldene Säulen, auf denen Heusler und seine Mitstreiter in der Clubführung den rotblauen Palast bauten.

Philosophie

Für den Verwaltungsrat holte Heusler 2012 jene Leute ins Boot, die er kannte und denen er blind vertraute: Georg Heitz als Sportdirektor, Adrian Knup als Vize, Stephan Werthmüller für die Finanzen sowie René Kamm für das Marketing. Den Vorwurf, den Heusler zunächst da und dort lesen musste, war barer Unsinn. Von «Seilschaften» und «Vetterliwirtschaft» war in einigen Zeitungen die Rede. Das Geheimnis dieser Runde war ein ganz anderes. «Jeder findet den anderen in seiner Persönlichkeit und in seiner Funktion einfach toll», sagt Stephan Werthmüller. Es gab nie Heimlichtuereien untereinander, keinen Neid und keine geltungssüchtigen Gockel, die nach jeder Sitzung das Gefühl hatten, sie müssten an anderem Ort Dampf ablassen.

Wenn es Informationen zu kommunizieren galt, übernahmen Bernhard Heusler oder Georg Heitz diesen Part – in Absprache mit den Kollegen. Die anderen hielten sich an das Heusler-­Prinzip: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Adrian Knup, zum Beispiel, wird clubintern für fähig gehalten, ein Geheimnis sogar mit ins Grab zu nehmen. Seine ersten Worte nach einer brisanten Sitzung jeweils an die Journalisten: «Müsst mich gar nicht fragen. Ihr wisst doch, dass ich nichts sage.»

Die Macht eines Trainers

Nach der Trennung von Christian Gross im Mai 2009 fällte der damalige operative Leiter Heusler in Zusammenarbeit mit dem neuen Sportkoordinator Heitz einen tiefgreifenden Entscheid: Der Cheftrainer der ersten Mannschaft soll nicht mehr Präger, sondern nur noch Träger der rotblauen Clubphilosophie sein. Gross hatte auf seinen letzten Metern im Joggeli zu viel Macht vereint. Dieser stand der Autorität der Geldgeberin und Präsidentin Oeri gegenüber. Neu sollten Leitlinien vorgegeben und jede Entscheidung in einem Gremium gefällt werden: Die Sportkommission bestimmt gemeinsam die Kaderplanung. Der Trainer kann zwar den Zuzug eines neuen Spielers im Zweifelsfall verhindern. Doch er ist nicht mehr als eine Stimme. Und hat damit nur im Gremium Einfluss auf die Transferpolitik.

Gegen aussen schwächte der FCB damit scheinbar die Macht seines Cheftrainers, schärfte gleichzeitig aber sein Profil. Die Rollenverteilung nach aussen wurde sakrosankt. Die Chefetage mischte sich nicht in die klassischen Aufgabenbereiche des Trainers. Die Botschaft war klar: Trainer sind Teamleader und wichtige Führungspersonen im Club, aber nicht die Führung des Clubs. Der Vorstand dagegen sollte sich nicht in Diskussionen über die Mannschaftsaufstellung verlieren, sondern die Strategie und Philosophie des Clubs bestimmen.

Nach dem Abgang von Meistertrainer Thorsten Fink im Oktober 2011 verschoben sich die Gewichte noch deutlicher. Ein Spieler mit der Glaubwürdigkeit und dem Status eines Marco Streller hatte zunehmend Einfluss in gewissen Themen. Sein Wort hatte Gewicht. Der Stürmer zahlte in Form von Leistung und Toren in entscheidenden Momenten zurück.

Durchdacht war auch die Politik, mit der Georg Heitz und Bernhard Heusler auf dem Transfermarkt agierten. Selbst bei kniffligsten Fällen liessen sie die Emotionen auf der Seite und verboten sich böse Worte nach aussen. Ihre Botschaft war stets die gleiche: Fussballer sind keine Geldsäcke, sondern junge Menschen mit einer Karriereplanung. Damit vergifteten Sportdirektor und Präsident nie das Klima zwischen Spieler und Verein, wie das bei vielen anderen Clubs regelmässig zu beobachten ist. Und auch im Austausch mit anderen Clubs oder Agenten herrschte meist ein Klima der Kooperationsbereitschaft.

