Bayern-Star Gomez rät schwulen Fussballern zum Outing

Mario Gomez fordert in der Diskussion um homosexuelle Fussballer ein radikales Umdenken. Die Vergangenheit zeigt aber, wie hoch die Barrieren für die Betroffenen sind.

Einsamer Rufer in der Wüste: Mario Gomez vom FC Bayern.

Einsamer Rufer in der Wüste: Mario Gomez vom FC Bayern. Bild: Keystone

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Gomez spricht sich für ein freiwilliges Outing der schwulen Kicker-Gilde aus. «Sie würden dann wie befreit aufspielen. Schwulsein ist doch längst kein Tabuthema mehr. Wir haben einen schwulen Vizekanzler, der Berliner Bürgermeister ist schwul. Also sollten sich auch Fussballprofis zu ihrer Neigung bekennen», so der deutsche Nationalstürmer gegenüber dem Magazin «Bunte».

In Deutschland hat sich bislang allerdings erst ein einigermassen bekannter Fussballer zu seiner Homosexualität bekannt: der frühere Zweitligaprofi Marcus Urban. Der heute 36-Jährige trat 2007, rund zehn Jahre nach dem abrupten Ende seiner Karriere, an die Öffentlichkeit. Urban wollte mit seinem Beispiel homosexuelle Spieler und Trainer zum Outing bewegen.

Zeitung zahlte 250'000 Franken für Outing

Der einzige Profi, der sich während seiner Aktivzeit outete, war der englische Stürmer Justin Fashanu. 1990 zahlte ihm die Boulevardzeitung «The Sun» umgerechnet 250'000 Franken, um die Schlagzeile «Ich bin schwul» drucken zu können.

Insidern waren Fashanus Neigungen allerdings schon seit 1981 bekannt, damals kam er für eine Millionenablöse zum englischen Erstligisten Norwich City. Weil Trainer Brian Clough mit den Leistungen seines Schützlings nicht zufrieden war, stellte er Nachforschungen über dessen Privatleben an. Nachdem er herausgefunden hatte, dass Fashanu homosexuell war, beschimpfte er ihn vor versammelter Mannschaft als «verdammte Schwuchtel».

Selbstmord in der Garage

1998 erhängte sich Justin Fashanu in London in einer Garage. Ein 17-Jähriger hatte ihm vorgeworfen, er habe ihn vergewaltigt. Mehrere Monate später veröffentlichte die BBC Fashanus Abschiedsbrief mit dem folgenden Wortlaut:« Ich habe den Jungen nicht vergewaltigt. Er hatte bereitwillig Sex mit mir, doch am nächsten Tag verlangte er Geld. Als ich nein sagte, sagte er: ‹Warte nur ab!› Warum ich dann weggerannt bin? Nun, nicht immer ist die Justiz gerecht. Ich fühlte, dass ich wegen meiner Homosexualität kein faires Verfahren bekommen würde. Ihr wisst, wie das ist, wenn man in Panik gerät. Bevor ich meinen Freunden und meiner Familie weiteres Unglück zufüge, will ich lieber sterben.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.11.2010, 08:33 Uhr

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