Der FC Basel will das Stadion kaufen

Präsident Bernhard Burgener will, dass das Fussballstadion St.-Jakob-Park künftig dem FC Basel gehört.

Bald rotblaues Eigentum? Aktuell ist der FC Basel im St.-Jakob-Park nur Mieter – und bezahlt dafür jährlich über vier Millionen Franken.

Bald rotblaues Eigentum? Aktuell ist der FC Basel im St.-Jakob-Park nur Mieter – und bezahlt dafür jährlich über vier Millionen Franken. Bild: Dominik Plüss

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Nichts ist im Fussball wichtiger als das Resultat auf dem Rasen. Doch das Resultat auf dem Rasen ist nicht das einzige, was wichtig ist. Denn ein Profifussballclub ist längst nicht mehr nur Verein, sondern ein Unternehmen, das weit über die Eckfahne hinaus denken muss, will es seine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und der Gesellschaft wahrnehmen.

Bernhard Burgener ist bekanntlich Unternehmer. Also blickt er auch als Besitzer und Präsident des FC Basel so weit als möglich über die Eckfahne und in die Zukunft. Was er dort seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren sieht, ist unter dem Slogan «Für immer Rotblau» bekannt: Einen FCB, der verstärkt auf den Nachwuchs baut und bei dem das Basler Element ausgeprägt ist. All das gepaart mit sportlichem Erfolg.

Was er dort inzwischen auch sieht, war bislang noch nicht bekannt: Einen FC Basel, der in einem Stadion spielt, das er nicht wie bis anhin mietet, sondern das ihm gehört – und das er so gestalten kann, dass es gleichzeitig den eigenen wirtschaftlichen Bedürfnissen wie auch jenen der zahlenden Anhängerschaft optimal Rechnung trägt.

Es ist dies mehr als eine blosse Idee. Bernhard Burgener will der Genossenschaft Stadion St.-Jakob-Park das Herzstück – die Fussball-Arena – abkaufen, um dieses in den Besitz des FC Basel zu bringen. Das hat die BaZ nicht nur aus gut unterrichteten Quellen gehört, sondern wird vom FCB auch gar nicht erst dementiert.

Roland Heri, der als Chief Operations Officer das Tagesgeschäft der FC Basel 1893 AG leitet, will auf Anfrage zwar nicht näher auf die Thematik eingehen, sagt aber: «Wenn man als Fussballclub in der Dimension eines FCB wirtschaftlich denkt und die eigenen Möglichkeiten auslotet, dann ist das ein interessanter Schritt, den man überprüfen muss.»

Viel Geld

Der FC Basel würde durch diesen Schritt jährliche Mietkosten von zwischen vier und sechs Millionen Franken einsparen – eine Summe, die auch von der Anzahl der Heimspiele abhängt. Und es stünde ihm frei, bauliche Abänderungen vorzunehmen, falls ihm diese langfristig vorteilhaft erscheinen.

Umgekehrt müsste er künftig selbst für die Instandhaltung der Immobilie aufkommen. Und vor allem müsste er die Kaufsumme aufbringen: Geschätzte 100 bis 120 Millionen Franken müsste bezahlen, wer das Stadion aus dem gesamten Komplex herauskaufen will, während andere Komponenten wie die Altersresidenz oder das Shopping-Center in Besitz der Genossenschaft bleiben.

Es ist dies also knapp die Hälfte jener 250 Millionen Franken, die von 1999 bis 2001 für den gesamten Neubau ausgegeben wurden. Und es ist Geld, von dem zu vernehmen ist, dass es Burgener mittels grosszügiger Unterstützung durch Mäzene so aufbringen kann, dass am Ende der FCB Haupteigentümer des Stadions wäre – ohne dass er Kapital aus der AG einschiesst.

Auch wenn offenbar noch keine offizielle Anfrage seitens des FC Basel vorliegt, so haben doch schon erste Gespräche mit Vertretern der Stadiongenossenschaft stattgefunden. Weitere dürften noch folgen, bevor der Vorstand der Genossenschaft am 10. Dezember offiziell zum nächsten Mal tagt.

Viel Politik

Dieser wird von CVP-alt-Nationalrat Markus Lehmann präsidiert. Der Ex-Handball-Nationalspieler ist nicht der einzige Politiker in einem Gremium, dem auch der ehemalige FCB-Finanzchef Mathieu Jaus, Marcel Thommen und Raymond Cron angehören: Mit Ueli Vischer, Andreas Kressler und Sabine Pegoraro nehmen drei staatlich Delegierte im Vorstand Einsitz, welche die Interessen der Kantone Basel-Stadt und Baselland wahren.

Allein dies ist schon Hinweis darauf, dass ein Verkauf des Stadions von politischem Gewicht ist. Bernhard Burgener und der FCB sind auch auf staatlichen Goodwill angewiesen – umso mehr, als dass der Kanton Basel-Stadt Besitzer des Bodens ist, auf dem der St.-Jakob-Park steht. Bislang wurde das entsprechende Grundstück zu einem günstigen Baurechtszins zur Verfügung gestellt, den jeweils die Genossenschaft zu entrichten hat.

Diese umfasst heute rund 900 Mitglieder. Sie sind es, die in letzter Instanz einem Verkauf zustimmen müssten – dann, wenn sich der Genossenschafts-Vorstand, die Politik und der FC Basel diesbezüglich finden sollten. Denn dass es so weit kommt, ist keineswegs gegeben: Schon kurz nach Stadioneröffnung wagte der damalige FCB-Präsident René C. Jäggi mit Unterstützung des damaligen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel einen Vorstoss zum Kauf des Stadions. Der Vorstand der Genossenschaft blockte ab.

Knapp zwei Jahrzehnte später stehen die Vorzeichen insofern günstiger, dass der Bau inzwischen der einen oder anderen Sanierungsmassnahme entgegenblickt, was mit Kosten verbunden ist, die aktuell die Genossenschaft tragen müsste. Es könnte dies ein Türöffner sein. Dann, wenn der Preis stimmt – und dann, wenn die künftige Eigentümer-Struktur sich so gestaltet, dass die Genossenschafter das Stadion in verantwortungsvollen Händen wissen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.11.2018, 07:19 Uhr

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