Die wirtschaftliche Stunde null ist erreicht

Elyounoussi weg, Lang weg – das bringt dem FC Basel Geld, erhöht aber auch den Druck.

Bringen rund 50 Millionen Franken. Mohamed Elyounoussi (Bild rechts), Michael Lang (links), Renato Steffen und Manuel Akanji (beide nicht im Bild).

Bringen rund 50 Millionen Franken. Mohamed Elyounoussi (Bild rechts), Michael Lang (links), Renato Steffen und Manuel Akanji (beide nicht im Bild).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Ende genügten 121 Minuten, um die beiden Abgänge zu offizialisieren. Erst wurde Michael Langs Wegzug zu Borussia Mönchengladbach kommuniziert, danach der Transfer von Mohamed Elyounoussi zum FC Southampton vermeldet. Das sind zwei namhafte Clubs, die sich gut als Abnehmer machen. Und es sind zwei Kadermutationen, die dem FCB vor allem in einem Fall viel Geld in die Kasse spülen: Während Lang wohl gegen 3,5 Millionen Franken an Ablöse einbringt, muten die 21 Millionen, die Rotblau für Elyounoussi kassiert, geradezu traumhaft an – so eben, wie es nur in Verhandlungen mit einem Vertreter der superreichen englischen Premier League möglich ist.

Das freut den Finanzchef – und wohl noch mehr den Clubbesitzer und Präsidenten Bernhard Burgener. In Addition mit den Winterverkäufen von Manuel Akanji (für 22 Millionen nach Dortmund) und Renato Steffen (3 Millionen/Wolfsburg) verzeichnet der FCB im laufenden Geschäftsjahr rund 50 Millionen Franken an Transfereinnahmen. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er – anders als 2017 – Gewinn schreiben wird, ohne dabei einen weiteren Teil der Reserven anzutasten.

Mehr noch: Übersteht er zu Saisonbeginn die anspruchsvollen drei Qualifikationsrunden zur reformierten Champions League, winkt bei zusätzlichen Einnahmen von rund 30 Millionen Euro sogar ein Rekordergebnis. Und selbst die Europa League dürfte die eine oder andere Million bringen.

Diese Aussicht ist rosig. Burgener wird es sich womöglich leisten können, sowohl die finanziellen Clubreserven auf Höchststand zu bringen wie auch eine schöne Dividende auszuzahlen.

Die ganze Tragweite

Gleichzeitig ist vor allem mit dem Verkauf von Elyounoussi so etwas wie die wirtschaftliche Stunde null seiner Präsidialzeit erreicht. Der Moment, von dem an seine Entscheidungen und die seiner Führungsriege um COO Roland Heri und Sportdirektor Marco Streller voll zum Tragen kommen. Denn so wenig, wie diese allein verantwortlich waren, dass 2017 kein Interessent an sie herantrat, der mit den Millionen für einen Spieler wedelte, so viel profitierten sie bei den lukrativsten Abgängen 2018 auch noch von der Arbeit ihrer Vorgänger um den nachmaligen Präsidenten Bernhard Heusler.

Gewiss: Der Preis von Akanji und Elyounoussi ist durch die Auftritte in der Champions League stark gestiegen. Auftritte, die auch an Trainer Raphael Wicky festgemacht werden dürfen, der die Wahl von Burgener, Streller und Co. war. Aber beide Perlen standen schon zuvor im Kader des FC Basel und waren Stammspieler. Dass sie Gewinn bringen werden, war zum Zeitpunkt des Machtwechsels bereits absehbar.

Ab jetzt wird sich zeigen, ob die Verantwortlichen in der Lage sind, die sportliche und wirtschaftliche Erfolgsgeschichte mit ihren Ideen und ihrer Arbeit mittelfristig fortzuschreiben. Es wird sich zeigen, ob der FCB – unter Heusler ein vermeintliches Perpetuum mobile der Geldvermehrung – dieses Niveau halten kann oder ob seine Hubraumgrösse auf das Niveau eines normalen Schweizer Topclubs schrumpft, der jenem FCB vor Heusler ähnlich ist. Ein Club also, der noch Meister werden und international etwas erreichen kann. Ein Club aber auch, der Jahre einzieht, in denen er mehr ausgibt als einnimmt. Mit dem Unterschied zu damals, dass sich ein Minus bis auf Weiteres dank der angehäuften Reserven aus eigenem Sack berappen und in ein Plus verwandeln lässt, wo früher das Portemonnaie von Mäzenin Gigi Oeri die Absicherung darstellte.

Wirken sich die Verkäufe von Akanji und Elyounoussi finanziell entlastend aus, erhöhen sie also in gleichem Masse auch den Druck auf den Verantwortlichen. Und zwar in erster Linie auf den ertragreichsten, aber auch volatilsten Sektor: den Sport. Es gilt – wie schon zuvor – sich mit dem nationalen Erfolg als Basis einen Platz im internationalen Schaufenster zu sichern. Und das nicht nur, um an die Millionenprämien der Uefa zu gelangen, sondern auch, um den Marktwert der Spieler zu steigern. Nun aber von Spielern wie Oberlin, Ajeti oder Kalulu, die man selbst verpflichtet hat – und die umgekehrt mithelfen müssen, damit das gelingt.

Die erste Prüfung wartet diesbezüglich bereits am 24. Juli und 1. August. Dann, wenn sich PAOK Saloniki in den Weg zur Champions League stellt und ein Weiterkommen die Teilnahme an der Europa League garantiert. Die Vorbereitung ist darauf ausgerichtet. Ob das auch für die Kaderqualität gilt, wird sich zeigen. Denn ob Kalulu, Oberlin, Bua oder Okafor – einer muss am Flügel den Elyounoussi machen. Wer als rechter Aussenverteidiger spielt, ist völlig offen. Ein Ersatz für Lang ist dreieinhalb Wochen vor Termin noch nicht verpflichtet. Und Notnagel Taulant Xhaka ist so muskelverletzt, dass sie beim FCB keine Angabe über die Ausfalldauer machen können.

Wie ist es doch im Fussball? Es gibt einzelne Spiele, in denen geht es um Millionen. Und es gibt Spiele, in denen einzelne Details entscheiden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.06.2018, 07:59 Uhr

Artikel zum Thema

Elyounoussi wechselt zu Southampton

Der 23-Jährige verlässt den FC Basel für 21 Millionen – damit belegt er den dritten Platz auf der Liste der teuersten FCB-Transfers. Mehr...

Michael Lang verlässt Basel

Der Schweizer Nationalspieler wechselt in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Umstrittene Tradition: Der spanische Matador Ruben Pinar duelliert sich am San Fermin Festival in Pamplona mit einem Stier. (14. Juli 2018)
(Bild: Susana Vera ) Mehr...