Zurückhaltung zeichnete das Duo auch in anderen Bereichen aus: keine Beteiligungen und Boni bei Transfers, keinen Anteil am positiven Geschäfts­ergebnis. Keine verbalen Rundumschläge, wenn ein Spieler wie Zdravko Kuzmanovic mit dem Trainer kollidierte. Keine verbalen Traumtänze vor den Mikrofonen, zum Beispiel zu Saisonbeginn oder vor einer Champions-­League-Kampagne. Sätze wie «wir haben nun über zehn Millionen Franken ausgegeben, nun garantieren wir unseren Fans den Vorstoss in die Viertelfinals», hätten nur falsche Erwartungen geschürt und die Wucht einer Abrissbirne entfaltet. Deshalb waren sie in Basel nie zu hören.

Das Ende der Herrlichkeit

Ein Königsgedanke des Gremiums betraf immer auch das Ende der eigenen Herrlichkeit. «Wir spürten, dass wir keine neue Impulse mehr setzen konnten», sagte Bernhard Heusler Ende April im grossen BaZ-Interview. Der Zeitpunkt der Stabübergabe an Bernhard Burgener könnte nicht besser sein. Der rotblaue Palast hat einen vollen Tresor im Keller, im September wartet die Gruppenphase der Champions League.

Dass die Holding-Aktien zu einem Preis von zwischen zehn und 15 Millionen Franken an Bernhard Burgener überschrieben wurden, bedeutet, dass der FCB deutlich unter Wert verkauft worden ist. Hätten sich Heusler und seine Kollegen richtig die Taschen füllen wollen: Es würden wohl weit mehr als 20 Millionen Franken fliessen. Und auch das wäre legitim gewesen. Geldgier geht definitiv anders.

Transferpolitik

Die Struktur des Spielerkaders hatte fast schon architektonische Züge. Ein Drittel der Spieler sollte Schweizer Nationalität sein, ein Drittel eigene Kräfte aus dem Nachwuchs, ein Drittel Ausländer. In der eben zu Ende gegangen Saison konnte dieses Vorhaben nicht mehr ganz umgesetzt werden: Die Qualität im Kader war schlicht zu hoch, um einem Drittel Nachwuchsakteuren Platz zu gewähren. Dafür wurde der Meistertitel in Sachen Tabellenpunkte souveräner denn je eingefahren.

Insgesamt gilt: Kein anderer Club in der Schweiz bewegte sich bei Zu- und Abgängen so nah an der Perfektion wie der FCB. Hier liess sich das Heusler-­Prinzip vergolden. Dafür gibt es einige Beispiele. Beschloss die «Abteilung Technik», der neben Heusler, Nachwuchschef Knup und Sportdirektor Heitz auch Chefscout Ruedi Zbinden, der jeweilige Trainer und seit 2015 auch der künftige Sportchef Marco Streller angehörten, einen neuen Spieler zu verpflichten, folgte der Deal jeweils einer klaren Kommunikationspolitik. Das Gremium bevorzugte eine einheitliche Sprachregelung. Selbst wenn Georg Heitz gute Drähte nach Ägypten und Ruedi Zbinden nach Südamerika hat: Jeder neue Profi wurde gegen aussen der Kategorie «einstimmig» zugeordnet. So gab es in der Wahrnehmung keine «Heitz-Spieler», keine «Zbinden-­Protèges» und keine «Heusler-Lieblinge» – und es konnte kein Keil zwischen die Mitglieder dieses enorm wichtigen Gremiums getrieben werden.

