«Da konnte ich perfekt draufhauen»

Roger Federer holt in Basel seinen achten Titel und spricht über den Frust am Netz.

«Mein Aufschlag funktionierte heute nicht.» Roger Federer erlebt im Final ein Auf und Ab.

«Mein Aufschlag funktionierte heute nicht.» Roger Federer erlebt im Final ein Auf und Ab. Bild: Keystone

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Die Geschichte wiederholte sich nicht. Nach den Finalniederlagen 2012 und 2013 war es Roger Federer, der den Siegerpokal bei den Swiss Indoors küssen und in die Höhe strecken durfte. Und Juan Martin Del Potro weinte für einmal Tränen der Enttäuschung. Federer und Del Potro zeigten im Endspiel der Swiss Indoors die beste Partie des Turniers. Der verletzungsgeplagte Argentinier («mir tut alles weh, das Handgelenk, der Rücken, die Hüfte, die Knie, die Schulter») holte sich den ersten Satz in der Kurzentscheidung, obwohl er zuvor mit einem Break in Rücklage war. Aber Federer kam zurück, er gewann den zweiten Satz 6:4, ehe er den Traumfinal im letzten Durchgang mit 6:3 für sich entscheiden konnte. Die letzte Vorhand Del Potros segelte ins Out, Ekstase in der St. Jakobshalle.

Nach dem traditionellen Pizzaessen mit den Ballkindern beantworte ein glücklicher, aber müder Roger Federer die Fragen der Journalisten und erklärte, warum er auf das Turnier in Paris verzichten wird.

Roger Federer, am Samstag spielten Sie gegen David Goffin nahezu perfekt, heute bekundeten Sie gegen Juan Martin Del Potro Mühe. Wie erklären Sie sich diesen Unterschied?
Del Potro ist ein ganz anderer Spieler. Er hat einen anderen ersten Aufschlag als Goffin, auch die Vorhand und die Rückhand der beiden kann man nicht vergleichen. Aber ich kann schon irgendwie verstehen, dass sich die Leute fragen, wie das sein kann.

An was ist es heute gelegen, dass es ein harter Kampf wurde?
Del Potro hat besser serviert und musste lange Zeit fast nie mehr über den zweiten Aufschlag gehen. Er blieb immer am Drücker, mit dem Aufschlag, mit der Vorhand. Weil im Gegenzug mein Aufschlag heute nicht funktionierte, kam ich immer wieder ins Straucheln.

Trotz der Schwäche bei eigenem Aufschlag konnten Sie einen Topspieler wie Del Potro schlagen.
Es ging rauf und runter heute. Ich bin sicher, Del Potro bedauert es, dass er verloren hat. Er hat viele gute Chancen nicht genutzt. Wenn du mit Break im Dritten führst, dann reicht das normalerweise. Ich bin glücklich, dass es trotz schwachem Service geklappt hat. Denn ich war eine Zeit lang wirklich frustriert. Ich konnte nicht glauben, was am Ende des ersten Satzes und am Anfang des zweiten passierte. Da verlor ich für einen Moment die Hoffnung. Aber ich hatte Glück und spielte dann im dritten Satz besser.

Zuletzt haben Sie beim US Open gegen Del Potro noch verloren. Haben Sie sich heute so viel besser gefühlt?
Ich war ja in New York sehr nahe dran, hatte Satzball für eine 2:1-Führung. Und was passiert dann? Dann kippts vermutlich, das war wie ein kleiner Matchball. Wir standen zuletzt drei- mal auf dem Platz gegeneinander, dreimal war es knapp. Ich hatte Probleme in New York, unter anderem mit dem Rücken. Und er hat nun seine vierte Woche nacheinander gespielt. Ich sage Ihnen, das ist viel, viel Tennis! Er war heute sicher nicht ganz frisch (er hustet). Entschuldigung, die Pizza steckt mir im Hals.

Am Freitag und nun im Final haben Sie mehr Emotionen gezeigt als üblich. Sie haben geflucht, auch mal den Schläger aufs Netz geschlagen. Woran lag das?
Es hat sicher mit Basel zu tun, ich will es hier besonders gut machen. Das Publikum war hinter mir, und ich habe versucht, den Schwung zu nutzen. Ich habe heute ein paar Fehler gemacht, bei denen ich gedacht habe: Das kann doch nicht wahr sein! Und dann war ich wunderbar am Netz platziert und konnte perfekt draufhauen (lacht).

Sie haben kommuniziert, dass Sie das Hallenturnier in Paris nicht spielen werden. Warum?
Basel fordert immer viel von mir. Dazu ist es körperlich anstrengend, es sind immerhin fünf Spiele in sechs Tagen. Mein Körper verlangt eine Pause, das spüre ich. Ich weiss, die Leute sehen das nicht, weil es auf dem Platz so einfach aussieht. Aber das ist es nicht.

Mit der Absage in Paris ist die Weltnummer 1 in diesem Jahr wohl nicht mehr erreichbar. Hat das Ranking in Ihren Überlegungen eine Rolle gespielt?
Sicher habe ich ans Ranking gedacht, aber ich bin so weit hinten, dass es keinen Sinn macht. Für mich ist es wichtiger, dass ich mich nicht verletze.

Sie stehen nun bei 95 Titeln auf der Tour. Sie haben somit Ivan Lendl hinter sich gelassen, nun steht nur noch Jimmy Connors mit 109 Turniersiegen vor Ihnen. Ist diese Marke ein Ziel?
Nein, es ist wie die Weltnummer 1, es passiert oder es passiert nicht. Dass ich Lendl überholt habe, freut mich. Und ich habe immer gesagt, dass 100 Titel lässig wären, weil es einfach eine unglaubliche Marke ist. Aber jetzt bin ich bin einfach froh, dass ich den Final heute gewonnen habe, weil ich in meiner Karriere schon genug verloren habe. Das vergessen die Leute gerne. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.10.2017, 00:06 Uhr

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