Beckenbauer und Netzer loben Lucien Favre

Bayern München ist der Top-Favorit auf den Titel. Doch Lucien Favre hat mit Gladbach gegen den Krösus der Liga beide Saisonspiele gewonnen. Zwei deutsche Weltmeister staunen.

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Lucien Favre sorgte mit Gladbach zum Rückrundenstart gleich für die erste handfeste Überraschung. Beim 3:1-Sieg konterte die Mannschaft Leader Bayern München aus und demütigte das Starensemble regelrecht. Spielmacher Bastian Schweinsteiger entpuppte sich nach der Partie als schlechter Verlierer. «Der Platz ist in meinen Augen in einem katastrophalen Zustand. Ich weiss nicht, ob es hier geschneit hat die ganze Zeit, aber für mich ist es immer fraglich, wieso ein Platz nach so einer langen Pause in so einem schlechten Zustand ist», jammerte der deutsche Internationale bei Sky.

Auch den schlimmen Fehler von Bayerns Keeper Manuel Neuer, der Gladbach die 1:0-Führung ermöglichte, erklärte sich der Bayern-Star mit dem Zustand des Rasens. «Ich glaube, er trifft den Ball nicht richtig, weil der Platz nicht so gut ist. Das passiert Manuel von tausend Mal nur ein Mal – aber das liegt am Platz!»

«Gladbach hat wieder perfekt gespielt»

Franz Beckenbauer, der mit Deutschland als Spieler und Trainer Weltmeister wurde, ist Experte bei Sky. «Wenn man sieht, wie Gladbach kombiniert, kann es nicht am Rasen liegen», sagte Beckenbauer auf dem Sender und widerspricht damit Bastian Schweinsteiger. Die Platzverhältnisse seien für beide Teams gleich gewesen. Wenn Bayerns Ehrenpräsident von Gladbach spricht, kommt er geradezu ins Schwärmen. Beckenbauer erinnert sich noch bestens an das erste Saisonspiel, als das Team von Lucien Favre in München 1:0 gewann. «Man glaubte, das erste Spiel vor einem halben Jahr zu sehen. Gladbach hat wieder perfekt gespielt. Wenn man jetzt beide Spiele vergleicht, sind sie identisch», so Beckenbauer, dessen Aussage einem Ritterschlag für Favre gleichkommt. Beckenbauer warnt seine Bayern vor einer leichten Saison. «Das ist kein Alleingang der Bayern, sondern eine Viererbande. Aber es bleibt spannend, und das ist gut. Ich halte es mehr mit der Spannung. Ich nenne es mal Ausrutscher in Gladbach.» Es war allerdings schon der zweite gegen das Team von Lucien Favre, das den Bayern nun schon sechs Punkte abgenommen hat.

«Gladbach hat einen absoluten Strategen und klugen Taktiker als Trainer»

Günter Netzer hatte am vergangenen Freitag im exklusiven Interview mit baz.ch/Newsnet zum Rückrundenstart erklärt, Gladbach habe in der Vorrunde am obersten Limit gespielt. Es werde auch zu Rückschlägen kommen. «Es ist schon erstaunlich, was die Gladbacher zurzeit abliefern. Sie haben gegen die Bayern während 75 Minuten sogar das beste Saisonspiel abgeliefert», sagt der deutsche Weltmeister diesmal gegenüber baz.ch/Newsnet. Gladbach habe einen absoluten Strategen und klugen Taktiker als Trainer. «Favre hat das Spiel gegen die Bayern bis ins kleinste Detail geplant», so Netzer. Das sei eine taktische Meisterleistung gewesen. Trotz des Sieges über die Bayern bleibt Netzer bei seiner Meinung, Gladbach gehöre nicht zu den ernsthaften Titelanwärtern. «Ich halte Gladbach nach wie vor noch nicht für reif genug, dieses hohe Niveau während einer ganzen Saison halten zu können.»

«Das war Fussball vom Allerfeinsten»

Auch Gladbach-Experte Jörg Stiel kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es sei geradezu grandios, was die Mannschaft von Lucien Favre immer zu leisten imstande sei. «Gegen die Bayern war das sogar Fussball vom Allerfeinsten», sagt der ehemalige Keeper der Borussia gegenüber baz.ch/Newsnet. Er könne auch die Ausreden von Bastian Schweinsteiger über die angeblichen schlechten Terrainverhältnisse nicht nachvollziehen. «Als ein Gladbacher Bayerns Keeper Neuer unter Druck setzte, wollte dieser das Spiel schnell machen. Er spielte den Ball, anstatt etwas abzuwarten und cool zu bleiben», sagt der ehemalige Schweizer Nationaltorhüter. Da habe er eben den Gladbacher Torschützen Marco Reus mit einer idealen Vorlage bedient.

Auch Bayerns Trainer Jupp Heynckes kritisierte den deutschen Nationaltorhüter erstmals. «Manuel Neuer hat in der Vorbereitung super gearbeitet, ist ein absoluter Klasse-Torwart. Er versucht, den Ball unheimlich schnell wieder ins Spiel zu bringen. Und dann passieren solche Aktionen wie vor dem 0:1. Er müsste es einfach etwas ruhiger machen, etwas bedächtiger, etwas konzentrierter, einfach Tempo rausnehmen. Das ist sein Problem», sagte einstige deutsche Nationalstürmer in der ARD. An der Tabellenspitze führt Hitchcock Regie. Ein Hauptdarsteller ist Lucien Favre, der langsam aber sicher zu einem Bayern-Schreck wird. Von der Niederlage der Bayern konnten die Verfolger allesamt profitieren. Denn auch Meister Dortmund (5:1 beim HSV) und Schalke (3:1 gegen Stuttgart) gewannen ihre Partien. Gladbach hat jetzt auf das punktgleiche Trio Bayern, Dortmund und Schalke nur noch einen Punkt Rückstand.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2012, 11:37 Uhr

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