Erkannte die Führung das Potenzial eines Spielers, wurde immer auch vertragstechnisch zügig entschieden. Im Januar 2016 hätte Breel Embolo für mehr als 20 Millionen Franken zu Wolfsburg wechseln können. Der Stürmer war bereit und wollte weg. Heusler & Co suchten das Gespräch mit dem begehrten Talent. Und versprachen ihm: Im Sommer darfst du gehen. Es zählten das Wort und der Handschlag, auf eine weitere Klausel im Vertrag dagegen verzichteten die Parteien. Derart teuer war Embolo nur, weil er sein Arbeitspapier in Basel längst verlängert hatte. Im Sommer 2016 hielt der Vorstand Wort: Embolo durfte zu Schalke. Der Revierclub legte noch mehr Geld auf den Tisch als Wolfsburg im Winter bereit gewesen wäre, zu zahlen. «Breel hat uns vertraut», verriet Heusler, als die Papiere unterschrieben waren. Vertrauen baut man zu Menschen auf, nicht zu Geldsäcken.

Die Devise des Vorstandes

Natürlich kam es auch vor, dass ein Akteur seinen Kontrakt nicht mehr verlängern wollte. Die Devise des Vorstands in einem solchen Fall lautete: Verabschiede den Spieler anständig und wenn möglich durch die grosse Türe. Applaus von den Rängen, warme Worte des Vorstandes in der Öffentlichkeit – das war für die Kicker fast gleich viel wert wie ein Koffer voller Gold. Geoffroy Serey Die überwarf sich im Winter 2014/2015 mit Paulo Sousa. Heusler und Heitz vermittelten hinter den Kulissen und hielten selbst dann Kontakt mit dem Spieler, als dieser längst zum VfB Stuttgart geflüchtet war. Im Sommer 2016 war Serey Die zurück im St.-Jakob-Park – und streicht heute noch bei jeder Gelegenheit die Wärme der Clubbosse heraus, die er spürt.

Öffentlich publik wurde 2016 die Chatgruppe, die Bernhard Heusler per WhatsApp mit ehemaligen Spielern gegründet hat; da werden Komplimente digital durch ganz Europa verschickt, grüsst Ivan Rakitic aus Barcelona und simst Granit Xhaka aus London zurück.

Bemerkenswert sind auch gewisse Vertragsinhalte, die der FCB-Vorstand formulierte. Einem Spieler wie Behrang Safari schrieb man sechs Monate vor dessen Rückkehr nach Schweden einen neuen Bonus in den Kontrakt – eine Prämie für den Meistertitel, um noch eine Extraportion Leistung aus dem Spieler herauszukitzeln. Dieser zeigte sich dankbar und gab alles, bis zum letzten Match. Tor- oder Assistprämien, die einst Christian Gimenez, Marco Streller und Alex Frei gewährt wurden, gibt es nicht mehr, dafür zusätzliche Boni aus der Champions League für alle Kaderspieler. Das erhitzt keine Gemüter und stärkt den Sinn für den Pass zum Mitspieler sowie die Gemeinschaft.

Eine andere Überzeugung in der Transferpolitik: Keine Spieler von anderen Clubs ausleihen, ohne die Option zu fixieren, diesen im Erfolgsfall auch definitiv übernehmen zu können. In der Not neigen etliche Clubs immer wieder dazu, einen Akteur für ein halbes oder ganzes Jahr auszuleihen. Das spart zwar eine Ablösesumme, greift aber oft zu kurz: Schlägt der Spieler ein, wird er von seinem Stammverein bei nächstbester Gelegenheit zurückgepfiffen. Zurück bleibt jener Verein, der eine Lücke in der Reihe wieder neu schliessen muss.

Kommunikation

Wer von der Teppichetage des Clubs den Trainer kritisiert, hat das mediale Donnerwetter garantiert. Nachfragen darf man bei Christian Constantin in Sion oder Bernhard Alpstaeg in Luzern. In Basel wurde das oberste Gebot nicht gepredigt, sondern gelebt: Diskreditiere niemals den Trainer in der Öffentlichkeit! Auch der legendäre Constantin-­Satz («Der Totomat entlässt den Trainer») wurde beim FCB ad absurdum geführt. Natürlich hat das Resultat auch hier Gewicht, doch in erster Linie wurden die Trainer nach Leistung und Leistungsbereitschaft beurteilt. Bei Coaches wie Heiko Vogel, Murat Yakin oder Paulo Sousa wurde nicht ins Tages­geschäft gepfuscht, auch wenn man in Sachen Taktik oder Personalwahl anderer Meinung war. Das ermöglichte den Übungsleitern eine klimaneutrale Zone über der Trainerbank, auf der sie sich so lange verwirklichen konnten, bis sie von der Führung nicht mehr als passende Lösung erachtet wurden oder selbst weiterziehen wollten.

