Diese 5.-Liga-Kicker nehmen es mit Xamax auf

92 Jahre dauerte es, bis sich erstmals ein Fünftligist für den Schweizer Cup qualifizierte. 1500 Zuschauer sollen kommen. Normalerweise sind es 30.

Höhepunkt im Leben eines Fünftligisten: Die US Montfaucon ist bereit.

Höhepunkt im Leben eines Fünftligisten: Die US Montfaucon ist bereit.

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Schweizer Cup ist, wenn sich der Kleine mit dem Grossen misst. Wenn er auf seinem Sportplatz mehr Würste verkauft als im ganzen restlichen Jahr. Und er trotzdem nicht ganz so viel daran verdient, weil die Sicherheitskosten einen Grossteil der Einnahmen wieder wegfressen. Wenn er die leise Hoffnung hat, vielleicht, ja vielleicht, irgendwie in Führung zu gehen. Und dann der Oberklassige vielleicht, ja vielleicht, nervös wird. So wie einmal der FC Zürich in Mendrisio, Basel in Biel oder die Young Boys regelmässig – gegen wen auch immer.

Von einer Sensation träumen sie auch in Montfaucon, einer Gemeinde mit 600 Einwohnern im Kanton Jura. Die Dorfkicker empfangen am Samstag Xamax und rechnen mit 1000 Zuschauern, 1500 allenfalls, wenn es trocken bleibt wie vorhergesagt. In jedem Fall wird es einen Zuschauerrekord geben im Stade du Péché, etwas ausserhalb der Ortschaft gelegen und weniger ein Stadion als ein handelsüblicher Sportplatz. Nebenan weiden Kühe.

Die US Montfaucon ist kein gewöhnlicher Teilnehmer am diesjährigen Schweizer Cup, sondern: in der 92-jährigen Geschichte des Wettbewerbs der allererste Fünftligist. Weil der Club in der vergangenen Saison die Fairplaywertung des Schweizerischen Fussballverbandes gewonnen hatte, hat er sich für den Cup qualifiziert. «Eine ziemliche Überraschung» sei das gewesen, sagt Spielertrainer Jean Marc Bueche. Er wurde vom Präsidenten informiert, als er am 23. Juni gerade am Dorffest zum Umtrunk Platz genommen hatte.

Gewünscht hatte sich Bueche Sion, den stärksten Westschweizer Club mit seinen reisefreudigen Fans. Oder den FC Lugano, weil an der gleichzeitig stattfindenden und weltbekannten Pferdesport-Veranstaltung Marché-Concours im benachbarten Bezirkshauptort Saignelégier das Tessin Gastkanton ist. Xamax sei aber dritte Wahl gewesen und damit vollkommen okay, befindet er. Die unschöne Seite ist, dass wegen der erwarteten Ultras nicht weniger als 16 Polizisten aufgeboten wurden und bezahlt werden müssen.

Das Stade du Péché, ein Wald-und-Wiesen-Stadion.

Um auf dem Spielfeld wenigstens 30 Minuten mit den Profis aus der Challenge League mithalten zu können (dies ist das offizielle Ziel für die Partie), begann Montfaucon so früh wie nie mit der Saisonvorbereitung, zwei Trainings pro Woche. Und Bueches Spieler zeigten sich fleissig wie selten. «Ich habe 24 Spieler im Kader, und trotz Ferien waren in keinem Training weniger als 18 da», erzählt er lachend. Noch am Mittwoch bestritt (und verlor) Montfaucon ein Freundschaftsspiel gegen Franches-Montagnes aus der 4. Liga. In einer Woche beginnt die Meisterschaft.

Zusammen mit der ebenfalls in der 5. Liga spielenden 2. Mannschaft stemmt der Kleinclub nun zuerst aber dieses Dorffest, den Höhepunkt der Clubgeschichte schlechthin. Wo sonst vielleicht 30 Zuschauer stehen, haben sie ein Festzelt für 600 Personen und Dutzende Festbänke aufgestellt. Mit Shuttlebussen werden heute Nachmittag die Zuschauer zum Sportplatz gefahren, die am Bahnhof Pré-Petitjean ankommen. Hier verkehren Regionalzüge nach Clovelier und La Cibourg, manchmal sogar einer nach Saignelégier. Ansonsten verirren sich nur wenige in diese Gegend. (wie)

Erstellt: 12.08.2017, 08:54 Uhr

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