Dann sagt mal, ob das ein Tor war

Premiere in der Bundesliga: Erstmals wurde der Videobeweis eingesetzt. Zwei starke Beispiele, ein peinlicher Ausfall und böse Kommentare der Fans.

Er fällte den ersten umstrittenen Entscheid per Videobeweis: Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte in der 51. Minute erst im zweiten Anlauf auf den Penaltypunkt.

Er fällte den ersten umstrittenen Entscheid per Videobeweis: Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte in der 51. Minute erst im zweiten Anlauf auf den Penaltypunkt. Bild: GUENTER SCHIFFMANN/AFP

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Am Freitag beginnt alles noch reibungslos. Im ersten Bundesliga-Spiel der Saison zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen läuft die 51. Minute. Der Ball segelt durch den Strafraum von Leverkusen, gleichzeitig fällt Robert Lewandowski zu Boden. Der Pole gestikuliert heftig, verlangt einen Elfmeter, doch der Schiedsrichter lässt weiterlaufen.

Dann, beim nächsten Unterbruch, hält der Unparteiische kurz den Finger ans Ohr, formt daraufhin mit seinen Händen ein Rechteck und zeigt auf den Penaltypunkt. In der Wiederholung ist ersichtlich: Lewandowski wird zurückgehalten. Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte wurde gerade der Videobeweis genutzt.

Ab 00:54: Die Szene mit Lewandowski und die Begutachtung des Videobeweises. Quelle: Youtube.

Mehrere Ausfälle, keine Abseitslinie

Doch bereits am Samstag sorgte der neue Videoassistent für heftige Diskussionen. Während die Nachmittagsspiele bereits in vollem Gang waren, meldete die Deutsche Fussball-Liga (DFL) massive technische Probleme. Bei Dortmund gegen Wolfsburg forderte Schiedsrichter Robert Hartmann nach einem Treffer von Marc Bartra den Videoassistenten wegen einer vermeintlichen Abseitsposition. Doch die Zentrale in Köln konnte die Szene auf dem Bildschirm nicht begutachten. Hartmann gab daraufhin das Tor.

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Auch bei den Partien Hoffenheim - Bremen, Hamburg - Augsburg und Hertha - Stuttgart streikte die Technik. Zusätzlich konnte die kalibrierte Abseitslinie nicht gezogen werden. Die DFL nahm daraufhin den Dienstleister Hawkeye in die Kritik und machte ihn für die technischen Probleme verantwortlich. «Für die DFL ist diese Situation nicht hinnehmbar. In Gesprächen mit Hawkeye werden die Hintergründe der technischen Schwierigkeiten in der kommenden Woche offengelegt», lautete es in der offiziellen Mitteilung.

«Schade, dass es heute keine Störungen gegeben hat»

Immerhin: Tags darauf bei Freiburg gegen Frankfurt kommt der Videobeweis bei einem vermeintlichen Treffer des Heimteams erneut zum Einsatz – dieses Mal störungsfrei. Nach Begutachtung des Videos wurde das Tor annulliert. Grund war eine Abseitsposition.

Der Videobeweis im Spiel Freiburg - Frankfurt.

Die Bilanz nach dem ersten Bundesliga-Wochenende ist zwiespältig, der Videobeweis scheint weiterhin mit Skepsis betrachtet zu werden. Während die Liga wohl noch an den technischen Finessen im System feilen muss, sind sich die Spieler und auch die Fans noch nicht einig, was sie vom Videoassistenten halten sollen. Einige Spieler belächeln die Schiedsrichter, sobald diese den Finger ans Ohr halten.

«Man freut sich, und eine gefühlte Ewigkeit später wird das Tor aberkannt», sagte Freiburg-Captain Julian Schuster und fügte sarkastisch an: «Schade, dass es heute keine Störungen gegeben hat.» Auch die Leverkusen-Fans skandierten nach dem Penaltypfiff «Fussballmafia DFB!». Fakt ist: In beiden Fällen, in denen der Videobeweis angewendet wurde, wäre es ohne den Assistenten zu einer Fehlentscheidung gekommen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2017, 12:39 Uhr

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DFL präsentiert Videobeweis-Arbeitsplätze

Der Raum sieht unscheinbar aus, aber hier werden in der kommenden Bundesliga-Saison wichtige Entscheidungen gefällt werden. Am Donnerstag wurde in Köln von der DFL und dem DFB der Monitorraum der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort werden die Videoschiedsrichter sitzen und ihre Meinung zu strittigen Fragen an den Hauptschiedsrichter auf dem Platz weitergeben. Ansgar Schwenken, Mitglied des DFL-Präsidiums am Donnertag in Köln:
Im Schiedsrichterwesen, in der letzten Saison, wurden ausgemacht: Insgesamt 104 spielrelevante Fehlentscheidungen in 306 Spielen. Heisst erst mal: Durchschnittlich in jedem dritten Spiel tauchte eine solche Fehlentscheidung auf. Von daher sind wir jetzt auch nicht dabei, dass wir jetzt hier den übermässigen Einsatz des Videoassistenten in jedem Spiel befürchten müssen. Dafür sind unsere Schiedsrichter in Deutschland viel zu gut. Von diesen 104 spielrelevanten Fehlern wäre in der letzten Saison 77 durch den Einsatz des Videoassistenten reparabel gewesen.
Und das soll dann also in der neuen Saison anders werden. Mit Beginn am 18. August wird bei allen Bundesligaspielen der Videobeweis eingesetzt. Die intensiven Tests dauerten bereits Monate. Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann mit seiner Einordnung der neuen Technologie in dem sonst eher sehr traditionellen Fussballsport:
Er wird auf jeden Fall ein stückweit gerechter. Muss man vielleicht auch dazu sagen, dass es eben nicht die Aufgabe des Videoassistenten ist, sämtliche Schiedsrichterfehler zu korrigieren, sondern es geht wirklich um vier Fälle, in denen der Videoassistent eingreifen darf: Das sind Strafraumsituationen. Das sind alle Vorfälle, die mit einer Torerzielung zu tun haben. Das sind Rote Karten und Spielerverwechselungen. Das sind die Fälle, die meistens den Spielausgang in irgendeiner Art und Weise beeinflussen. Aber es soll nicht so sein, dass der Videoassistent jetzt als Oberschiedsrichter fungiert und sämtliche Entscheidungen des Schiedsrichters kontrolliert und im Zweifel einkassiert.
Und auf der ganz grossen Bühne soll der Videoschiedsrichter dann vermutlich bei der WM 2018 in Russland zum Einsatz kommen. Mehr...

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