Der Dialog mit der Kurve

Mit Hochgenuss wird von vielen Führungskräften landauf, landab die Kritik an Schiedsrichtern verbreitet. Hei, ist das lustig, wenn hinter jedem Pfiff eine Verschwörung gewittert werden kann. Aus Basel kam ganz selten ein Wort gegen die Referees. Warum? Weil man den Spielern keine Alibis liefern wollte. Auch das liebgewordene Bekritteln der Clubpolitik der Konkurrenz überliessen sie in Basel den andern.

Dafür stand Bernhard Heusler praktisch im Dauerdialog mit der Muttenzerkurve. Dem harten Kern den schwierigen Spagat zwischen Kommerz und Tradition zu vermitteln: Darin sah er eine seiner Hauptaufgaben. Der «Basler Weg» bei Ausschreitungen und Gewalt vor oder in den Stadien – Dialog statt Repression – hat sich bewährt; auch wenn Heusler bei diesem schwierigen Thema mit Abstand am meisten medial kritisiert wurde. Eine andere Linie fahren, härter sein? Bis heute kann Heusler niemand den Gegenbeweis liefern, dass er damit erfolgreicher gewesen wäre.

Auch den Vorwurf, Heusler habe sich mit dem FCB zu wenig von gewissen Chaoten abgegrenzt, muss ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Unvergessen bleibt seine Rede im Mai 2014, drei Tage nach dem Gewinn des Meistertitels in Aarau, als er im ausverkauften St.-Jakob-Park sich von sinnloser Gewalt an Fussballspielen in einer eindrücklichen Rede distanzierte und gleichzeitig nicht die Ausgrenzung von ganzen Gruppen forderte – sondern an die vereinte Kraft des Basler Publikums appellierte.

Die Erreichbarkeit des Duos

Ein nicht zu unterschätzendes Plus von Bernhard Heusler und Georg Heitz war die Verfügbarkeit des Duos – und zwar für alle. Dem Sportdirektor schien das Telefon phasenweise in der Handinnenfläche eingewachsen zu sein. Waren die beiden nicht sofort erreichbar, riefen sie umgehend zurück und erklärten jedem Feld-Wald-und-Wiesen-Radio die relevanten Zusammenhänge des Tagesgeschäfts. Dabei ging es nicht darum, bei der Presse Bonuspunkte zu sammeln, sondern um die Marke FC Basel in bestmöglichem Licht darzustellen. Landesweit berühmt-berüchtigt waren die langen Kurznachrichten von Bernhard Heusler, die er Journalisten zu fast jeder Tag- und Nachtzeit übermittelte. Niemals in bitterbösem Ton, manchmal lesbar genervt – aber immer erklärend und weiterführend. So vermittelte Heusler den Medienschaffenden stets, sie ernst zu nehmen und zu respektieren, weil er sich jedem Dialog stellte.

Die hohe Verfügbarkeit des Duos nahmen auch die Spielerberater dankbar zur Kenntnis. In einer Transferperiode haben sie hundert Fragen und zweihundert Anliegen pro Tag. Wer eine halbe Woche lang auf einen Rückruf warten muss, bietet seinen Spieler halt dem nächsten Club an. Und ob nun der unbekannte Agent aus Ägypten oder der glamouröse Cheftrainer von Chelsea in der Strippe hängt – alle wurden mit der gleichen Sorgfalt und Geduld behandelt, was sich weit über Basel hinaus herumsprach.

Wirtschaftlichkeit

Wer es schafft, den Umsatz auf 132 Millionen Franken hochzufahren und 29 Millionen Gewinn zu schreiben, hat nicht nur die eigene Buchhaltung vergoldet, sondern alle natürlichen Grenzen einer ganzen Liga verschoben. Letztmals Verlust wies der FCB im Mai 2009 aus. Seither schnellten die Zahlen nach oben, weil praktisch jeder Plan auf und neben dem Rasen aufging.

