Das Warten auf Argumente – in beide Richtungen

Alle Augen sind in der Rückrunde auf FCB-Trainer Marcel Koller gerichtet. Seine Situation ist ungemütlich. Das gilt aber auch die für die rotblauen Entscheidungsträger.

Im Moment herrscht ungewohnte Minne beim FC Basel. Sportdirektor Marco Streller, Trainer Marcel Koller und CEO Roland Heri (von links).

Im Moment herrscht ungewohnte Minne beim FC Basel. Sportdirektor Marco Streller, Trainer Marcel Koller und CEO Roland Heri (von links). Bild: Freshfocus

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Wenn der FC Basel am Sonntag um 16 Uhr beim Grasshopper Club in die Rückrunde der Schweizer Fussball-Meisterschaft startet, dann geht es für ihn sportlich um weniger als auch schon: Bei 19 Punkten Rückstand auf einen in der Hinrunde fast makellosen BSC Young Boys ist der Titelgewinn selbst bei einem grandiosen rotblauen Siegeszug unrealistisch, weswegen die rasche Zementierung des zweiten Platzes als höchstes der Gefühle gilt – womöglich garniert mit dem schönen emotionalen Erlebnis eines in Anbetracht der verbliebenen Gegner schwierig zu schaffenden Triumphs im nationalen Cup.

Trotz des entschwundenen goldenen Meisterkübels wird es in dieser Rückrunde keinesfalls an Spannung mangeln, wenn es um den FC Basel geht. Dafür sorgt zum Beispiel das Kader, das in Anbetracht vieler wiedergenesener Rückkehrer auf einigen Positionen für ordentlich Konkurrenzkampf sorgt. Dafür stehen mit Zdravko Kuzmanovic und Valentin Stocker auch zwei prominente Namen in diesem Kader, die seit ihrer Rückkehr an den Rhein nie jene Rolle spielen konnten, für die sie geholt worden sind – und bei denen man sich fragt, ob sie in diesem Frühjahr die Kurve kriegen. Dafür steht aber vor allem der Mann an der Seitenlinie: Marcel Koller.

Gegenwind im Dezember

Seit Anfang August ist der 58-jährige Zürcher Trainer des FC Basel. Eine nachhaltige Entwicklung hin zum Guten war in der Hinrunde trotz zweier Siege zum Abschluss nicht erkennbar. Im Gegenteil: Nach diversen, herben Rückschlägen (europacuploser Herbst, YB-Niederlagen) blies Koller der Gegenwind bereits derart arg ins Gesicht, dass er zu kippen drohte: Die Spieler sahen sich nach der 1:3-Heimniederlage gegen YB genötigt, bei Trainer, Sportdirektor Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener vorzusprechen – wobei Koller von den beiden anderen Terminen erst im Nachgang erfahren haben soll.

Was daraus entstand, war nicht der grosse Knall, sondern die grosse Ruhe: In einem rotblauen Gebilde, das von einem Präsidenten mit grosser Distanz zum Tagesgeschäft geführt wird, wurde unter den verschiedenen Parteien eine Art Burgfrieden geschlossen – wohl nicht zuletzt deswegen, weil sich keiner stark und sicher genug fühlte, um seine Ansichten durchzusetzen.

Als Votum für Koller ist dies nicht zu werten. Das zeigt ein Blick auf den Januar. Da wurde auf Betreiben des Sportdirektors mit Ignacio Torreño ein neuer Athletikleiter verpflichtet, der nicht nur Kraft seiner Kompetenz, sondern auch seiner Autorität gegenüber dem Trainer den vielen Verletzungen aus der Hinrunde entgegenwirken soll.

Flaute im Januar

Gleichzeitig blieben Transfers neuer Spieler aus – ein Umstand, der sich durch die Rückkehr vieler zuvor rekonvaleszenter Profis begründen liess. Einer aber auch, der wohl als Zeichen gedeutet werden muss: Das Kader ist zu gross und zu kostspielig, um Wünsche eines Trainers zu erfüllen, von dem man bisher nicht überzeugt sein kann, dass er der richtige Mann ist.

Im Moment herrscht ungewohnte Minne, was nicht zuletzt auf den guten Eindrücken aus der Vorbereitung samt Testspiel-Resultaten fussen dürfte. Überraschend ist dies nicht, wurden diese doch auch im Juli bei der Entlassung von Raphael Wicky mit als Grund für die überstürzte Trennung angeführt. Es darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verantwortlichen des FC Basel vor allem eines tun: Sie warten ab, wie sich Marcel Koller und die Mannschaft in dieser Rückrunde auf dem Platz und auch im zwischenmenschlichen Bereich entwickeln. Sie warten auf Argumente – in beide Richtungen.

Keine Garantie

Stimmen Resultate, Auftritte und Ausstrahlung, dann wird der FCB-Trainer wohl auch im Sommer Marcel Koller heissen. Denn so reaktionär, wie sich die Führung bislang präsentiert, wird man den Totomat nicht ignorieren, selbst wenn man tief im Innern anders fühlen sollte.

Stimmen Resultate, Auftritte und Ausstrahlung nicht, dann ist eine Fortführung der Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus kaum vermittelbar. Und wenn das Bild schon früh jenem unbefriedigenden Auf und Ab aus der Hinrunde gleichen sollte, gibt es keine Garantie dafür, dass es nicht schon innerhalb der Saison zu einem neuerlichen Trainerwechsel kommt.

Rückenwind in Bern

Sicher ist: Kollers Situation ist ungemütlich. Klar ist aber auch, dass dies genauso für die rotblauen Entscheidungsträger um Burgener, Streller und CEO Roland Heri gilt: Sie müssen weit über die Trainerfrage hinaus alles dafür tun, damit der FC Basel im Sommer wieder ein ernsthafter Anwärter auf den Meistertitel ist. Nicht nur, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht: Es gilt, Zuschauer und Sponsoren bei Laune zu halten, auf die europäische Bühne zu gelangen und so den Transferwert des Kaders zu erhöhen. Es sind allesamt essenzielle Bereiche, auf die das vergangene Halbjahr keinen positiven Einfluss gehabt hat.

All das, während YB mehr denn je vor Kraft strotzt. Sportchef Christoph Spycher bleibt, Fabian Lustenberger kommt, und die Jahreskarten nahmen um sagenhafte 7000 Abos zu: Wer das zur Kenntnis nimmt, der wähnt die Verantwortlichen des FC Basel in den kommenden Monaten vor einer Aufgabe, die herkulisch anmutet.

Erstellt: 31.01.2019, 07:24 Uhr

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