Dennoch wurden Heusler und seine Verwaltungsratskollegen nie übermütig, im Gegenteil. Im sportlichen Bereich liessen sich die Macher nie von Emotionen oder Dankbarkeit leiten, sondern von der nüchternen Realität. So gab es auch keine Geschenke in Form von Verträgen für verdienstvolle Spieler. Goalie Franco Costanzo war 2011 Captain und Publikumsliebling; er musste gehen, weil sich die Clubführung für Yann Sommer entschieden hatte. Ein Glücksgriff. Benjamin Huggel war 2012 Chef, Zeichensetzer und defensives Gewissen im Mittelfeld der Rotblauen, gefürchtet für seine beinharten Tacklings beim Gegner; er musste gehen, weil die Clubführung sowie Trainer Heiko Vogel der Meinung waren, Marcelo Diaz sei für die Zukunft die bessere Wahl. In jedem anderen Schweizer Club hätte Huggel aus Dankbarkeit ein weiteres Vertragsjahr geschenkt bekommen. Nicht beim FCB.

Die Rückkehr von Alex Frei

Dasselbe erlebte auch Alex Frei. Er war nach seiner Rückkehr 2009 die fleischgewordene Tormaschine – und ging im April 2013, weil er im Konzept von Murat Yakin keine tragende Rolle mehr spielte. Der damalige Trainer hatte das Leistungsprinzip ausgerufen, was der Clubführung zunächst gefiel, nachdem man den Stürmer in einer Komfortzone wähnte. Später jedoch, Alex Frei war als Sportdirektor in Luzern schon wieder Vergangenheit, versöhnte man sich auf subtile Weise mit dem ehemals besten Stürmer der Schweiz. Alex Frei kam zurück und trainiert die eigene U15; keine der Parteien war sich zu schade, Fehler zuzugeben.

Wer goldene Ränder um seine Zahlen haben will, braucht eine Budget-­Disziplin, denn die kapitalsten Fehler begeht Bruder Leichtfuss bekanntlich im Erfolg. Obwohl der FCB Transfer­erträge in zweistelliger Millionenhöhe verbuchte, neigte er nie zu Gigantismus. Bis heute ist Alex Frei mit 6,5 Millionen Franken der teuerste Neuzugang der Geschichte. Ihm am nächsten kam 2012 Marcelo Diaz (4,5 Millionen Franken).

Die Verlockung

Natürlich wäre es für den abtretenden Verwaltungsrat verlockend gewesen, sich am Jahresende eine schöne Dividende auszahlen zu lassen. Doch im Heusler-Prinzip hatten derartige Gedanken keinen Platz. Die Gremiumsmitglieder sollten sich weder imagemässig noch wirtschaftlich des FCB bedienen; besser, das Geld bleibt im volatilen Fussballgeschäft.

Das hinderte sie aber nicht daran, die Kasse auch dann noch klingeln zu lassen, wenn das begehrte Talent längst verkauft worden war – dank raffinierten Weiterbeteiligungen, die in den Verträgen verankert wurden. Der Wechsel von Granit Xhaka im Sommer 2016, der von Gladbach nach London zu Arsenal weiterzog, bescherte dem FC Basel mehr als zehn Millionen Franken extra. Kein Wunder, hatte Finanzminister Stephan Werthmüller stets einen Traum, den er gerne in die Runde schmiss: «Ivan ­Rakitic wechselt von Barcelona zu Chelsea – für 120 Millionen Euro Ablöse …»

So weit ist es bis heute nicht gekommen. Viel näher ist der Tag der Stab­übergabe von Heusler zu Burgener – am nächsten Freitag an der Generalversammlung. In Erinnerung bleibt ein Verwaltungsrat, der den FC Basel sportlich und wirtschaftlich in neue Sphären geführt hat. Das Heusler-Prinzip: Es wird nicht zu kopieren sein. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.06.2017, 13:11 Uhr

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